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Personalmangel: Rote Spitzen und Nikolaiturm in dieser Saison zu

Altenburg Personalmangel: Rote Spitzen und Nikolaiturm in dieser Saison zu

Wer als Besucher oder Einheimischer die Roten Spitzen besichtigen möchte, steht in dieser Saison vor verschlossener Tür. Dabei war das Wahrzeichen der Skatstadt mit Millionenaufwand saniert und im Juni 2013 nach 41 Jahren Schließung wiedereröffnet worden. Ebenfalls geschlossen ist der Nikolaiturm. Der Grund in beiden Fällen: Personalmangel.

Eigentlich Trümpfe der Skatstadt – der Nikolaiturm und die Roten Spitzen. Doch in dieser Saison sind sie zu.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Wer als Besucher oder Einheimischer die Roten Spitzen besichtigen möchte, steht in dieser Saison vor verschlossener Tür. Dabei war das Wahrzeichen der Skatstadt mit Millionenaufwand saniert, im Juni 2013 nach 41 Jahren Schließung wiedereröffnet und mit tollen Ausstellungen für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Ebenfalls geschlossen ist der Nikolaiturm, der bislang stets in den Sommermonaten von Anfang Mai bis Ende Oktober einen spektakulären Blick über Altenburg ermöglichte. Der Grund in beiden Fällen: Personalmangel. Jetzt wurden von der Verwaltung des Residenzschlosses Altenburg wenigstens einige Tage benannt, an denen die beiden historischen Gebäude zugänglich sind.

„Wir stehen vor einem strukturellen und finanziellen Problem, an dessen grundsätzlicher Behebung das Residenzschloss für das kommende Jahr arbeitet. Das derzeit deutlich reduzierte Angebot der Öffnungszeiten ist eine Notlösung, über die wir mindestens so unglücklich sind wie die interessierten Besucher“, bekennt der neue Schloss- und Kulturdirektor, Christian Horn, im OVZ-Gespräch.

Die historischen Sehenwürdigkeiten in seiner Regie – das sind Schloss, Schlosskirche, Hausmannsturm, Flaschenturm, Rote Spitzen und Nikolaiturm – werden zu den Öffnungszeiten von Mitarbeitern betreut, die nur einen zeitlich befristeten Arbeitsvertrag haben, so Horn. Sie seien im Rahmen von Arbeitsförderungsmaßnahmen, also über den zweiten Arbeitsmarkt, zumeist für lediglich ein Jahr beschäftigt. Während dies 2014 insgesamt 20 Personen waren, reduzierte sich die Zahl 2015 auf 14, in diesem Jahr sind es nur noch zwölf. „Obwohl der Eigenanteil, der bei solchen Beschäftigungsverhältnissen geleistet werden muss, im Wirtschaftsplan eingestellt ist, hat die Arbeitsagentur zurzeit keine Personen, die sie uns schicken könnte“, bedauert der promovierte Kulturwissenschaftler, der seit acht Wochen im Amt ist.

Von den aktuell 20 festangestellten Mitarbeitern sei diese Aufgaben einfach nicht zu bewältigen. Aber zumindest für die Betreuung der Roten Spitzen werde ein neues Modell für 2017 geprüft. Die Einnahmen aus dem Vorjahr in Höhe von rund 8500 Euro gegengerechnet, ließe sich das vor allem an den besucherstärksten Tagen Donnerstag bis Sonntag annähernd kostenneutral realisieren. Der Nikolaiturm bliebe bei Einnahmen von knapp 3400 Euro hingegen ein Zuschussgeschäft.

Ganz besonders bedauerlich ist die aktuelle Situation für den rührigen Förderverein Rote Spitzen. „Es ist außerordentlich schade, dass das kulturelle Angebot momentan derart eingeschränkt ist“, so der Vereinsvorsitzende Ralf Knöfler. Besonders sauer ist der 44-Jährige darüber, dass niemand die Entscheidung mitgeteilt habe. Mehr noch: Lange Zeit stand selbst auf der Homepage eine Öffnung ab 1. Mai. Auch die Tourismus-Information habe nichts gewusst und munter weiter auswärtige Gäste zu den Roten Spitzen geschickt. „Ich wohne gleich daneben, ich habe den Unmut live mitbekommen.“ Das sei eine ganz schlechte Kommunikation gewesen.

Ein erster Lichtblick für Knöfler und seinen 68 Mitglieder starken Verein ist der neue Schloss- und Kulturdirektor. Die Infos im Internet seien auf dem neusten Stand, und es wurden zumindest vier Termine festgelegt, an denen die Roten Spitzen doch öffnen. „Es hat sich etwas getan, schon in der kurzen Zeit, die Herr Horn im Amt ist. Er allein aber kann es auch nicht richten. Es braucht das notwendige Personal“, sagt Ralf Knöfler.

Die Roten Spitzen, seit 2006 für insgesamt rund drei Millionen Euro restauriert, zählten im Vorjahr 2054 Besucher, der Nikolaiturm 1851.

An diesen Tagen ist geöffnet

Eine Reise durch die Architektur- und klerikale Geschichte des Mittelalters verspricht der Besuch in den Roten Spitzen am 4., 11., und 17. September sowie am 2. Oktober, Führungsbeginn ist an der Kasse des Schlossmuseums jeweils um 11 Uhr; Eintritt: vier ermäßigt drei Euro. Gruppenführungen auch außerhalb dieser Termine buchbar. Den Nikolaiturm besteigen kann man am 6., 21. und 28. August, am 3. und 18. September sowie am 1. Oktober, jeweils in der Zeit von 10 bis 17 Uhr; Eintritt: zwei, ermäßigt einen Euro. (Nähere Infos unter Tel. 03447 512712)

Christian Horn am Dienstag bei Pro Altenburg

Wer mehr über die Zukunft der Altenburger Kulturlandschaft und ihrer historischen Sehenswürdigkeiten wissen oder den neuen Schloss- und Kulturdirektor Christian Horn einmal persönlich kennenlernen will, der ist am Dienstagabend, 2. August, um 18.30 Uhr in der Gaststätte „Friesenheim“, Friesenstraße 12, genau richtig. Die Bürgerbewegung Pro Altenburg setzt damit ihre Veranstaltungsreihe „Sie reden, wir hören zu!“ fort. Auf der Tagesordnung stehen Fragen wie: Welche Akzente und Ziele will Christian Horn setzen? Welche weiteren Sanierungsmaßnahmen im Schloss sind notwendig oder geplant? Welche Pläne bestehen zu den Roten Spitzen?

Von Ellen Paul

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