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Ost-Rock-Fan aus Altenburg ist die Stimme der Stern Combo Meißen

Kindheitstraum Ost-Rock-Fan aus Altenburg ist die Stimme der Stern Combo Meißen

Für ihn ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Der 31-jähriger Manuel Schmid aus Altenburg ist seit knapp vier Jahren Frontmann der DDR-Kultband. Schon als Kind entdeckte er die Liebe zum Ost-Rock. Heute steht er abwechselnd mit der Band oder auch solo auf der Bühne. Gerade hat er seine neue CD veröffentlicht.

Ist seit 2012 die Stimme der Stern Combo Meißen: der Altenburger Musiker Manuel Schmid.

Quelle: Jörg Reuter

Altenburg. Gleich gegenüber dem Pauritzer Teich wohnt Manuel Schmid in einer kleinen Mietwohnung. Doch gerade jetzt im Sommer ist der junge Altenburger eher selten in seinem schmucken Zuhause im Dachgeschoss anzutreffen. Einige hundert Kilometer nördlich lebt er an der Ostseeküste gerade so etwas wie einen Traum. Aber nicht im Wasser, sondern auf der Bühne, denn seit 2012 ist der 31-Jährige der Frontmann der Stern Combo Meißen. Und die Ost-Kultband tourt im Juli traditionell durch Mecklenburg-Vorpommern.

Manuel Schmid lehnt sich im Sessel lächelnd zurück und meint, jünger als die Enkel seiner Bandkollegen sei er zwar nicht, aber etwas jünger als die Kinder der Musiker. In einer Tourpause in Altenburg erzählt er, wie er zu Stern Meißen kam. Ihm ist der Stolz, bei der legendären Band musizieren zu dürfen, anzusehen. „Ich bin ja praktisch mit deren Musik aufgewachsen, weil meine Eltern die Stern-Meißen-Platten im Schrank haben.“

Singt und spielt Keyboard bei den Sternen

Singt und spielt Keyboard bei den Sternen: Manuel Schmid bei einem Auftritt.

Quelle: Matthias Ziegert

Spätestens nach ihrem 78er-Album „Weißes Gold“ gehörte die 1964 – ganze 20 Jahre vor Schmids Geburt – gegründete Stern-Combo-Meißen zur musikalischen Rockelite im Arbeiter- und Bauernstaat. Mit Sänger IC Falkenberg und Namensverkürzung gelang Stern Meißen in den 80er Jahren eine Verjüngung. Statt progressivem Art-Rock schrieb die Gruppe nun tanzbare Pop-Songs, die kommerziell sehr erfolgreich wurden. Aber als 1989 die Mauer fiel, standen nahezu alle Bands und Musiker der DDR fast von heute auf morgen vor dem Aus. Ost-Musik wollte fürs Erste niemand mehr hören, auch nicht Stern Meißen. Um die Band wurde es bis 1996 ruhig.

Derweil legte der siebenjährige Manuel Schmid den Grundstein seiner Karriere und paukte an der Altenburger Musikschule Keyboard spielen und Gesang. „Mein Keyboard-Lehrer Michael Scholler hat mich damals weiter an anspruchsvollere Musik herangeführt“, erinnert sich Schmid und zeigt auf seine CD-Sammlung. Neben Stern-Meißen-Alben stehen Platten von DDR-Bands wie Lift in einer Reihe mit Emerson, Lake & Palmer, Pink Floyd, Genesis oder Yes. Aber auch der Deutsch-Pop der Münchner Freiheit oder eine Diskographie der Elektropioniere Kraftwerk gehören dazu. „Ich mache ja nicht nur mit Stern Meißen Musik. Den Altenburger Gospelchor Colours of Soul habe ich mitgegründet und spiele auch heute noch dort, wenn ich Zeit habe. Außerdem singe ich in der Leipziger Rockband Cyril und habe gerade meine zweite Solo-CD herausgebracht.“ Schmid schiebt sie in den Player. „Seelenparadies“ heißt die Scheibe, die Anfang Juli veröffentlicht wurde.

Manuel Schmid (2vl) mit seinen Musikerkollegen nach einem Konzert

Manuel Schmid (2.v.l.) mit seinen Musikerkollegen nach einem Konzert.

