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Altenburg OVZ-Test: Mit dem Stromer flott durchs Altenburger Land
Region Altenburg OVZ-Test: Mit dem Stromer flott durchs Altenburger Land
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19:57 10.04.2015
Nicht nur im Stand vor dem Altenburger Schloss macht das E-Mobil eine gute Figur, wie der Test von OVZ-Redakteur Thomas Haegeler zeigte. Quelle: Mario Jahn

Staunend betrachten sie das ladende Elektro-Mobil der Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa). Manch Interessierter wagt gleich den Blick ins Innere. Mit dem Gesicht an der Scheibe lässt sich erkennen, dass der kleine Franzose keine anderthalb Stunden Pause braucht, um seinen fast halbleeren Akku wieder vollständig zu füllen.

Doch das ist nicht die einzige Erkenntnis meines mehrtägigen Tests. Denn alles in allem erweist sich das E-Mobil als durchaus praxistauglicher Begleiter im Alltag. Allerdings nur, solange man keine längeren Strecken fährt. Denn die Reichweite bewegt sich laut Anzeige bei voller Ladung zwischen 90 und 100 Kilometern, so dass ich verzichte, damit nach Leipzig zu fahren. Geschafft hätte es die Batterie locker, aber die nächste E-Zapfsäule ist von meiner Wohnung einfach zu weit weg - und einmal laden hätte mindestens sein müssen. Denn einfach an die heimische Steckdose hängen, fällt wegen der Spezialstecker flach.

Test-Autos helfen Pilot-Projekt

Darin sieht auch Ewa-Geschäftsführer Anton Geerlings das derzeit größte Problem. Für den Gebrauch seiner Mitarbeiter, die das Gefährt dienstlich im Altenburger Land auf vorwiegend kürzeren Strecken nutzen, scheint es wie geschaffen zu sein. Zumal die zwei nun zusätzlich zu den in der Ewa-Zentrale in der Franz-Mehring-Straße stehenden vier Strom-Zapfsäulen das Laden in der Skatstadt komfortabler machen (die OVZ berichtete). Müssen sie auch. Schließlich nimmt der hiesige Energieversorger am E-Mobility-Pilotprojekt der Envia teil, bei dem es derzeit in der zweiten Phase neben der Entwicklung von Lade-Tarifen (bis Jahresende kostenlos) unter anderem darum geht, die Auto-Batterien als mögliche Puffer für Spitzen im Stromnetz zu testen.

Um das zu schaffen, braucht es jedoch Datenmaterial. Dieses sammelt ab 1. April eine kleine Box im Auto, die später von Experten ausgewertet wird und Auskunft über Strecken, Akkulaufzeit, Stromverbrauch, Fahrverhalten und so weiter und so fort gibt. Voraussetzung dafür sind jedoch die zusätzlichen Lademöglichkeiten in der Altenburger Innenstadt - ein auf dem Kornmarkt und eine weitere in der Tiefgarage Am Roßplan. An beiden wurden inzwischen sogar spezielle Halteverbotsschilder aufgestellt, um den E-Mobilen immer den Zugang zu den Zapfsäulen zu ermöglichen.

Fahrspaß pur

Apropos Fahrverhalten: Für einige Freude sorgt der Fakt, dass der 65 Kilowatt (rund 88 PS) starke E-Motor des Zoe gut am Gas hängt. Soll heißen: Der Kleinwagen geht ab wie Schmidts Katze, lässt beim Anfahren und Beschleunigen nahezu jedes Auto mit Verbrennungsmotor stehen - mal abgesehen von Sportwagen wie Porsche und Co. Damit bewahrheitet sich, was Ewa-Sprecherin Carola Blümel bereits im Vorfeld vollmundig angekündigt hat. Das macht Spaß.

So sind auf meiner Fahrt nach Schmölln und zurück am Großstöbnitzer Berg selbst 150-PS-Kombis keine echte Konkurrenz. Auch fühlen sich Geschwindigkeiten jenseits der 130 km/h nicht so an, was auch daran liegt, dass es Vibration von Lenkrad oder Schaltknüppel nicht gibt. Im Test kam das E-Mobil übrigens maximal auf 141 km/h - auf grader Fahrbahn.

Beim Beschleunigen erinnert der Zoe mit einem leisen Surren zuweilen an eine anfahrende Straßenbahn. Mitfahrende Kollegen fühlen sich dagegen eher an einen Auto-Scooter erinnert - und stöhnen ob des knappen Platzes im Fond des Autos. Beim Anlassen mit dem Start-Stopp-Knopf sind derlei Geräusche jedoch nur mit äußerster Konzentration wahrzunehmen. Ansonsten ist die Klima-Anlage schon lauter als alles andere. Ich verzichte sowieso meist darauf, weil der Akku dann schlicht und ergreifend länger hält.

Gleiches gilt für den Eco-Modus, der problemlos per Tastendruck einzuschalten geht. Dann wird die blaue Anzeige im Inneren des kleinen Franzosen grün. Allerdings leidet darunter auch der Fahrspaß. Zwar braucht das Auto so weniger Strom, aber es riegelt bei 100 km/h ab und büßt deutlich an Agilität ein.

Doch der fehlende Geräuschpegel entpuppt sich zuweilen als Problem. So schauen Fußgänger gelegentlich ungläubig bis mürrisch, weil sie das anrollende E-Mobil erst ziemlich spät bemerken. Und noch etwas ist gewöhnungsbedürftig: Die Bremse ist derart sensibel, dass sie auf gewohnte Behandlung harsch reagiert und ein abruptes Kopfnicken herbeiführt.

Reichweite bleibt größtes Problem

Doch das größte Manko bleibt die geringe Reichweite. Denn selbst bei einer nahen Zapfsäule würde es mich nerven, täglich laden zu müssen. Für diesen Nachteil ist der Preis des Kleinwagens von über 21 000 Euro plus Leihgebühren für den Akku von - je nach Laufleistung - mindestens 50 Euro pro Monat derzeit noch zu hoch.

Allerdings sehe ich bei der Einführung der Tarife mit der per Anruf oder App frei zu schaltenden Ladestation in der Tiefgarage Am Roßplan ein weiteres klitzekleines Problem: Ich und damit wohl auch andere haben da unten keinen Empfang. Aber vielleicht bessert sich das künftig genauso wie die Reichweite der E-Mobile.

Thomas Haegeler

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