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Polizei und Rathauschef nehmen Crystal-Schriftzug gelassen

Polizei und Rathauschef nehmen Crystal-Schriftzug gelassen

Weder Polizei-Chef Andreas Pöhler noch Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) haben ein Problem mit dem von Graffiti-Künstler Ralf Hecht an die Rote Zora gesprühten Schriftzug "Crystal City Altenburg" (die OVZ berichtete).

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Bunt und provozierend: Der circa fünf Meter lange Schriftzug am Ex-Jugendzentrum "Rote Zora".

Quelle: Mario Jahn

"Das fällt für mich unter Meinungsfreiheit", sagte Pöhler nun auf Nachfrage. "Der Künstler hat damit Anstoß zur Diskussion geben wollen, was ich auch so sehe." Weil sich die Wand als für Graffiti freigegebene Fläche entpuppt habe, werde man zudem das gegen Hecht eingeleitete Verfahren wegen Sachbeschädigung einstellen.

 

Auch der Rathaus-Chef reagierte entspannt auf den bunten Vorstoß. "Ich sehe das gelassen", erklärte Wolf. "Wir haben die Wand bewusst für Graffiti freigegeben, weil es Teil eines Präventionsprogramms ist, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben." Ihm sei wichtiger zu schauen, was da dran sei. "Wenn das gegen das Gesetz verstößt, müsste man handeln, aber solange es das nicht tut, habe ich kein Problem."

 

Einen Schaden sieht er für Altenburg durch den Slogan nicht. "Die Stadt würde mehr Schaden erleiden, wenn wir unsere Bemühungen, die Crystal-Problematik und die Beschaffungskriminalität einzudämmen, nicht fortsetzen würden", so der OB weiter. Dafür brauche er aber keinen Schriftzug. "Mich provoziert er auch nicht, weil ich kein schlechtes Gewissen habe. Denn ich habe schon in meiner Neujahrsrede 2014 auf das Problem hingewiesen."

 

Den Vorwurf von betroffenen Jugendlichen und deren Eltern, dass es in Altenburg zu wenig Angebote und wenn, dann nur sportliche gebe, wies er zurück: "Es gibt in der Debatte eine interessante Aussage von Jörg Burkhardt, der ich mich anschließe." Der frühere stellvertretende Kreisvorsitzende der Piratenpartei hatte bei Facebook einem anderen User auf den Einwurf des Sparzwangs als Ursache entgegnet: "Allerdings kann man das nicht dafür verantwortlich machen, dass man zu Drogen greift. Berlin und Leipzig usw. bieten kulturell mehr, aber da gibt es das Drogenproblem auch."

 

Noch entschiedener wiesen Wolf und Landrätin Michaele Sojka (Linke) den in der Debatte immer wieder auftauchenden Vorwurf von Eltern zurück, das Drogenproblem durch die Kürzung der Budgets für Jugend- und Sozialarbeit noch verschärft und sich dadurch mitschuldig gemacht zu haben. "Wir haben nicht gekürzt, zumindest nicht während meiner Amtszeit", erklärte Sojka und verwies auf die 37 000 Euro im Jugendhilfeetat. "Der Landkreis nimmt die Aufgabe im Rahmen der Drittel-Finanzierung von Bund, Land und Kommunen wahr."

 

Dem pflichtete Wolf für die Jugendklubs East Side und Abstellgleis bei. "Auch wenn ich zugeben muss, dass wir bei der Roten Zora mit der Änderung zur aufsuchenden Jugendarbeit einen neuen Weg beschritten haben", sagte Altenburgs OB. "Ich denke aber, dass wir die Jugendlichen, die uns verloren gegangen sind, so besser erreichen als vorher. Insofern ist das ein Fortschritt in die richtige Richtung."

 

Die Stadt hatte sich von dem Jugendklub Rote Zora vor knapp zwei Jahren verabschiedet, weil sie die für den Brandschutz nötige Sanierung nicht finanzieren konnte (die OVZ berichtete). Seitdem befinden sich in dem Gebäude in der Geschwister-Scholl-Straße das Büro der mobilen Jugendarbeit, ein Café und ein Proberaum.

Thomas Haegeler

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