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Altenburg Pierer-Schule gehen die Schüler aus
Region Altenburg Pierer-Schule gehen die Schüler aus
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21:33 18.01.2012
Die Gebäude der Pierer-Schule können sich sehen lassen. Sie wurden vor Jahren mit einem Millionen-Aufwand saniert. Allerdings sinkt die Anzahl der Schüler. Quelle: Mario Jahn

Von Frauke Sievers

Betroffen sind vor allem die Bereiche Körperpflege, Gastronomie und einige Handwerksbereiche, sagte Roger Pröhl, Leiter der Pierer-Schule, der OVZ. Die Ursache dafür sieht Winfried Krys, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Altenburger Land, im demografischen Wandel.

Die geburtenschwachen Jahrgänge um die Wende machten sich jetzt bemerkbar. Die Anzahl der Schulabgänger nimmt generell ab. Gab es im Schuljahr 2008/09 noch 777 Absolventen allgemeinbildender Schulen, waren es 2009/2010 nur noch 635. In Thüringen sank im selben Vergleichszeitraum die Zahl der Jugendlichen von 17 890 auf 15 002. Damit gibt es weniger Lehrlinge in den Betrieben und somit auch weniger Schüler an Berufsschulen. Im Schuljahr 2010/11 wurden an fünf Berufsschulen im Altenburger Land 2517 Schüler unterrichtet, ein Jahr zuvor waren es noch 2590, im Schuljahr 2008/09 noch 2789.

"Trotz Bemühungen der Betriebe ist es schwer, geeignete Lehrlinge zu finden", weiß Winfried Krys. "Das ist ein riesiges Problem." Es würden Kompromisse ausgehandelt, dass Schüler nicht nur nach Gera gehen, sondern auch welche zurückkommen. So war beispielsweise vereinbart worden, dass Metallbauer in Gera zur Berufsschule gehen, Anlagenmechaniker dafür nach Altenburg kommen. Der Plan ging allerdings nicht auf. Es kamen trotzdem nicht genügend Schüler zusammen, sodass die Anlagenmechaniker schließlich in Jena angesiedelt wurden.

"Der Versuch, bestimmte Bereiche in Altenburg zu halten, ist gescheitert. Damit sind wir nicht sehr glücklich", bedauert Krys. Erschwerend hinzu kommt, dass Betriebe nicht nur innerhalb der Fachrichtungen um Lehrlinge buhlen, sondern auch branchenübergreifend. Banken greifen immer häufiger auch auf Realschüler statt nur auf Abiturienten zurück, somit verringert sich die Zahl der qualifizierten Schulabgänger, die der Handwerksbranche zur Verfügung stehen, noch weiter. Noch vor nicht allzu langer Zeit seien im Handwerk hauptsächlich ehemalige Regelschüler als Lehrlinge eingestellt worden.

Inzwischen sei der Wettbewerb so groß, dass zunehmend auch ehemalige Hauptschüler als Lehrlinge eingestellt werden müssen. Allerdings ist dies nicht unproblematisch. "Wir stellen immer wieder fest, dass Lesen, Schreiben und Rechnen immer weniger beherrscht werden." Viele würden den Anforderungen in der Berufsschule zumindest nicht in dem vorgegebenen zeitlichen Rahmen gerecht. "Die Anforderungen sollen aber gleich bleiben. Wir wollen das Niveau weiter hochhalten. Mit weniger gut ausgebildeten Lehrlingen ist das ein Problem", so Winfried Krys.

Für Roger Pröhl kam der Mangel an Schülern nicht überraschend: "Der Trend war durch die demografische Entwicklung absehbar. Man konnte sich darauf einstellen." Er kann dem Ganzen auch etwas Positives abgewinnen. "Kein Dienstherr kann es sich leisten, Klassen zu führen mit nur vier oder fünf Schülern. Es gibt Grenzen, ab denen es nicht mehr sinnvoll ist, eine Klasse zu halten - pädagogisch und finanziell", sagt er. Insofern ist es ihm lieber, Schüler nach Gera oder Jena abzugeben.

Seiner Meinung nach geht der Trend ohnehin zu einer Konzentration der Fachbereiche. "Wir werden mittelfristig nicht jeden Beruf halten können. Das hängt aber ganz davon ab, inwiefern die Wirtschaft im Altenburger Land Auszubildende akquirieren kann. Etwa 1000 Schüler werden derzeit an der Pierer-Schule unterrichtet. Vor einem Jahr waren es nach Aussage des Schulleiters rund 100 mehr. Der Mangel an Schülern ist für ihn kein neues Problem. "Das ist seit einigen Jahren Praxis. Es gibt seit einer ganzen Weile Berufe, in denen wir uns bezüglich der Schülerzahlen an der Grenze bewegen."

Dass die Pierer-Schule längerfristig geschlossen werden muss, befürchtet der Schulleiter jedoch keineswegs: "Wir haben uns in bestimmten Bereichen profiliert, sind über geografische Grenzen hinweg ein Unikat. Die Schule bleibt bestehen. Daran habe ich keinen Zweifel."

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