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Altenburg Open Air in Altenburg – glanzvoll und himmlisch schön
Region Altenburg Open Air in Altenburg – glanzvoll und himmlisch schön
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12:41 04.07.2016
„Cavalleria rusticana“ auf dem Altenburger Markt. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Man muss bis zum Ende des italienischen Stiefels reisen, um sowohl meteorologisch als auch menschlich die hitzig erregte Atmosphäre zu erleben, in der Pietro Mascagni die handelnden Personen seiner Oper „Cavalleria rusticana“ ihre Leidenschaften um Liebe, Eifersucht und tödliche Rache ausleben lässt. Nun ersparte uns das Altenburg-Geraer Theater Kosten und Strapazen solch einer Reise, indem es diese Oper am Freitag- und Samstagabend als Sommerevent auf dem Altenburger Marktplatz in konzertanter Form aufführte.

Bereits zum dritten Mal luden Stadtverwaltung und Theater zum Saisonabschluss zu einem großen Open Air auf den Altenburger Markt. Die Resonanz am Freitag und Sonnabend konnte unterschiedlicher nicht sein.

Man konnte also ohne Gepäck und Reiseutensilien bequem auf den bereitgestellten Stühlen Platz nehmen, auf Wunsch gastronomisch betreut werden und lauschen, was das Philharmonische Orchester, der Chor – bestehend aus dem Opernchor des Theaters und dem Philharmonischen Chor Gera – sowie die Solisten unter Leitung von Generalmusikdirektor Laurent Wagner dem Publikum, das zumindest am Freitag die 1000er Grenze überschritt, bietet. Das war sehr viel und wurde zu einem großartigen, ja außergewöhnlichen musikalischen Ereignis.

Das Werk ist ein Beispiel für den Verismus, der italienischen Variante des Naturalismus, der sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts die Gestaltung des wirklichen Lebens auf die Fahnen geschrieben hatte. Nicht mehr das Pathos der Wagnerischen Götterhelden war gefragt, sondern das wahre Leben, die Gefühle und Leidenschaften sowie die Traditionen der ganz einfachen Menschen wurden auf die Bühne gebracht. Jemand hat einmal gesagt, dass der Verismus dieser Oper und der von Leoncavallos „Bajazzo“ die „brutale Erholung von Wagner“ sei.

Die Personen von „Cavalleria rusticana“, 1890 in Rom uraufgeführt, sind in ihrer Schlichtheit psychologisch wenig gekennzeichnet. Die dramatischen Situationen werden mit Gebet, Trinklied und Duetten musikalisch knapp skizziert und wirkungsvoll aufgebaut, so dass sowohl die Wucht der Tragödie wie die Naivität eines Volksstückes zum Tragen kommen. Kaum je hat eine Oper, noch dazu ein unbequemer Einakter, einen solchen Siegeszug über die Bühnen der Welt angetreten wie dieses Werk.

Das hiesige Theater hat mit der konzertanten Aufführung bewiesen, warum. Es blieb aber nicht bei einer reinen konzertanten Präsentation. Die Sängerinnen und Sänger agierten in Kostümen, postierten sich auch außerhalb der großen Bühne – auf dem Balkon des Rathauses, vor der Bühne oder zwischen den Zuschauern – und offerierten ihre Rollen ausnahmslos mit ausgezeichneter mimischer und sängerischer Gestaltung: (szenische Einrichtung: Juliane Stephan).

Das Hauptmerkmal dieser Aufführung war ihre durchgehend hohe musikalische Qualität. Laurent Wagner machte die unterschiedlich schimmernden Klangfarben der Partitur transparent. Er hob den Unterschied zwischen den durch die sizilianische Volksmusik inspirierten poetisch-lyrischen Passagen und den in den Dialogszenen durch starke expressive Musik gekennzeichneten entfesselten Leidenschaften deutlich heraus. Und das Orchester folgte ihm Takt für Takt. Noch mehr: Es beflügelte damit das Solistenensemble ausnahmslos zu himmlisch schönem Gesang.

Anne Preuß sang eine ausgezeichnete Santuzza. Mit jeder neuen Rolle verbessert sich ihre hohe gesangliche Qualität. Ihr schlanker und bruchlos geführter Sopran glänzte mit warmer Tiefe und gut gestützter leuchtender Höhe. Der Turridu war die bisher beste Leistung von Hans-Georg Priese. Schon lange nicht mehr sang ein Tenor so uneingeschränkt makellos an diesem Theater. Stimmlich überzeugend gab Priese diesen innerlich Zerrissenen mit einer Mischung aus Belcanto und männlicher Robustheit. Seine Mutter gab die finnische Altistin Merja Mäkelä, seit Beginn dieses Jahres am hiesigen Theater engagiert. Ihre Altstimme lässt aufhorchen. Deren volle Tiefe ist überzeugend. Akiho Tsujii war die Lola, so wie man sich diese vorstellt. Ihr Gesang: makellos. Johannes Beck war die Souveränität in Person. Er kann Belcanto singen wie ein Italiener. Als Alfio tat er dies.

Bliebe der Chor, wie immer sorgfältig einstudiert von Holger Krause. Er hatte wie das Orchester einen hohen Anteil an der Großartigkeit dieser Aufführung.

Am Ende stiegen am Freitagabend Jubel, Bravorufe in hoher Zahl und starker Beifall in den abendlichen Himmel. Der ehemalige Tenor Heinz Petters, der den Turridu in Altenburg mehrmals gesungen hat, spendete seine Ovationen stehend. Das ist ein Zeichen mit hohem Symbolgehalt. Es war der glanzvolle Abschluss einer erfolgreichen Theatersaison

Von Manfred Hainich

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