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Ort des Widerstands wird ausgezeichnet

Ort des Widerstands wird ausgezeichnet

Mit einem Demokratiepreis wird das Pfarrhaus in der Brüdergasse in Altenburg ausgezeichnet. Er wird am 4. Dezember in der Friedrich-Schiller-Universität in Jena vergeben.

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Vor allem weil es in der DDR ein Ort des Widerstands war, erhält das Pfarrhaus in der Brüdergasse den Demokratiepreis.

Quelle: Mario Jahn

Entgegennehmen wird die Ehrung der Pfarrer der evangelischen Kirchgemeinde in Altenburg, Reinhard Kwaschik.

 

Das Pfarrhaus ist fortan Teil der "Thüringer Straße der Menschenrechte und Demokratie". Mit dem Preis verbunden ist eine Din-A4-große Plakette, die das Gebäude künftig zieren könnte.

 

Anlässlich des 20. Geburtstags der Verfassung des Freistaats in diesem Jahr hatte Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem Menschen, Orte und Ereignisse vorgeschlagen werden konnten, die sich "bei der Verbreitung sozialer und demokratischer Ideen" hervorgetan haben. 60 Vorschläge aus ganz Thüringen gingen ein, eine Jury wählte 20 von ihnen aus - darunter das Pfarrhaus in Altenburg. Es war Wolfgang Geffe, Friedensbeauftragter der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der den Vorschlag eingebracht hatte. Ende der 80er Jahre wurden in der Brüderkirche im zugehörigen Pfarrhaus "brisante gesellschaftliche Fragen öffentlich diskutiert", begründete er seine Wahl.

 

Die Mitglieder der evangelischen Kirchgemeinde deckten 1989 unter anderem die Wahlfälschungen der SED mit auf und unterstützten die friedliche Revolution durch Fürbittgebete. Grund genug, den Ort stellvertretend für seine damaligen Aktivisten auszuzeichnen, findet Geffe.

 

Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) nennt die Brüderkirche einen "Schutzraum für die Opposition", an dem die Montagsdemos ungestört vorbereitet werden konnten. Er ist stolz, dass diese "Urkeimzelle des Widerstands in Altenburg" nun einen Preis bekommt.

 

Einem, dem diese aufregende Zeit noch gut in Erinnerung ist, ist Pfarrer Michael Wohlfahrth. Der 69-Jährige, der mittlerweile in Berlin lebt, weiß noch genau, wie er 1988 als Jugendpfarrer nach Altenburg kam - "mitten in die Wendegeschichte". Er war es, der gemeinsam mit seiner Frau das Pfarrhaus in der Brüdergasse als Versammlungsort für Oppositionelle etablierte. Die Kirche war damals der einzige Freiraum, den das SED-Regime gewährte. Dennoch wurden das Gotteshaus und diejenigen, die dort verkehrten, von der Stasi argwöhnisch beäugt. "50 Spitzel waren auf mich angesetzt", erzählt Wohlfahrth. Obwohl sie wussten, dass sie bespitzelt wurden, gründeten er und seine Frau zu dieser Zeit die Altenburger Akademie - einen Gesprächskreis, in dem heikle Themen debattiert wurden. Wohlfahrth nennt die Runde "eine intellektuelle Vorbereitung für die Wende".

 

Das Pfarrhaus in der Brüdergasse wurde so zur Anlaufstelle für unzufriedene DDR-Bürger und solche, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten. "Bei uns saßen die Oppositionellen im Wohnzimmer, und wir haben denen Schmalzbrote geschmiert", erinnert er sich. Auch unzufriedene Ärzte kamen vorbei, einmal eine Gruppe, die über die Zustände in ihrem Krankenhaus erschüttert war und endlich Klartext reden wollte. Michael Wohlfahrth fasst die Zeit heute so zusammen: "Hochspannend, aber gefährlich." Über die Auszeichnung freut er sich und findet: "Es wird jetzt allmählich Zeit dafür." Gina Apitz

Gina Apitz

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