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Altenburg Pfusch beim Bau? – Gutachter lässt Altenburger Markt aufbohren
Region Altenburg Pfusch beim Bau? – Gutachter lässt Altenburger Markt aufbohren
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05:00 24.08.2016
Die Bohrungen auf dem Altenburger Markt dienen einem Gutachten, das Klarheit im Rechtsstreit um Baupfusch bringen soll. Quelle: Thomas Haegeler
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Altenburg

Der Lärm war ohrenbetäubend. Wer sich am Montagnachmittag auf dem Altenburger Markt bewegte, verstand mitunter weder sein eigenes Wort noch das Wort anderer. Da wurde die Bestellung im Eiscafé oder auf einem der Freisitze zum Glücksspiel. Als Quell des Übels entpuppte sich eine benzinbetriebene Steinkreissäge, mit der ein Arbeiter Teile des Fundaments zerlegte. Diese waren wiederum zuvor mit einer Bohrkernfräse an zehn Stellen quer über das Wohnzimmer der Stadt entnommen worden – vom Rathaus bis zum Rossmann. Am Ende verschloss man die Löcher wieder mit Mörtel und dem Pflaster, wovon nun noch einige helle Stellen zeugen. Seit dem Vormittag hatte eine Baufirma damit gut zu tun und zog die Blicke und Fragen zahlreicher Passanten auf sich.

Nach OVZ-Informationen sind die Bohrungen Folge eines Rechtsstreits zwischen der Stadtverwaltung und der Baufirma, die die Steine vor knapp zehn Jahren verlegt hat. Dabei geht es um möglichen Pfusch, um daraus resultierende Gewährleistungsansprüche – und um die Abwehr von Gefahren. Deutlich sichtbarer Anlass ist, dass die Fugen zwischen den Steinen auf dem gesamten Markt zwischen Moritz- und Sporenstraße aufplatzen. Dadurch dringt Wasser ein, spült die Fugen aus oder unterspült den Boden, wodurch sich die Füllmasse absenkt. Das Ende des Liedes: bis zu zwei Zentimenter tiefe und etwa anderthalb Zentimeter breite Spalten zwischen den Steinen. Eine Stolper- und Sturzgefahr nicht nur für Frauen mit hohen Absätzen. Setzt sich die Erosion unvermindert fort, könnten sich schlimmstenfalls irgendwann sogar einzelne Steine lockern.

Warum die Fugen nicht das Niveau der Oberkante der Steine halten, wie es einst vereinbart war, weiß bisher niemand. Dem Vernehmen nach vermutet die Stadtverwaltung, dass beim Bau etwas schiefgelaufen ist, und macht dafür die beauftragte Firma verantwortlich. Diese hingegen weist jegliche Schuld von sich und will keine Verantwortung übernehmen. Nun soll ein Gutachter aus Bayern der Frage beziehungsweise den Fugen auf den Grund gehen. Und da selbst der vom Gericht beauftragte Fachmann ohne aussagekräftiges Material nur orakeln kann, kam es nun zu besagten Aktivitäten.

Die Bohrungen des Gutachters seien Teil eines Beweissicherungsverfahrens, bestätigte Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) am Dienstag auf Nachfrage den Rechtsstreit. „Und nun müssen wir abwarten, was da raus kommt.“ Dazu gekommen sei es, weil man sich vor Ablauf der Gewährleistung das Pflaster angeschaut und dabei festgestellt habe, dass in einigen Bereichen des Marktes die Fugen ziemlich ausgewaschen seien. „Man konnte sich nicht über die Mängelbeseitigung einigen, so dass wir Maßnahmen ergriffen haben, dass die Gewährleistung nicht abläuft.“ Ob die nun festgestellten Mängel und der daraus resultierende Streit mit den bereits vor sechs Jahren aufgetauchten Problemen bei den Versorgungsschächten zusammenhängen, konnte er jedoch nicht sagen.

Fest steht aber, dass es bereits während des Verlegens der Steine Probleme gab, die möglicherweise auch die Ursache der heutigen Spalten darstellen könnten. Denn im Herbst 2006, als große Teile des Pflasters verlegt wurden, schaffte die beauftragte Firma anfangs die angestrebte Tagesmenge nicht. Das ist unter anderem deshalb ein Problem, weil zwischen dem Verlegen der Steine und der Verfugung wegen des Haftverbundes nicht mehr als 48 Stunden vergehen dürfen. An Punkten wie diesem entzündete sich bereits 2010 ein Streit wegen Versorgungsschächten, die sich witterungsbedingt plötzlich nicht mehr schließen ließen. Auch dort gerieten die Fugen in den Fokus. Allerdings trat das Problem zuletzt nicht mehr auf.

Nun scheint allerdings eine neue Dimension erreicht. Denn von den Ausspülungen ist mehr oder minder das Pflaster auf dem Großteil des Marktes betroffen. Der rund 8000 Quadratmeter große Platz war nach Auftrag der Stadt von 2005 bis 2008 für über vier Millionen Euro saniert worden. Damit übertraf man das angekündigte Budget von drei Millionen Euro deutlich – und musste dennoch einige Vorhaben streichen.

Von Thomas Haegeler

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