Quelle: Matthias Ziegert

Manuel Schmid gehört zu den Sängern, die wahrscheinlich auch die Einträge eines Telefonbuchs singen könnten, doch ihm sind die Texte sehr wichtig. Denn nach wie vor schlage sein Herz für Lieder mit Kopf und Anspruch. Auf lyrischem Gebiet sei gerade die Musik der ehemaligen DDR wegen der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einzigartig. Einer der großen Texter war übrigens Kurt Demmler. Aus dessen Feder stammen Hits wie Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“ , Renfts „Wer die Rose ehrt“, Karats „König der Welt“ oder die Titel des Puhdys-Albums „Neue Helden“. Aber auch zahlreiche Texte für Lieder der Stern Combo schrieb Demmler, etwa „Der Kampf um den Südpol“ oder „Weißes Gold“.

„Weil ich mich eben für solche Musik interessiere, war ich vor Jahren mal auf Demmlers Homepage, denn er hat dort alle seine Texte veröffentlicht.“ Der Newcomer aus Thüringen schrieb natürlich auch etwas ins Gästebuch und hinterließ einen Link zur eigenen Seite. Demmler entdeckte offensichtlich den Eintrag, schaute und hörte sich an, was der junge Altenburger im Internet veröffentlicht hat und war wohl beeindruckt. Denn Demmler – er starb 2009 – schrieb dem ihm unbekannten Musiker und bot seine Zusammenarbeit an. „Ich habe natürlich sofort angerufen und gesagt, dass ich sehr gern mit ihm arbeiten würde“, erzählt Schmid und zeigt Kurt Demmlers Gästebuch-Eintrag.

Der Kontakt zu Stern Meißen kam aber nicht direkt über Demmler zustande. Schmid fiel dem Band-Management auf, das ihn fürs Vorprogramm eines Stern-Combo-Meißen-Auftritts buchte. Dann, 2012, drehte sich bei der Band wieder einmal das Personalkarussell – und die Truppe brauchte einen neuen Sänger. „Ich habe zwei drei Demos hingeschickt und wurde daraufhin zum Vorsingen eingeladen.“ Nach der Devise „Nicht kleckern, sondern klotzen“ meinte Schmid auf die Frage der Musiker, was er denn vortragen möchte: „Weißes Gold“. Nicht ganz einfach zu singen und mit fast einer Viertelstunde eine gefühlte Ewigkeit lang. Nach dem Titel habe Thomas Kurzhals – seit 1972 bei der Stern Combo und 2014 verstorben – begeistert gemeint: „Ich muss mich erst einmal setzten.“ Bestehe er nun noch die Live-Taufe und werde vom Publikum angenommen, habe er den Job, hieß es von der Band.

Bild der Stern Combo aus frühen Tagen

Bild der Stern Combo aus frühen Tagen: Der damalige Sänger reinhard Fißler steht rechts unten.

Quelle: Stern Combo

Schmids Gesang liegt stilistisch irgendwo zwischen den früheren Sängern Reinhard Fißler (in diesem Jahr verstorben) und IC Falkenberg, was die Fans sofort begeisterte. Dass er trotz seines jungen Alters von Beginn an vom Publikum angenommen wurde, bezeugt auch die Live-DVD „Stern-Combo Meißen im Theater am Potsdamer Platz“, die kurz nach seinem Einstieg 2013 aufgenommen wurde.

In den vergangenen knapp vier Jahren ist Schmid zum festen Bandmitglied geworden und spielt mittlerweile auch Keyboard und Orgel. Mit den älteren Bandkollegen arbeitet er auf Augenhöhe zusammen. Was unter anderem dazu führte, dass die Stern Combo Meißen mit Schmid am Mikrofon 2014 einige neue Songs für das Jubiläumsalbum zum 50. der Band aufnahm. Bei den Studiosessions in Berlin lernte der Altenburger die Musiker von Silly kennen. Er berichtet, dass er für sein aktuelles Soloalbum mit Dirk Zöllner arbeiten konnte und dass Stern Meißen im September im Vorprogramm der ungarischen Band Omega und Dieter „Maschine“ Birr spielen werde.

Schmid hätte noch zahlreiche Anekdoten über Musik und Musiker auf Lager, aber er muss wieder los. Los zum nächsten Auftritt mit der Stern Combo Meißen.

Von Jörg Reuter

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