Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Oktober 1996: Spatenstich bei Sturm und Regen

Oktober 1996: Spatenstich bei Sturm und Regen

Der Verein erhielt keine Informationen mehr über die nach Öllschutz gebrachten Tiere.Wir waren frustriert und wütend darüber, dass unsere Bemühungen um ein eigenes Tierheim in Altenburg so ein schnelles Ende gefunden hatten.

Voriger Artikel
Jugendweihe - nicht nur was für Achtklässler
Nächster Artikel
Auf der Suche nach den Naturforschern von morgen

Tierschützer protestieren im Mai 1993 auf dem Altenburger Markt gegen die Schließung des Tierasyls in der Zwickauer Straße. Die OVZ ist mit dabei.

Quelle: Andrea Rücker

Der Verein erhielt keine Informationen mehr über die nach Öllschutz gebrachten Tiere.

 

Presse, Funk und Fernsehen eilen den Tierschützern zur Hilfe

 

Wir waren frustriert und wütend darüber, dass unsere Bemühungen um ein eigenes Tierheim in Altenburg so ein schnelles Ende gefunden hatten. Wir suchten überall nach Unterstützung. Bei der örtlichen Presse, bei der Thüringer Landeszeitung und der Leipziger Volkszeitung, stießen wir auf großes Verständnis. Kritische Artikel und Leserbriefe empörter Tierfreunde erschienen. Ein Tierfreund schaltete den Mitteldeutschen Rundfunk ein, der uns am 19. Mai 1993 in Altenburg zur Hilfe eilte.

 

Altenburgs Bürgermeister Rolf Bräunig, der sich in Gera und Öllschütz Angebote für eine kostengünstige Unterbringung eingeholt hatte, wurde über sein Verhältnis zu den Altenburger Tierschützern befragt. Und plötzlich war er doch zur Kooperation mit uns bereit. Ordnungsamtsleiter Wilhelm Pflaum bemühte sich um eine Schlichtung des Konflikts. Er betonte, dass der Gedanke an ein Tierheim in der Stadt nicht vom Tisch sein dürfe. Viele Wochen spielte das Thema "Tierheim" in der Öffentlichkeit eine große Rolle. Die Zustimmung unter der Bevölkerung wuchs. Und wir suchten immer wieder Kontakt zur Stadtverwaltung. Von Oberbürgermeister Johannes Ungvári bekamen wir den Rat, nochmals eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme zu beantragen. Er signalisierte uns, dass wir mit einer ABM das Gelände in der Zwickauer Straße wieder nutzen könnten. Am 4. September 1993 kam die erlösende Nachricht: Der Tierschutzverein bekommt zwei ABM-Stellen für das Tierasyl. Selbst Bürgermeister Rolf Bräunig, der im ABM-Ausschuss saß, hatte sich für uns eingesetzt.

 

Die Maßnahme sollte am 1. Oktober beginnen. Doch gab es erneut einen Wermutstropfen. Die Stadt Altenburg hatte einen Vertrag mit dem TSV Öllschütz, die Zwickauer Straße sollte nur eine Durchgangsunterkunft für eine Woche sein. Danach sollten wieder alle die Tiere nach Öllschütz gebracht werden. Wir durften keine Fundhunde aus der Stadt Altenburg vermitteln, nur Tiere aus den Landgemeinden und Katzen.

 

Zur gleichen Zeit gab es Probleme mit dem städtischen Gartenamt, mit dem wir uns die Unterkunft in der Zwickauer Straße teilten. Das Amt beanspruchte das Gelände für sich, wir Tierschützer sollten raus. Doch wir hatten Glück und bekamen rückwirkend zum 1. Oktober 1993 befristet bis zum 31. Dezember 1995 einen Mietvertrag. Wir bauten eine eigene Wasseruhr ein und der Tierschutzverein übernahm einen Teil der Stromkosten. Die völlig defekte elektrische Anlage wurde in Ordnung gebracht. Nun war es auch möglich die Unterkünfte zu beheizen. Im Februar 1995 wurde uns zudem die Benutzung des großen Freigeheges genehmigt.

 

Frist für Notaufnahme in der Zwickauer Straße läuft aus

 

Gleichzeitig wurde fieberhaft nach Alternativen zur Zwickauer Straße gesucht. Doch weder ein Grundstück in Greipzig noch auf dem ehemaligen Kasernen-Gelände an der Leipziger Straße, im Gewerbegebiet Weißer Berg, auf dem ehemaligen Omega-Areal in der Nähe des Nordbades oder in Windischleuba erwiesen sich als machbar.

 

Dann, im Januar 1996 ein großer Augenblick für uns. Die Stadt bot uns in der Nähe des Kraftfutterwerkes in der Remsaer Straße auf der Poschwitzer Höhe ein Gelände von 4000 Quadratmetern zur Errichtung einer Tierstation an. Sofort wurden Anträge auf Fördermittel und Lottomittel gestellt, denn wir standen unter Zeitdruck. Die Notaufnahme in der Zwickauer Straße sollte bis zum 31. Dezember 1996 endgültig geräumt werden, da man befürchtete, dass das Hundegebell die Patienten im neuen Krankenhaus stören würde.

 

Erneut baten wir die Stadt um Hilfe. Gerhard Zetzsche und Jürgen John vom Hochbauamt bekamen die Erlaubnis, die Planung für unsere Tierstation durchzuführen. Jetzt waren wir in guten Händen. Es entwickelte sich zwischen dem Hochbauamt und unserem Vorstand eine gute Zusammenarbeit.

 

Auf dem Gelände gab es weder Strom noch Wasser, nur Matsch, Geröll, Steine und tiefe Furchen. Es musste von Grund auf alles geplant und der Boden untersucht werden. Das Hundehaus, unser erstes Projekt, nahm auf dem Papier Gestalt an. Stein auf Stein, das war Bedingung. Die Dresdner Bank hatte uns kostenlos Container angeboten, aber der Transport aus der Innenstadt und das Aufstellen hätte uns in große finanzielle Bedrängnis gebracht. Wir mussten uns leider von diesem Projekt verabschieden. Das bedeutete aber, dass wir auch ein Katzenhaus planen mussten.

 

Dennoch: Am 30. Oktober 1996 war es endlich so weit. Der erste Spatenstich wurde vollzogen. Er wurde begleitet von heftigen Stürmen, ein Zustand, der uns später immer wieder begleiten sollte. Der Bau konnte beginnen, erste Fördermittel waren eingegangen. Die Firma Kern aus Altenburg begann mit Erdarbeiten. Doch plötzlich war der kleine Bagger weg, verschwunden im matschigen Erdreich. Diese Nachricht erreichte uns während einer Baubesprechung im Hochbauamt, eine Schreckensnachricht, die ein sofortiges Ende der Arbeit bedeutete. Das nasse Wetter tat sein weiteres dazu. Der Bau musste bis zum Frühjahr eingestellt werden.

Andrea Rücker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Altenburg
  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr