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Papierkorb-Patenschaften für eine saubere Stadt

Papierkorb-Patenschaften für eine saubere Stadt

So schnell kann's gehen. Am Mittwoch unterbreitet die Piratenpartei beim Stammtisch-Geplauder mit dem Oberbürgermeister die Idee, dem Problem mangelnder Sauberkeit in der Stadt durch mehr Papierkörbe zuleibe zu rücken.

Finanziert durch Patenschaften. Am Donnerstag hängt sich Michael Wolf fünfeinhalb Stunden an die Strippe, ruft zig Firmen und Privatleute an. Und schon am Freitag meldet er Vollzug: Es gibt 31 Paten für 33 neue Papierkörbe.

"Ich bin geradezu überwältigt, dass so viele sofort bereit waren mitzumachen. Dass ihnen eine saubere Stadt wichtig ist, dass sie handeln statt meckern", bekennt der SPD-Politiker, den die zunehmende Verschmutzung der Stadt seit Längerem sehr ärgert. Ganze Kolonnen beorderte er deshalb erst dieser Tage zum kollektiven Frühjahrsputz. Auch war ihm das Defizit an Papierkörben durchaus bewusst. Schließlich sind einige, noch aus DDR-Zeiten stammende, bewusst entfernt worden. Zu oft nutzten Leute die weit offenen Gefäße zur Entsorgung ihres Hausmülls.

Im gesamten Stadtgebiet gibt es derzeit 290 Papierkörbe. Untersuchungen im Referat Stadtwirtschaft haben ergeben, dass es einen Bedarf von weiteren 80 gibt. Doch Geld dafür ist im Haushalt nicht vorhanden. "Wir haben deshalb selbst schon mal die Idee von Patenschaften diskutiert. Aber ehrlich gesagt, habe ich mich dann doch nicht getraut, sie umzusetzen."

Als der Vorschlag jetzt von den Piraten unterbreitet wurde, gab's für Wolf offensichtlich kein Halten mehr. Schließlich könnte sich ja einer seiner Konkurrenten des Themas bemächtigen. Die Resonanz freilich hat ihn dann doch überrascht, wenngleich sie nicht völlig unerwartet kommt. Denn dem Aufruf, Patenschaften für Bänke zu übernehmen, sind mittlerweile 28 Unternehmen oder Privatpersonen gefolgt. Die Nachfrage nach Tierpatenschaften für den Inselzoo ist inzwischen so groß, dass man anbauen müsste, wenn man es denn könnte.

Beflügelt vom ersten Erfolg hat Wolf sich jetzt zum Ziel gesetzt, in diesem Jahr insgesamt Paten für 50 neue Papierkörbe zu gewinnen. Sie sollen sowohl an neuen Standorten aufgestellt werden, als auch ausgediente Papierkörbe ersetzen. Selbstverständlich werden die Paten darüber mitbestimmen können, wo der von ihnen gespendete Papierkorb stehen soll. Allerdings, so Referatsleiter Denis Anders, müssen die Routen für ihre regelmäßige Leerung wirtschaftlich sein. Außerdem muss doch noch zusätzliches Geld aufgebracht werden, denn ein solch funktionaler und vor Vandalismus geschützter Papierkorb kostet mehr als die 200 Euro, die eine Patenschaft einspielt.

Die Piraten verbuchen das Aufgreifen ihrer Idee durch den OB freilich schon mal als den ersten politischen Erfolg ihrer noch jungen Existenz. "Es zeigt, dass wir auf gutem Weg sind und etwas bewegen können", so der Kreisvorsitzende Daniel Brumme.

In zwei Tagen von der Idee zur Umsetzung. So schnell kann's gehen - in Wahlkampfzeiten. Ellen Paul

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