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Altenburg Papierhäuser aus Rositz gegen die Not nach Naturkatastrophen
Region Altenburg Papierhäuser aus Rositz gegen die Not nach Naturkatastrophen
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00:18 02.03.2017
Marielis und Peter Kern mit einem Querschnitt der Hauswand. Die eckigen Fibertrommel-Hülsen sind mit einem Dämmmittel aus Zellstoff gefüllt. Quelle: Mario Jahn
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Rositz

Die Firma Thüringer Fibertrommel (TFT) ist der einzige Betrieb in Rositz, der die Wende überlebt hat. Hier werden seit 52 Jahren Behälter aus Papier hergestellt. Und zukünftig sollen auch Häuser dazukommen, natürlich auch aus Papier. Was sich nach einem Scherz anhört, ist eine ernsthafte Innovation, die beispielsweise notleidenden Menschen nach Naturkatastrophen oder Flüchtlingen für eine Zeit ein Dach über dem Kopf verschaffen soll.

„Das Besondere an unseren Fertigteilhäuser ist, sie haben gedämmte Wände, was nicht nur im Winter ein Vorteil gegenüber Zelten ist“, erklärt Firmenchef Rainer Pöhlmann. Und mit rund 28 000 Euro – und ausgestattet mit Küche und Nasszelle – kosten die 30 Quadratmeter Appartements nicht einmal die Hälfte eines Wohncontainers, so Pöhlmann weiter. Herzstück, wenn man so will, sind quadratische Hülsen, die zur Dämmung mit einem Zellstoff gefüllt sind. Verblendet mit OSB-Platten und einer witterungsbeständigen Farbschicht versehen, halten die Häuser mindesten zehn Jahre, erläutert die Assistentin der Geschäftsführung, Marielis Kern, am Prototypen.

Die Idee zu den von jedermann leicht aufbaubaren Papierhäusern kam dem TFT-Team – inspiriert von fernöstlicher Baukunst – auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015. Seinerzeit sahen tausende Migranten dem Winter in Zelten entgegen. „Damals haben sich viele Städte für unsere Häuser interessiert, was inzwischen wieder etwas zurückgegangen ist“, berichtete Pöhlmann.

Nichtsdestotrotz sollen die Fertigteilhäuser als drittes Standbein des Rositzer Unternehmens ausgebaut werden, denn die Geschäftsleitung sieht vielfältige Anwendungsmöglichkeiten überall auf der Welt. „Mit den Häusern, die wie ein einfaches Puzzle in kurzer Zeit zusammengesteckt werden können, wenden wir uns direkt an Hilfsorganisationen“, erläutert Pöhlman.

Hauptgeschäftsfeld der TFT ist und bleibt aber die Produktion von Verpackungen für die Industrie. „Das sind zum einen Fibertrommeln, seit Kurzem können wir diese als einzige in Deutschland auch eckig herstellen, und zum anderen Hülsen“, nennt Peter Pelikan die Kernkompetenz der TFT. Er und Kollegin Marielis Kern arbeitet Pöhlmann gerade als seine Nachfolger ein, denn nach 38 Jahren plant er nun seinen Rückzug aus der Firma.

Die Rositzer Fibertrommeln werden benötigt, um pastöse Produkte, Granulate oder sperrige Güter wie Draht zu verpacken. „Und die Hülsen verwendet zum Beispiel die Metallindustrie als Kern für Kupferblechrollen“, zählt Pöhlmann einige Anwendungen auf. Rund 26 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet die GmbH so und beschäftigt 220 Mitarbeiter.

Noch, betont der amtierende Geschäftsführer und erzählt, dass seine Firma beinahe über die Zehn-Millionen-Euro-Investition in die Tragetaschenproduktionen gestrauchelt wäre. „Wir haben vier wirklich schwere Jahre hinter uns“, so Pöhlmann. Erstmals seit Bestehen schrieb die Firma 2013 sogar rote Zahlen, weil sich der Aufbau einer völlig neuen Produktion inklusive Maschinen und Personal als voraussetzungsreicher und langwieriger entpuppte als erwartet.

Doch die Krise wurde überwunden – mit dem Ende 2016 unterzeichneten Kaufvertrag über die Taschenherstellung in der dafür vor wenigen Jahren errichteten neuen Halle. Der Übergang an den zukünftigen Eigentümer, die Firma Papier-Mettler aus Morbach, läuft noch bis 31. März. Wie Pöhlmann informiert, werden dann auch 50 seiner Leute einen neuen Arbeitgeber bekommen.

Von Jörg Reuter

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