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Altenburg Politische Parallelen im Altenburger Heizhaus
Region Altenburg Politische Parallelen im Altenburger Heizhaus
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00:37 19.04.2018
Möchtegern im feinen Zwirn: Johannes Emmrich überzeugte mit der Kandidatenrede eines nur leidlich kompetenten Politikers. Quelle: Foto: Mario Jahn
Altenburg

Schauspieler und Kabarettisten sind zwei unterschiedliche Berufsgruppen. Das schließt nicht aus, dass es gute Kabarettisten gibt, die ebenso gute Schauspieler sind, und gute Schauspieler mit sehr guten kabarettistischen Fähigkeiten. Von diesen müssen sich viele im Schauspielensemble von Theater&Philharmonie Thüringen zusammengefunden haben, wie eine Veranstaltung am vergangenen Freitagabend im Altenburger Heizhaus bewies.

Passendes Wahlprogramm

Innerhalb der neu geschaffenen Reihe „Kabarett der Komödianten“ hatte Schauspieldirektor Manuel Kressin ein Programm unter dem Titel „Der Rummelplatz des kleinen Mannes“ mit Texten aus der Zeit der Weimarer Republik zusammengestellt und es als Wahlprogramm zwei Tage vor der hiesigen Kommunalwahl passend platziert. Es fand großes Interesse beim Publikum und versetzte dieses am Ende der Veranstaltung in einen wahren Begeisterungsrausch, der leider durch keine Zugabe oder Wiederholung belohnt wurde.

Guter Nährboden

Gesellschaftliche Umbrüche schaffen immer einen guten Nährboden für die Kleinkunst und dabei besonders für das Kabarett. Das war deutlich nach dem Ersten Weltkrieg bis 1933 zu erleben und hat sich bis heute fortgesetzt.

Zur kulturellen Blüte in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gehörte eine vielgestaltige Kleinkunst mit Varieté, Kabarett und Revuen, die politisch stark geprägt war durch Autoren wie Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Erich Weinert, Bertolt Brecht und viele andere.

Kein bisschen angestaubt

Und wer von den Zuschauern intensiv und genau zuhörte, merkte bald, dass das Programm nicht zeithistorisch fern lag, sondern teilweise modern wirkte – wie für heute geschrieben. Das betrifft sowohl die gesprochenen Texte wie auch die Lieder und Couplets, die fast gleichwertig vertreten waren. Nolundi Tschudi setzte den ersten Glanzpunkt mit ihrem Programmeinstieg „Dressur“ von Walter Mehring und Friedrich Hollaender, Johannes Emmrich den zweiten mit einer Kandidatenrede eines Möchtegern-Politikers, was sich inhaltlich trotz vieler Worte und Formulierungen in der inhaltlosen „unpolitischen Käsrede“ von Karl Valentin, interpretiert von Alexandra Sagurna, wiederholte und die mit dem Koalitionslied von Erich Weinert an die heutige Große Koalition erinnerte.

Kasper trifft auf Hakenkreuz

Die Chansonette vom Dienst, Mechthild Scrobanita, assoziierte mit dem Lied „An allem sind die Juden schuld“ von Friedrich Hollaender, dass die meisten der im Programm vertretenen Texter und Komponisten Juden waren und 1933 ins Ausland fliehen mussten oder in KZs gebracht wurden.

Max Hansen drohte die Verhaftung durch die Nazis wegen des Liedes „War`n Sie schon mal in mich verliebt“, in dem er die vermutete Homosexualität Hitlers thematisierte, wie Hellmuth Krüger in seinem Gedicht „Wenn ich wüsste, was der Hitler...“ auch und die mit Robin Goller und Johannes Emmrich überzeugende Interpreten fanden.

Eine besondere Note brachte Marcella von Jan vom Puppenspielensemble in das Programm, indem sie die kleine Kasperlefigur das „Telephongespräch mit Klande“ von Wilhelm Bendow sprechen ließ, während es sich eines Hakenkreuzes erwehren musste.

Vollrausch und Sehnsuchtslied

Schauspielchef Manuel Kressin hatte sich einen der bekanntesten Texte Kurt Tucholskys angenommen, in dem sich der Besitzer eines kleinen Gemüseladens auf einen Rundgang durch die Wahlveranstaltungen aller Parteien begibt, diese charakterisiert und auf jeder mit einem alkoholischen Getränk abgefüllt wird, wodurch er besoffen zu Hause ankommt.

Diese dankbare Rolle eines „leicht besoffenen älteren Herrn“ gab Manuel Kressin wie viele andere vor ihm mit kabarettistischer Meisterschaft. Er charakterisierte die einzelnen Parteien und hat „staatspolitische Einsichten gewonnen“, wie das Publikum sicher auch. Musikalischer Chef war, wie konnte es auch anders sein, wieder einmal Olav Kröger, der die singenden Schauspielerinnen und Schauspieler sicher begleitete.

Das Programm endete sehr besinnlich mit einem bekannten Lied von Gilbert/Heymann und publik geworden durch die Comedian Harmonists „Irgendwo auf der Welt gibt`s ein kleines bisschen Glück...“, das Sehnsuchtslied der damaligen einfachen Menschen, sehr stimmig und natürlich-ungekünstelt vorgetragen von allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern. Danach nur pure Begeisterung.

Von Manfred Hainich

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