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Altenburg PKW-Motoren lassen in Nobitz Flugzeuge abheben
Region Altenburg PKW-Motoren lassen in Nobitz Flugzeuge abheben
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09:45 04.04.2016
In Nobitz werden die St. Egidien gefertigten Motoren für den Einbau in Flugzeuge komplettiert. Quelle: Mario Jahn
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Nobitz

Mehr als ein halbes Dutzend Flugzeuge stehen in der Werkhalle der Firma Technify Motors am Flugplatz in Nobitz. Bei den meisten sind die Motorenabdeckungen geöffnet und Arbeiter hantieren an den Aggregaten. „Das sind Cessnas, deren Antriebe wir umrüsten“, erklärt Pressesprecher Sebastian Wenzler. Danach können die Flugzeuge mit Diesel beziehungsweise Kerosin betrieben werden. Standardmäßig laufen die Kolbenmotoren der Cessnas mit Flugbenzin. Dieser verbleite Kraftstoff, der dem Benzin für Autos sehr ähnlich ist, habe nichts mit Kerosin zu tun, betont Sebastian Wenzler. Kerosin sei wie Diesel oder Heizöl ein Mitteldestillat, wohingegen Benzin viel leichter ist.

„Flugbenzin ist aber nicht unbedingt an jedem Flugplatz verfügbar“, erklärt Wenzler. Weil aber die Kleinflugzeuge aus dem Haus Cessna zu den meistgebauten gehören und überall auf der Welt zum Einsatz kommen, hat das ursprünglich aus Hamburg stammende Unternehmen Dieselmotoren für Cessnas entwickelt. Denn Jet Fuel oder Kerosin, das wegen der höheren Schmierstoffanteile besser für die Motoren ist als Diesel, gibt es dagegen auch auf dem entlegensten Flugplatz und das in stabiler Qualität. „Dazu kommt noch, dass verbleites Benzin für Flugzeuge in vielen Ländern kurz vor dem Verbot steht “, ergänzt Wenzler.

Als Hersteller von Motoren für Oldtimer und GT-Rennwagen stießen die Ingenieure vor etwa 20 Jahren auf die Marktlücke. Damals hatten Piloten beklagt, dass Cessnas nicht mit Kerosin funktionieren. Kein Problem, dachten die Tüftler bei Thielert, wie die Firma seinerzeit hieß. Mit ihrer Rennsport-Erfahrung bekommen sie das locker hin. „Die Idee war, einen herkömmlichen PKW-Serienmotor für den Einsatz in Flugzeugen umzubauen.“ So konnten Entwicklungskosten gespart werden.

Doch die Aufgabe entpuppte sich als problematisch. Am Ende konnte man kaum Teile von der Stange verwenden. Deshalb stellt Technify Motors nahezu alles selbst her, Kurbel- und Nockenwelle, Gehäuse und so weiter. Dazu kommen Getriebe, Turbolader, Ansaugbrücke oder die Motorenaufhängungen, die nahezu komplette Eigenentwicklungen sind.

Sowohl die technische Realisierung als auch die Zulassungsverfahren im Luftverkehr waren aufwendiger und zeitintensiver als erwartet. Vor fünf Jahren brachen diese Schwierigkeiten der börsennotierten Thielert-Aktien-Gesellschaft das Genick und das Unternehmen rutschte in die Insolvenz (OVZ berichtete). Zwar lief über Jahre die Motoren-Produktion weiter, aber Forschung und Entwicklung konnten während der Insolvenz nicht betrieben werden. Ende 2013 war die Suche nach einem Investor erfolgreich. Die chinesische Staatsholding AVIC International übernahm Thielert, gliederte das Unternehmen ein und benannte die Firma in Technify Motors GmbH um.

Inzwischen wird an den drei Standorten wieder voll gearbeitet und entwickelt. In der Hansestadt arbeiten rund zehn Leute an der Verbesserung der Motorenelektronik. Am Hauptsitz im sächsischen St. Egidien produziert eine etwa 150 Mann starke Belegschaft die Propellertriebwerke. 200 bis 300 Motoren pro Jahr laufen dort vom Band.

Am hiesigen Standort sind dann reichlich 30 Mann damit beschäftigt, die Motoren für den Einbau in die Flugzeuge fertigzumachen. „Den Einbau in die Flugzeuge der Käufer übernehmen Vertragspartner“, so Wenzler. Technify Motors sei ein klassicher Motorenbauer und Entwickler. Dafür betreibt die Firma in Nobitz Motoren-Prüfstände für die Prototypen und testet die damit umgebauten Flugzeuge in der Luft.

Technify Motors ist einer von zwei Anbietern weltweit, der Dieselmotoren für Propellerflugzuge herstellt und entwickelt. Auch im Rennsport ist das Unternehmen noch aktiv. Erst im vergangenen Jahr gewann beim 24-Stundenrennen in Le Mans ein Team, das unter anderem Baugruppen Technify Motors nutzte. Über den Umsatz gibt Wenzler mit Verweis auf den Mutterkonzern keine Auskunft. „Wir sind nicht mehr eigenständig.“

Von Jörg Reuter

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