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Plötzlich raus aus der DDR: Freundinnen finden sich erst nach OVZ-Beitrag wieder

Plötzlich raus aus der DDR: Freundinnen finden sich erst nach OVZ-Beitrag wieder

Als an einem Sonntagabend das Telefon klingelt und sich am anderen Ende eine Karin meldet, da legt Gabriele Ernst den Hörer erst einmal auf. Sie fühlt sich veralbert.

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Gabriele Ernst fand durch die OVZ ihre in der DDR ausgewiesene Freundin wieder.

Quelle: Marlies Neumann

Doch die fremde Frau lässt nicht locker: Wenige Minuten später ruft sie erneut bei der Ehrenhainerin an und gibt sich als ehemalige Freundin zu erkennen. "Da hat es bei mir Klick gemacht, und ich wusste genau, wer am anderen Ende der Leitung ist", erzählt die 65-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht.

 

Es war ihre gute Freundin aus früheren Tagen, die sie seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gesehen oder gesprochen hat. "Wir wohnten damals mit unseren Familien in Altenburg und hatte beide zwei Kinder. Die gingen in den gleichen Kindergarten. Dort haben wir uns in den 1970er Jahren auch kennengelernt", erinnert sich die ehemalige Lehrerin und Direktorin der damaligen Schule in der Schulstraße. Mit ihren Kindern haben die beiden Frauen viel gemeinsam unternommen und sind dabei enge Freundinnen geworden, die sich auch mal ohne den Nachwuchs auf einen Kaffee oder zum Quatschen getroffen haben.

 

"1979 sind Karin und ihre Familie dann aus heiterem Himmel aus der DDR ausgewiesen worden. Sie mussten innerhalb von 24 Stunden das Land verlassen. Ich kann mich noch daran erinnern, dass sie mit einem Paket Kindersachen, die sie nicht mitnehmen konnte, vor meiner Tür stand", erzählt die Ehrenhainerin. Warum sie ausgewiesen wurde, darüber habe Karin weder damals noch jetzt gesprochen. "Ich vermute, es hing damit zusammen, dass ihr Mann Bundesbürger war", so Gabriele Ernst, die von ihrer Freundin nur gesagt bekam, dass sie sie damals haben schützen wollen.

 

"Nach der Wende habe ich dann mehrere Versuche gestartet, Karin zu finden. Da ich aber nicht wusste, in welche Ecke der alten Bundesländer es sie verschlagen hatte, verlief die Suche im Sand. Irgendwann habe ich dann damit abgeschlossen", blickt die Rentnerin 25 Jahre zurück.

 

Dass sich die alten Freundinnen nach all den Jahren nun doch noch wiederfanden, ist der OVZ zu verdanken. "Bei einer Umfrage bin ich mit Bild und Text in der Zeitung gewesen. Da hat mich eine Verwandte meiner Freundin wiedererkannt und den Artikel zu ihr in die Eifel geschickt. Daraufhin hat Karin alle Hebel in Bewegung gesetzt, mich zu finden. In nur wenigen Wochen hat sie es mit Hilfe einer anderen Freundin geschafft, meine Adresse und Telefonnummer ausfindig zu machen. Und das, obwohl ich inzwischen mehrmals umgezogen bin und einen andern Namen trage", berichtet Gabriele Ernst mit strahlenden Augen.

 

Nur wenige Wochen nach dem ersten Anruf gab es ein Wiedersehen. "Mit meinen Mann habe ich sie in der Eifel besucht. Die Wiedersehensfreude war riesengroß." Seitdem gehen jede Woche zwei Briefe hin und her, außerdem gibt es jede Menge spontane Anrufe. "Gemeinsam haben wir inzwischen vieles aufgearbeitet. Karin kann sich an viel mehr erinnern als ich. Das hängt aber bestimmt damit zusammen, dass ich die Erinnerungen verdrängt habe", ist sich die Ehrenhainerin sicher. Warum die heute 70-Jährige damals ihre Heimat verlassen musste, wisse sie aber bis heute nicht. Vielleicht erfährt sie es beim nächsten Treffen. Das ist noch für dieses Jahr geplant. Weil ihre Freundin wegen ihres kranken Mannes derzeit nicht nach Altenburg reisen kann, wird Gabriele Ernst sie besuchen.

 

Bis dahin wird telefoniert und werden Briefe geschrieben.

Marlies Neumann

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Von Redakteur Monika Neumann

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