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Pilzsammler im Altenburger Land müssen sich bis zum Herbst gedulden

Sachverständiger Pilzsammler im Altenburger Land müssen sich bis zum Herbst gedulden

In hiesigen Gefilden sieht Pilzexperte Dietmar Löffler 30 Jahre nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl keine Gefahr durch radioaktive Strahlung. Die Pilzsammler können also bedenkenlos auf die Suche gehen. Zurzeit gibt es allerdings kaum Pilze. Löffler machte den Pilzliebhabern aber Hoffnung auf den Herbst.

Sachverständiger in Aktion: Dietmar Löffler (r.) berät Pilzsammler.

Quelle: Mario Jahn

Lucka. Der Fund eines Behälters mit der Aufschrift „Uran“, den Pilzsammler unlängst im Erzgebirge machten, hatte für Aufsehen gesorgt. Zwar konnte schnell Entwarnung gegeben werden, doch bei den Pilzfreunden weckte das Geschehen im Erzgebirge Erinnerungen an die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986.

„In unserer Region gab es nach der Nuklearkatastrophe vor 30 Jahren kaum Belastungen. Heute zeigt der Boden gar keine Auswirkungen mehr“, beruhigt Dietmar Löffler. Der Pilzsachverständige aus Lucka weist allerdings darauf hin, dass es in Bayern, wo damals die Auswirkungen wesentlich größerer waren, noch heute Hirschtrüffelarten gibt, die noch geringe Mengen Uran aufweisen. Weil diese Pilze ein Leckerbissen für Wildschweine sind, müsse deren Fleisch noch heute auf Uran untersucht werden. „In unserem Landkreis sind solche Trüffelarten nicht zu finden.“

Das treffe im Augenblick allerdings auf fast alle Pilze zu. „In den Supermärkten gibt es derzeit mehr Pilze als in den Wäldern“, scherzt Löffler, der dennoch regelmäßig im Wald unterwegs ist und meist mit Pfifferlingen nach Hause kommt. Wo die zu finden sind, das bleibt jedoch sein Geheimnis.

Der langjährige Pilzberater hatte auch beobachtet, dass es bereits die für das Frühjahr typischen Pilze in diesem Jahr kaum gab. „Die Morcheln und Lorcheln wachsen nur, wenn Temperatur, Regen und Zeit zusammenpassen. Das war in diesem Jahr nicht so“, konnte er seinen Aufzeichnungen entnehmen.

Nicht viel besser sehe es derzeit mit den Sommerpilzen aus. „Es gab zwar Stockschwämmchen, doch die waren schnell wieder weg“, so der 77-Jährige, der nachdrücklich darauf hinweist, dass dieser Pilz einen Doppelgänger hat, der sehr giftig ist. „Der Verzehr dieses Nadelholzhäublings ist tödlich. Er ist ebenso giftig wie der grüne Knollenblätterpilz.“ Für den normal Pilzsammler sei der Unterschied kaum zu erkennen. Wer sich nicht sicher ist, der sollte mit seinem Fund zu Löffler oder Frank Wendland, dem zweiten Pilzberater im Landkreis, gehen. „Selbst wir können nicht am Hut erkennen, ob es ein Stockschwämmchen oder ein Nadelholzhäubling ist. Das ist nur am Stil und am Geruch festzumachen“, meinte der Pilzkenner.

Manche Leuten sind auch schon mit einem ganzen Korb voll vermeintlicher Champignons zu ihm gekommen. Entpuppt haben sich diese dann als Giftchampignons. Davon gäbe es heute viele. „An der alten Schule, in der sich heute altersgerechte Wohnungen befinden, standen solche Giftchampignons bis vor Kurzem zu Hunderten“, hatte er beobachtet. Deren Verzehr kann schwere Magen- und Darmkoliken auslösen. Zu erkennen sei der Giftchampignon nur am Geruch und an der gelben Reibefläche.

„Solche Pilze haben eine Frau aus Lödla vor Jahren mit einer Pilzvergiftung auf die Intensivstation des Krankenhauses gebracht. Nach einem Anruf der Klinik bin ich sofort nach Lödla gefahren und habe mir vom Ehemann der Patientin die Pilze zeigen lassen, die sie gegessen hatte. Dabei handelte es sich um Giftchampignons “, plaudert Löffler aus dem Nähkästchen. Als er gesagt habe, dass sie nicht sterben müsse, ging es ihr gleich ein bisschen besser. „Die Angst vorm Sterben ist bei den Leuten manchmal schlimmer als die Vergiftung“, so seine Erfahrungen.

Für die Hochzeit der Pilze, den Herbst, hält der Experte recht gute Prognosen bereit. „Wenn in diesem Monat ausreichend Regen fällt, kann es im September reichlich Pilze geben. Denn der Niederschlag im Juli ist ausschlaggebend für das Wachstum im Herbst.“ Zu dieser Jahreszeit seien Artenvielfalt und Menge schon immer am größten gewesen. Das hätten aber viele vergessen.

Pilzberater: Frank Wendland, Peniger Straße 7, Nobitz/OT Wilchwitz bei der Sandgrube, Tel. 03447 501504 und Dietmar Löffler, Klara-Zetkin-Straße 4, Lucka, Tel. 034492 25432.

Von Marlies Neumann

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