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Altenburg Paukenschlag: Altenburgs OB will Kriegsbeil mit Windischleuba begraben
Region Altenburg Paukenschlag: Altenburgs OB will Kriegsbeil mit Windischleuba begraben
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22:50 29.01.2016
So wie auf dieser Fotomontage könnte das Einzelhandelszentrum am Topfmarkt aussehen. Quelle: Stadtverwaltung
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Altenburg

Aufgeschreckt durch das Ladensterben in der Altenburger Innenstadt hat Oberbürgermeister Michael Wolf die Erhöhung der Attraktivität der City und die Stärkung des Einzelhandels zur Chefsache gemacht. Der SPD-Politiker wartete dafür nicht nur mit einem Fünf-Punkte-Programm auf, das er am Donnerstag erstmals dem Stadtrat und den Medien vorstellte, sondern überraschte zugleich am gestrigen Freitagabend in seiner Neujahrsrede mit einem Paukenschlag: Wolf begräbt das Kriegsbeil mit Windischleuba, vermutlich sogar mit allen Umlandgemeinden. Hintergrund ist die Durchsetzung seines aktuell wichtigsten Zieles, des Neubaus eines modernen, großflächigen Einzelhandelszentrums in der Gerhard-Altenbourg-Straße gegenüber dem Areal am Markt.

Das geänderte Kaufverhalten, die Sogwirkung der Grünen Wiese und der Großstädte rund um Altenburg sowie der ständig weiter wachsende Internethandel zwingen zum Umdenken, erklärte Wolf auf dem Neujahrsempfang. „Wir können nicht erfolgreich sein durch die Bekämpfung unserer Konkurrenten, die durch eine verfehlte Entwicklungspolitik der Stadt Altenburg in den 90er-Jahren einen uneinholbaren Vorsprung erreicht haben.“ Außerdem sei bei den Umlandgemeinden eine Korrektur ihrer Pläne außerhalb der Freiwilligkeitsphase nur sehr schwer einzufordern. Die nun endlich signalisierte Absicht des Freistaates Thüringen, die Bebauungspläne in den Umlandgemeinden mittels Zielanpassungsverfahren an die Landesplanung anzupassen, sei rechtlich schwer durchsetzbar. Sie könne im ungünstigsten Fall viele Jahre dauern, lähmen und zu Stillstand führen, sagte Wolf, um dann einen der markantesten Sätze seiner Rede anzufügen: „Wir haben diese Zeit nicht. Ich bin deshalb bereit, die Blockadepolitik unter bestimmten Voraussetzungen aufzugeben.“

Die Errichtung des Einzelhandelszentrums mit Parkhausplätzen im dreistelligen Bereich und Magnetwirkung für die Innenstadt sei für Altenburg die Voraussetzung, um jeglichem weiteren Baugeschehen in Windischleuba zustimmen zu können. Ein erstes, sehr konstruktives Gespräch habe es bereits mit dem Windischleubaer Bürgermeister Gerd Reinboth (CDU) und dem Investor Josef Saller gegeben. Im Gewerbegebiet an der Leipziger Straße werde deshalb kein innenstadtrelevantes Gewerbe angesiedelt und das Einzelhandelskonzept ohne Ausnahmeregelungen dem Stadtrat im Februar zur Annahme empfohlen.

Doch dem nicht genug. Wolf will die oft schon jahrelang diskutierten, dann aber wieder und wieder auf die lange Bank geschobenen Veränderungen in der Innenstadt jetzt endlich in Angriff nehmen. Da hatte die CDU schon vor geraumer Zeit die Einführung der sogenannten Brötchentaste – also gebührenfreies Parken in der ersten halben Stunde – gefordert. Jetzt wird es umgesetzt, ab Montag werden alle 50 Parkautomaten in der Stadt umgerüstet (die OVZ berichtete). Allerdings sollen die Einnahmeverluste so gering wie möglich gehalten werden, so dass werktags zwischen 17 und 18 Uhr sowie sonnabends bis 12 Uhr wieder Parkgebühren gezahlt werden müssen.

Außerdem sollen in der Innenstadt 21 neue Parkplätze entstehen, unter anderem auf der Dauergrabungsstätte in der Teichstraße. Wolf hofft auf die Zustimmung des Stadtrats, die seiner Meinung nach für Altenburg völlig überdimensionierten Fußgängerzonen abschaffen zu können (siehe Fünf-Punkte-Programm). Auch der wieder und wieder kritisierten riesigen Freifläche auf dem Markt soll der Garaus gemacht werden. Ein Brunnen sowie Sitzgelegenheiten und Spielelemente mitten auf dem Markt sollen die Aufenthaltsqualität für Familien mit Kindern deutlich verbessern. „Es ist an der Zeit, die historisch gewachsene Leere des Marktes durch eine mutige und kreative Stadtmöblierung zur Innenstadtbelebung zu ersetzen“, so Wolf. Dafür erwartet er von den Denkmalbehörden entsprechendes Entgegenkommen und fordert zugleich die Händler auf, diesen Prozess durch unternehmerische Initiativen zu begleiten, beispielsweise durch eine einheitliche Öffnungszeiten und Marketing-Offensiven.

Das Fünf-Punkte-Programm:

1. Änderungen der Verkehrsführung: Der Weibermarkt kann durchgängig befahren werden, so dass man von dort nach rechts auf den Markt abbiegen kann. Auch über die Moritzstraße kann man nach links auf den Markt abbiegen. Beide Straßen sind Einbahnstraße, aus Richtung Markt also gesperrt. Die Sporenstraße wird für den Verkehr freigegeben. Reine Fußgängerzone bleibt nur der Markt von Höhe Rathaus bis zur Skatbank. Alle anderen Bereiche und Straßen werden sogenannte verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche, die mit maximal 20 km/h befahren werden dürfen. Bislang galten diese als verkehrsberuhigter Bereich mit Schrittgeschwindigkeit (7 km/h) . Der OB soll außerdem prüfen, ob eine Stadtbuslinie über Moritzstraße-Topfmarkt- Altenbourgstraße- Johannisstraße mit einer Haltestelle auf dem Topfmarkt möglich und ob dafür ein Belagwechsel in der Moritzstraße erforderlich ist.

2. Der OB will unter Einbeziehung des Altenburger Heimatvereins eine Finanzierungsinitiative für einen großen Marktbrunnen starten.

3. Der OB soll dem Stadtrat auf dessen September-Sitzung einen Vorschlag für geeignete Sitz- und Spielelemente in der Marktmittel einschließlich eines Kostenvoranschlags vorlegen. Umsetzung bis Ende 2017.

4. Östlich vom neuen großen Brunnen sollen Parkplätze eingerichtet werden, die Rede ist von drei Parkplätzen unmittelbar vor der Drogerie Rossmann.

5. Es wird darüber nachgedacht, ein modernes und innovatives Parkleitsystem anzuschaffen und zu installieren. Spätestens in einem Jahr soll der OB dem Stadtrat das Ergebnis einer entsprechenden Prüfung vorlegen.

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Von Ellen Paul

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