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Politisch motivierte Kampagne oder Straftat -Dritter Verhandlungstag im Prozess gegen Luckaer Stadtrat Eckhardt Kretzschmar / Bürgermeisterin Kathr...

Politisch motivierte Kampagne oder Straftat -Dritter Verhandlungstag im Prozess gegen Luckaer Stadtrat Eckhardt Kretzschmar / Bürgermeisterin Kathrin Backmann im Zeugenstand

Der Prozess gegen den Luckaer Stadtrat Eckhardt Kretzschmar (SPD) ging gestern in seine dritte Runde. Seit dem 22. Februar muss sich der 57-Jährige wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung verantworten vor dem Amtsgericht.

Gestern war dazu Luckas Bürgermeisterin Kathrin Backmann (SPD) in den Zeugenstand berufen. Über etwa drei Stunden stellte sich die Rathauschefin den Fragen des Gerichtes, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Den Termin ließen sich fast 20 Bürger nicht entgehen.

Wie berichtet, soll Kretzschmar Ende Oktober 2000, März/April 2001 und Ende 2003 eine Rathausmitarbeiterin sexuell bedrängt und sogar missbraucht haben, was Kretzschmar bestreitet. Das heute 49-jährige Opfer zeigte zudem die mutmaßlichen Straftaten erst im Mai 2010 an. Nicht zuletzt diese Zeitspanne sorgt seit Beginn des Prozesses für Fragen. Bereits in den vergangenen zwei Prozesstagen war immer wieder die Rede von einem politischen Komplott gegen den unbequemen Stadtrat, der bei mindestens einer Tathandlung als Beigeordneter den damals erkrankten Bürgermeister Christoph Richter an der Rathausspitze vertrat.

Doch nicht dieser, sondern die amtierende Bürgermeisterin Backmann wurde vernommen, um Licht ins Wirrwarr aus Sex und Politik zu bringen. Sie ist heute die Chefin des Opfers und auch deren Freundin. "Nein, eher sehr, sher gute Bekannte", berichtigte Backmann den Vorsitzenden Richter. Im Jahr 2000 habe sich zwischen ihr und dem Opfer ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Zu dieser Zeit habe sich ihr auch das Opfer anvertraut und von den Übergriffen erzählt. Backmann bestätigte gegenüber dem Gericht, ihre Kollegin aus dem Luckaer Rathaus habe ihr von einem Vorfall im Haus des Opfers erzählt. "Ich habe ihr geraten, sie soll das ihrem Mann erzählen und sich Hilfe suchen", so Backmann.

Eine Form der Hilfe leistete Backmann. Regelmäßig habe sie das Opfer an ihrem Arbeitsplatz in der Bücherei besucht, um ihr bei einem wiederholten Übergriff durch Kretzschmar zur Seite zu stehen. Und tatsächlich eines Tages kam er und bedrängte die Frau. Backmann sei dann aus dem Hinterzimmer gekommen und habe gerufen: "Was ist denn hier los!" Backmann sei so Augenzeuge geworden, wie Kretzschmar das Opfer am Arm hielt. Daraufhin habe Kretzschmar die Flucht ergriffen.

Wozu der Besuch in der Bücherei diente, wollte der Staatsanwalt wissen. Ohne eine Anzeige in der Folge habe dies doch keinen Sinn gemacht. Backmann antwortete: Sie hätten den damaligen Bürgermeister informiert. Konsequenzen habe es aber keine gegeben.

Im Anschluss befragte die Verteidigerin von Kretzschmar die Zeugin. Strategie war es offensichtlich, Wiedersprüche in Backmanns Aussage zu finden und eine politisch motivierte Kampagne zu belegen. Vor allem die große Zeitspanne zwischen den Taten und der Anzeige auf der einen Seite und die zeitliche Nähe zu politischen Auseinandersetzungen zwischen Backmann und Kretzschmar auf der anderen hinterfragte die Rechtsanwältin. Inwieweit das aufgeht, wird sich am nächsten Verhandlungstag am 30. März zeigen. Bis dahin vertagte das Gericht die Verhandlung. Jörg Reuter

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