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OVZ-Leser spenden 2800 Euro für Altenburger „Mu-Ki“

„Super!!!“ OVZ-Leser spenden 2800 Euro für Altenburger „Mu-Ki“

Die Altenburger „Mu-Ki“ ist aus dem Häuschen: Ihr kleines Haus zum Unterstellen von Kinderwagen und Spielgerät kann tatsächlich gebaut werden. Rund 2800 Euro haben die OVZ-Leser bei der Aktion „Ein Licht im Advent“ gespendet – und erfüllen damit den großen Wunsch der Mutter-Kind-Wohngruppe des Innova Sozialwerks.

So sieht das Gerätehäuschen aus, mit dem Weihnachtsmann Bernd Feistel die „Mu-Ki“ überrascht. Mit ihm freuen sich Stephan Lichtenstein, Nancy Ritter, Elke Grünke mit dem kleinen Pascal-John, Andrea Teuber, Nikolaus Dorsch und OVZ-Redaktionsleiter Kay Würker.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Wenn die Lichter im Advent brennen, leuchten sie nicht nur in der Dunkelheit, sie wärmen die Herzen und streicheln die Seele. Solch gute Gefühle haben nun auch die Bewohner der Mutter-Kind-Wohngruppe („Mu-Ki“) in der Molbitzer Straße und alle, die mit ihr zu tun haben und für sie verantwortlich sind. Denn mit der OVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ konnte ihnen nicht nur ein Wunsch erfüllt werden. Wichtiger war die dadurch spürbare große Hilfsbereitschaft vieler Leser für Menschen im Altenburger Land, denen es sonst nicht so gut geht, wie beispielsweise jenen jungen Frauen mit kleinen Kindern, die in eine Notlage geraten sind und dringend Hilfe brauchen. Dafür soll hier ein großes Dankeschön gesagt werden.

Am 25. November war die Aktion gestartet worden. Es war die erste in der OVZ-Geschichte überhaupt, und es finden gerade zur Weihnachtszeit etliche und seit Jahren viel bekanntere Sammlungen statt. Deswegen wusste anfangs niemandem in der Redaktion, auf welche Resonanz so etwas stoßen würde. Das mulmige Gefühl hielt nicht lange an, als die ersten Geldbeträge auf dem Konto eingingen. Letztendlich spendeten in den drei folgenden Wochen fast 50 Leser insgesamt rund 2800 Euro. Damit kann der Wunsch der „Mu-Ki“ erfüllt werden – ein kleines Gerätehäuschen, in das fortan die Kinderwagen, aber auch Spielgeräte gestellt werden können. Denn dafür gibt es im Gebäude in der Molbitzer Straße nur einen klitzekleinen Raum, wohin außerdem etliche Treppen führen. Für schwere Kinderwagen ist dies ungeeignet, ebenso misslich war die Schlepperei der Spielgeräte, wodurch oft auch das Treppenhaus verschmutzt wurde.

Riesengroß war die Freude, dass das Häuschen durch die Hilfsbereitschaft der OVZ-Leser nun tatsächlich aufgestellt werden kann. Einige Geduld wird noch nötig sein, weil es wegen der Witterung mit dem Fundament noch etwas dauern kann. Die in Göpfersdorf ansässige Firma Leitermann hatte sich außerdem spontan entschlossen, das Häuschen zum Einkaufspreis zur Verfügung zu stellen, womit Geld gespart wird. Leitermann-Juniorchef Stephan Lichtenstein fand die OVZ-Aktion „einfach nur super!!!“. Mit der Serie „Ein Licht im Advent“ konnte Menschen geholfen werden, die mit Spenden-Sammlungen meist nicht bedacht und in der Bevölkerung auch nicht so bekannt sind. Aus seinem Freundeskreis kennt Lichtenstein Eltern, die selbst andere Kinder vorübergehend in Pflege nehmen.

In der Tat ist die Inobhutnahme von Kindern, die aus verschiedenen Gründen ihr Elternhaus verlassen müssen, einer von vielen Bereichen, in denen sich die Innova engagiert. So gibt es allein acht Wohngruppen in Altenburg, Schmölln und Meuselwitz, für unterschiedliche Zielgruppen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, mit insgesamt 60 Plätzen. Zur Tageszeit oder rund um die Uhr wird eine Betreuung organisiert.

Eine davon ist die „Mu-Ki“, die am 1. September 2011 gegründet wurde. Für 19 junge Mütter war sie seitdem bereits ein Rettungsanker, für etliche davon der Ausgangspunkt, ein eigenständiges Leben führen zu können. Zuvor hatten die Frauen große Probleme, ihren Alltag zu meistern, noch dazu mit kleinen Kindern. Die Wohngruppe war ihr letzter Ausweg.

Mitunter hatten sie keinen festen Wohnsitz und erwarteten ein Kind; oder sie waren lern- und sprachbehindert und lernten in der Einrichtung, wie man sich um den Nachwuchs kümmert und den Alltag in den Griff bekommt.

