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Pfarrhaus in Kriebitzsch wieder wachgeküsst

Imkerei als Hobby Pfarrhaus in Kriebitzsch wieder wachgeküsst

Das Pfarrhaus in Kriebitzsch stand elf Jahre leer, der angrenzende Garten wuchs langsam aber sicher zu. Doch seit fünf Jahren wird das Grundstück Stück für Stück wieder wachgeküsst – von den Leipziger Architekten Jörg Spiegel und Sirid Henneberger, die inzwischen ihre Wohnung in der Messestadt aufgaben und nach Kriebitzsch zogen.

Haben sich in Kriebitzsch der Imkerei verschrieben: die Architekten Jörg Spiegel und Sirid Henneberger.

Quelle: Mario Jahn

Kriebitzsch. Das Pfarrhaus in Kriebitzsch stand elf Jahre leer, der angrenzende Garten wuchs langsam aber sicher zu. Doch seit fünf Jahren wird das Grundstück Stück für Stück wieder wachgeküsst – von den Leipziger Architekten Jörg Spiegel und Sirid Henneberger, die inzwischen ihre Wohnung in der Messestadt aufgaben und nach Kriebitzsch zogen.

Das Areal war seinerzeit auf der Internetseite www.kirchengrundstücke.de zum Verkauf angeboten worden. Dem Leipziger Architektenpaar, das ein Wochenendhaus in der Nähe von Leipzig suchte, fiel es ins Auge, obwohl nur ein Foto abgebildet war und auch die Beschreibung zu wünschen übrig ließ. „Als wir das Hoftor aufmachten, haben wir uns sofort in das Grundstück verliebt. Es hat etwas Verwunschenes. Wir hatten das Gefühl, es hat nur auf uns gewartet“, erzählt Sirid Henneberger.

Im März 2011 kaufte das Paar das Anwesen und hat seitdem viele Veränderungen vorgenommen. Im Garten mussten Bäume gefällt und Gestrüpp entfernt werden. Vor allem aber wartete viel Arbeit im Haus. Das Dach und der Schornstein mussten repariert, die gesamte Elektrik erneuert, ein Bad hergerichtet und die Böden geschliffen werden. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Es sind noch Fenster zu wechseln, die Elektrik im Flur fertig zu stellen und die Fassade zu streichen. Doch der Charme des Hauses geht nicht verloren. Die Küche ist im Stil der Gründerzeit erhalten, und die Scharniere der Türen stammen aus der Biedermeierepoche.

In Kriebitzsch fanden die beiden Architekten dann auch ein neues Hobby. Vor drei Jahren starteten sie mit der Bienenzucht und eröffneten eine Imkerei. Hervorgerufen habe das der „Kriebitzsch-Effekt“, wie Jörg Spiegel berichtet. Das Paar besitzt heute 45 Bienenvölker, die etwa 800 Kilogramm Honig im Jahr abwerfen. Die Frühjahrsernte in diesem Jahr sei auch sehr gut gewesen, allerdings sei die Ausbeute im Sommer nicht so üppig, doch das ginge deutschlandweit vielen Imkern so.

Die Imkerei ist ein Nebenerwerb, denn obwohl sich Spiegel und Henneberger mehr Zeit für ihre Bienen wünschen, wollen sie ihr Architektenbüro im Leipziger Tapetenwerk nicht aufgeben. „Durch die freiberufliche Tätigkeit sind wir flexibel und können uns unsere Zeit gut einteilen. Das macht es einfacher, die Imkerei zu betreiben“, sagt Sirid Henneberger.

Neben Honig und anderen Bienenprodukten wie Propolis und Wachs stellen sie auch Sirup, Likör, Marmelade und Apfelsaft selbst her, alles mit Früchten aus dem Kirschengarten des Pfarrhauses. Verkauft werden die hauseigenen Produkte in Leipziger Läden, wie dem Biomare, auf Festen und Märkten in Kriebitzsch und Umgebung oder beim Food Assembly. Dies ist ein Onlineportal, mit dessen Hilfe man die bestellten Waren an einem bestimmten Ort jede Woche zur gleichen Zeit abholen kann. Ganz nach dem Motto „Gib deinem Bauern die Hand“ wird der Kontakt zwischen Erzeuger und Verbraucher hergestellt.

Im Winter 2014/15 hatte sich die Zwei entschieden, die Wohnung in Leipzig zu kündigen und Kriebitzscher zu werden. Bereut haben sie diesen Schritt nicht. „Einfach vor die Tür treten und in der Natur zu sein, das fasziniert mich“, schwärmt Jörg Spiegel. „Außerdem kann man in seinem Garten jeden Tag etwas Neues beobachten.“ Überrascht sei er auch von der netten Nachbarschaft. „Wenn man in einer Stadt wohnt, kennt man nicht mal alle Nachbarn.“

Von der Stadt aufs Land – für Jörg Spiegel und Sirid Henneberger hat sich dieser Schritt ausgezahlt.

Von Lisa Gerth

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