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Pierer-Schule wirbt um Nachwuchs - auch für anrüchige Berufe

Pierer-Schule wirbt um Nachwuchs - auch für anrüchige Berufe

"Selbst wenn Sie später mit Kanälen zu tun haben, wird es nicht immer stinken." Katrin Haeske tut alles, um den Neuntklässlern die umwelttechnischen (UT-)Berufe schmackhaft zu machen. Doch sie hat es nicht leicht und blickt in viele skeptische Gesichter. Die Mädchen wollen eh lieber Mediengestalter, Krankenschwester oder Kita-Erzieherin werden. Und auch die Jungs können sich für den Umgang mit Abwässern oder Abfällen nur schwer begeistern.

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Azubi Leon Barthel aus dem Altenburger Berufsschulzentrum zeigt den Regelschülern an einem Model die Funktionsweise eines Klärwerks.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Auch Julian Strobel und Leon Barthel merken das geringe Interesse. Beide zeigen den Schülern anhand eines Models die Funktionsweise eines Klärwerks. Die Berufsbezeichnung schrecke ab, meinen die beiden Azubis im dritten Lehrjahr, die eben genau diese UT-Berufe selbst erlernen, von der Vielseitigkeit und den technischen Möglichkeiten begeistert sind und sich nichts anderes vorstellen können.

Doch an der Johann-Friedrich-Pierer-Schule lernen immer weniger Lehrlinge im UT-Bereich. Dennoch lässt sich das Kollegium nicht entmutigen, weiter dafür und die anderen Ausbildungsmöglichkeiten zu werben. Gestern und vorgestern bestand dazu eine neue Gelegenheit - das Schulzentrum für Gewerbe und Technik in Altenburg-Nord lud zum 5. Regelschultag ein. Berufsschüler lotsten etwa 350 Neuntklässler durch 19 Stationen, an denen erklärt wurde, wie man Zerspanungsmechaniker, Elektro- oder Textiltechniker wird und was man als solcher zu tun hat. Die Lotsen beobachteten gelangweilte Schüler, solche, die wissen, was sie werden wollen, und unentschlossene, die die angebotenen Orientierung nutzen.

Die Pierer-Schule bietet zwölf Ausbildungsrichtungen an und zählt derzeit 850 Schüler. Der größte Teil von ihnen, im Moment etwa 230, strebt in die Branche Papierherstellung und -verarbeitung. Auch die Land-und Baumaschinen-Mechatroniker weisen mit 176 Schülern eine gesunde Stärke auf.

Eine lange Tradition haben in Altenburg auch die UT-Berufe. Doch die sinkende Schülerzahl lässt die Klassen in kritische Bereiche schrumpfen. Im jetzigen ersten Lehrjahr sitzen nur neun junge Leute, die ab dem neuen Schuljahr nach Weimar, Gelsenkirchen oder Bautzen müssen. Das Bildungsministerium hat einer erneuten Klassenbildung ab 2016 nicht mehr zugestimmt (die OVZ berichtete). Nur durch Glück oder Zufall konnte Altenburg den Bereich Sanitär, Heizung und Klimatechnik behalten, obwohl mit 13 Schülern die angestrebte Klassenstärke von 15 verfehlt wurde. Da es in Jena aber zu viele Schüler gab, konnte Altenburg seine behalten. Ausnahmsweise.

Schulleiter Ralf Herzer betrachtet diese Entwicklung mit großer Sorge und Unzufriedenheit. Für ihn ist die Berufsschullandschaft in Thüringen zu unübersichtlich geworden. Es gebe zu viele Standorte, die zu viel anbieten, mitunter viel zu wenig Schüler haben und deswegen den anderen die Azubis wegnehmen und damit in Schwierigkeiten bringen, sagte der 51-Jährige. Eine solche Zersplitterung sei auch unwirtschaftlich, weil zu viele Lehrer vor zu kleinen Klassen stehen. Er hoffe, dass die Politik hier bald klare Regeln vorgibt, wer was ausbildet. Die Politik müsse begreifen, dass für alle Standorte in Thüringen die Schülerzahlen nicht mehr ausreichen. "Es muss dringend eine vernünftige Berufsschullandschaft her, die auf jene Standorte setzt, die wirklich Zukunft haben."

Für Katrin Haeske zählt dazu ganz klar Altenburg. "Hier muss es weitergehen. Das ist ganz wichtig für die Region und für die Betriebe."

Jens Rosenkranz

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