Die OVZ schilderte während der Spendenaktion den Fall von Sandy Pohling, die mit ihrem dreijährigen Jungen überhaupt nicht zurecht kam, die Nerven verlor und ihr Kind schlug. Erst später stellte sich heraus, dass der Junge an der als ADHS bekannten Hyperaktivitätsstörung litt. In der „Mu-Ki“ lernte sie den richtigen Umgang mit ihm. „Es war manchmal schwierig, aber auch eine schöne Zeit“, denkt sie heute daran zurück. „Ich habe sehr viel Positives mitgenommen. Es ist sehr gut, dass es eine solche Einrichtung gibt.“ Im Januar 2015 konnte Sandy Pohling die Wohngruppe verlassen und zog in eine Trainingswohnung und sechs Monate später in ein eigenes Zuhause.

Das sind die Beispiele, über die sich Andrea Teuber am meisten freut, weil es den Frauen gelang, wieder Tritt zu fassen und ins normale Leben zurückzufinden. Sie leitet den Bereich Kinder- und Jugendhilfe bei der Innova und damit auch die acht Wohngruppen und kennt die Schicksale aller Frauen, denen dort bereits geholfen wurde. Andrea Teuber weiß, wie schwierig es mitunter ist, dass die Muttis die Hilfe auch annehmen und sich schließlich dazu durchringen, in einer Wohngruppe zu leben. „Niemand weiß, wie es in ihnen aussieht.“ Die jetzigen Bewohner haben alle Beiträge in der OVZ über die „Mu-Ki“ währen der Aktion „Licht im Advent“ gelesen und darüber gesprochen. „Für die Mädels war es wichtig, weil sie dadurch Wertschätzung erfahren und wahrgenommen werden“, sagt Andrea Teuber. Sie konnten gar nicht glauben, dass womöglich ihre Schicksale andere Menschen dazu animiert haben, für sie zu spenden. Denn so etwas kennen sie nicht. „Die Hilfe der Menschen hat uns gutgetan.“

Anfangs war die Abteilungsleiterin skeptisch, dass Einzelschicksale in der Zeitung geschildert werden, sogar mit Namen und Fotos. Nicht alle wollten übrigens darüber sprechen. Oder sie haben es getan, eine Veröffentlichung später aber abgelehnt. „Was geschieht danach?“, haben wir uns gefragt. Doch sie habe gemerkt, dass viele Leute davon sehr angetan waren, auch weil sie nicht wussten, dass es die „Mu-Ki“ gibt, sagt Andrea Teuber. Gut fand sie auch die Signale der jetzigen und ehemaligen Bewohner an andere Mütter in Not, sich einzugestehen, dass sie Hilfe brauchen und sich danach auch helfen zu lassen. Denn das sei oft sehr schwierig.

Zurückhaltung hat sich auch Nikolaus Dorsch auferlegt, was den Bereich Kinder- und Jugendhilfe betrifft. „Der Schutz unserer Bewohner zählt für uns mehr als Öffentlichkeitsarbeit“, sagt der Geschäftsführer des Innova Sozialwerks Altenburg. Doch von der Aktion und von der Resonanz darauf war auch er begeistert. „Wir sind überwältigt. Damit hab’ ich überhaupt nicht gerechnet. Wir freuen uns sehr und möchten uns bei allen bedanken, die uns durch ihre Spende geholfen haben“, freut sich Dorsch, der besonders über die Vielzahl der Geldgeber staunt.

„Wir versuchen hier, in einer schwierigen Lage Normalität herzustellen. Wir müssen den Müttern, aber auch den Kindern helfen, dass sie ihre Chancen im Leben wahren können“, betont er. Da vom Spenden-Betrag vermutlich noch etwas übrig bleibt, will Dorsch davon ein Sommerfest organisieren, für alle Wohngruppen und alle Teilnehmer an Hilfsprojekten bei der Innova.

Seit Oktober 2014 lebt Nancy Ritter in der „Mu-Ki“. Dort brachte sie auch Söhnchen Pascal-John auf die Welt. Die 21-Jährige kann es nicht fassen, dass so viele Menschen Geld für ihre Wohngruppe gespendet haben. „Jetzt brauchen wir die Kinderwagen nicht mehr durchs Treppenhaus zu schleppen“, lacht sie. Über das neue Häuschen wird sie sich vermutlich nur kurze Zeit freuen können, denn Anfang 2017 wird die junge Mutti in eine Trainingswohnung ziehen.

Doch die Spenden-Aktion ist nachhaltig angelegt, und es gibt eine Warteliste für die „Mu-Ki“. Nach Nancy Ritter wird es andere Mütter dort geben. Die sich dann immer noch über die Hilfsbereitschaft vieler Menschen zur Adventszeit 2016 freuen.

Von Jens Rosenkranz

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