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Altenburg Oldag sieht das Geld in der Kasse, Theater das Defizit in der Bilanz
Region Altenburg Oldag sieht das Geld in der Kasse, Theater das Defizit in der Bilanz
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10:56 28.09.2011

Ex-Intendant Matthias Oldag ist verärgert. "Ich habe die Wahrheit gesagt und die Entwicklung der Liquidität korrekt wiedergegeben", erklärt er in einer umfangreichen Stellungnahme gegenüber OVZ. Zwar sei im Herbst 2010 ein zu erwartendes Defizit von 1,85 Millionen Euro bis Ende 2012 prognostiziert worden und der Freistaat habe deshalb einen finanziellen Rettungsschirm aufgespannt. Die tatsächliche Entwicklung der Liquidität des Theaters ab Herbst 2010 habe jedoch anders ausgesehen.

"Der Rettungsschirm musste bis zum Spielzeitende nicht wie prognostiziert mit etwa 1,6 Millionen Euro in Anspruch genommen werden. Sowohl zum Jahreswechsel 2010/11 als auch am Ende des ersten und des zweiten Quartals 2011 war der Liquiditätsbestand des Theaters ohne das zusätzliche Geld des Rettungsschirmes positiv", so Oldag. Über die Entwicklung der Zahlungsfäfigkeit seien Aufsichtsrat und Gesellschafter regelmäßig informiert worden. "Die Betrachtung der Vermögens- und Ertragslage war dabei den späteren Abschlussrechnungen vorbehalten", so Oldag.

Doch offenbar macht er sich und anderen genau in diesem entscheidenden Punkt etwas vor. "Wenn man sich allein die Liquidität der Gesellschaft anschaut, ist es uns gelungen, zum Jahresende einen Betrag zu haben, der größer Null war", räumt zwar auch OB Michael Wolf (SPD) ein, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Theatergesellschaft ist. "Aber es ändert nichts an der Tatsache: Ohne den Schutzschirm wäre Feierabend gewesen für die Gesellschaft. Da kann sich Oldag nicht herausreden. Er hat nur die Liquidität betrachtet, und das ist eben nur die eine Seite der Medaille", argumentiert Wolf gegenüber OVZ.

Noch deutlicher wird Andrea Schappmann, kaufmännische Geschäftsführerin der Theatergesellschaft, deren Posten als Konsequenz des Finanzdesasters neu geschaffen wurde: "Als Kaufmann muss man immer Vermögens-, Finanz- und Ertragslage betrachten", sagt sie. "Herr Oldag hat recht, wenn er sich nur auf die Finanzlage bezieht, und er hat sich immer nur auf die Finanzlage bezogen. Ein ordentlicher Kaufmann, und das ist nun mal ein Geschäftsführer kraft unseres Handelrechtes, muss sich aber auf alle drei Situationen beziehen."

Alle Zahlen zum Unternehmensergebnis zusammengefasst, sei dieses für das Abschlussjahr 2010 negativ gewesen - trotz Einrechnung der 600 000 Euro Sonderzuschuss aus dem Rettungsschirm. "Wenn der Schutzschirm nicht fließt, droht dem Unternehmen eine bilanzielle Überschuldung. Und eine bilanzielle Überschuldung ist ein Indikator für eine drohende Insolvenz. Deshalb stehe ich dazu: Wir werden den ersten und auch den letzten Euro aus dem Rettungsschirm brauchen, um zukünftig, nicht heute, die drohende bilanzielle Überschuldung abzuwenden."

Auch Landrat Sieghardt Rydzewski (parteilos) rechnet vor: "Zur Abwendung der unmittelbar drohenden Zahlungsunfähigkeit hat der Freistaat noch im Dezember 2010 einen Sonderzuschuss in Höhe von 600 000 Euro an die Gesellschaft geleistet. Dementsprechend weist die Bilanz zum 31. Dezember einen Liquiditätsbestand in Höhe von 902 920,71 Euro aus."

Aber die alleinige Betrachtung dieser Liquiditätssituation reiche eben nicht, ausschlaggebend sei die wirtschaftliche Gesamtsituation des Unternehmens, betont auch Rydzewski. Trotz der 600 000 Euro sei zum Jahresende 2010 ein negatives Ergebnis von 1,23 Millionen Euro erwirtschaftet worden. So gesehen sei bereits 2010 der Sonderzuschuss aus dem Rettungsschirm vollständig gebraucht worden. "Andernfalls hätte im Dezember 2010 Insolvenz angemeldet werden müssen."

Unzureichende Planansätze und fehlende Liquiditätskontrolle durch die Geschäftsführung hätten dazu geführt, dass insbesondere ab 2009 deutlich mehr Geld ausgegeben und die Rücklage fast vollständig und vorzeitig verbraucht wurde.

-Standpunkt Seite 13

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