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Altenburg Philharmonisches Konzert begeistert mit Meistern und Unbekanntem
Region Altenburg Philharmonisches Konzert begeistert mit Meistern und Unbekanntem
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18:02 24.04.2018
Hochkonzentriert und mit viel Spielfreude gingen die Mitglieder des Reußischen Kammerorchesters beim Philharmonischen Konzert zu Werke. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Das Reußische Kammerorchester, bestehend aus Streichern des Philharmonischen Orchesters, steht für schöne Musik im Sinne von musikalischer Harmonie und Klangschönheit. Und man fragt sich, warum ein zu Lebzeiten hochgeschätzter Komponist wie Robert Fuchs (1847-1927), der in seinem Heimatland Österreich heute noch in Konzertprogrammen präsent ist, weil er so manche Melodie in den beiden genannten Kriterien geschaffen hat, in Deutschland nahezu unbekannt ist und erst jetzt vom Kammerorchester entdeckt wurde.

Lehrmeister der Großen

Die Inschrift auf seinem Grabstein lautet: „Ein begnadeter Komponist, ein selbstloser Lehrer und ein außergewöhnlicher Mensch.“ Das sollte reichen für die Unsterblichkeit. Aber es reichte nicht. Am erfolgreichsten war er wohl als Lehrer. Er war Professor für Harmonielehre und Kontrapunkt, in seiner lebenslangen Unterrichtstätigkeit profitierten viele berühmte Komponisten von ihm: Gustav Mahler, Jean Sibelius, Richard Strauss, Hugo Wolf, Erich Wolfgang Korngold, zählen dazu.

Viele seiner Kompositionen haben eine ansprechende musikalische Qualität, doch schon zu Lebzeiten reduzierte man sein Werk vornehmlich auf die Serenaden. Sein Beiname „Serenadenfuchs“ war nicht nur positiv gemeint.

Nicht für die Ewigkeit

Seine Serenade Nr.3 e-Moll op. 21 aus dem Jahre 1874 leitete das 7. Philharmonische Konzert ein. Dieses viersätzige romantische Werk mit innigem Ton in den langsamen Teilen und rhythmisch betont und tänzerisch in den raschen verbindet Eleganz mit handwerklicher Souveränität. Das Reußische Kammerorchester unter Führung seines langjährigen Mentors Andreas Hartmann, 1. Konzertmeister des Leipziger MDR-Sinfonieorchesters, wirbt mit Spielfreude, Sonorität und Wohlklang für das Werk und kommt über dessen wohlklingende Harmlosigkeit, die dem ganzen Fuchs`schen Werk eigen ist, jedoch nicht hinaus. Das hört sich gut an – aber man merkt, das reicht nun wirklich nicht für die Ewigkeit.

Gefahrvolles Tempo

Wohl aber fast alles, was Joseph Haydn (1732-1809) komponiert hat. Es war ein musikalischer Glücksfall, als ein Musikforscher 1961 im Prager Nationalmuseum die Stimmenabschrift von Haydns Cellokonzert Nr.1 in C-Dur fand, von dessen Existenz man aus dessen eigens erstelltem Werkekatalog aus dem Jahre 1765 wusste. Violinen- und Flötenkonzerte gab es damals zuhauf. Haydn war einer der ersten, der sich des Cellos annahm. Neun Konzerte für dieses Instrument werden ihm zugeschrieben, zwei sind nur noch überliefert. Und die haben es in sich. Das in C-Dur ist eines der anspruchsvollsten Werke für Cello überhaupt.

Die Besetzung ist klein: zwei Oboen und zwei Hörner stoßen noch zu der Streichergruppe. Der 1. Solocellist des Philharmonischen Orchesters, Nico Treutler, wagt sich an einen der schwierigsten Parts. Dabei ist er gleichzeitig in den Orchestertutti eingebunden. Das verlangt viel von dem Solisten: Melos im ersten, durch das Spätbarock geprägten Satz sowie im Mittelsatz und modernes leidenschaftliches Virtuosentum im Schlusssatz mit der Gefahr, sich im Tempo zu übernehmen.

Serenade im besten Sinn

Dem entgeht Treutler und meistert einen der schwierigsten Sätze der Celloliteratur mit Präzision und Fingerfertigkeit in einem Tempo, das dennoch in Erstaunen versetzt und durch das die Schönheit der Musik nicht verlustig geht, auch wenn sich die Melodie in einer technisch anspruchsvollen hohen Lage befindet. Das alles spricht für einen breiten Fundus gestalterischer Mittel des Solisten, wofür das Publikum mit enthusiastischem Beifall dankt. Er gilt auch der sichtbaren Musizierfreude des Orchesters und seines Leiters.

Diese setzt sich bei Antonin Dvoráks (1841-1904) Streicherserenade E-Dur op. 22 fort, über deren fünf Teile der Komponist Themen böhmischer Melodien in fast verschwenderischer Fülle ausgeschüttet hat. Bei der Wiedergabe entfalten die Streicher eine musikalische Wärme und Innigkeit, die voll und ganz dem Kern des italienischen Wortes „serenata“ entsprechen, dem meteorologischen Begriff für einen heiteren, wolkenlosen Himmel.

Diese Summe an musikalischen Wohllauten findet ihren Höhepunkt im langsamen vierten Satz, einem der innigsten der ganzen romantischen Musik, mit entwaffnender Schönheit vom Reußischen Kammerorchester gespielt, der nach nicht enden wollenden Beifall nach einer Wiederholung rief, die das Publikum auch bekam.

Von Manfred Hainich

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