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Altenburg Postfiliale geht ohne Abschiedsgruß und verärgert Bürger
Region Altenburg Postfiliale geht ohne Abschiedsgruß und verärgert Bürger
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20:47 07.01.2015
Seit Ende Dezember geschlossen. Die Postfiliale an der Alten Ziegelei. Quelle: Mario Jahn

"Klammheimlich und ersatzlos" - so empfinden es die Bewohner des Südostens - wurde ihnen die beliebte Annahme- sowie Ausgabestelle für Briefe und Pakete genommen. Und traf so manchen Stammgast völlig unerwartet.

Holger Maerz hatte die Postagentur als Subunternehmer betrieben. Noch gar nicht lange war die Filiale in die Räumlichkeiten der Käthe-Kollwitz-Straße 61 eingezogen, schon musste sie dicht machen. Im November war seine Filiale im Einzelhandelsgeschäft "Dies&Das" gezwungen, die Post nunmehr halbtags zu öffnen. Das Personal fehlte, weil Maerz einer Mitarbeiterin gekündigt hatte. Ende Dezember ging dann auch die letzte Angestellte von Bord. "Ich habe aus wirtschaftlichen sowie gesundheitlichen Gründen die Postagentur aufgeben müssen", begründet Maerz seine Entscheidung. Der Fliesenleger betreibt seine Baufirma aber nach wie vor. Als der Subunternehmer im April aus der Presse erfuhr, dass die Regierung den flächendeckenden Mindestlohn beschlossen hatte, suchte er die finanzielle Unterstützung der Deutschen Post. Diese sei aber nicht bereit gewesen, ihm mehr Provisionen für bisherige Bankgeschäfte zu entlohnen, sagt Maerz So sah sich der Fliesenlegermeister auf den Mehrkosten alleine sitzen geblieben und kündigte den Mietvertrag in der Ziegelei.

Für die bisherigen Postkunden ist es ein gehöriger Schreck. Von der Schließung sind insbesondere Einwohner des Stadtteils Südost, aber auch zahlreiche Laufkundschaft von Arztpraxen, verschiedener Reisebüros, Geschäfte und Handelseinrichtungen betroffen. Auch die Besucher des Fitnessstudios nutzten die Gelegenheit, Postgeschäfte auf dem selben Areal nach oder vor dem Training zu erledigen.

"Ein schmerzlicher Einschnitt", findet Stammbesucher Peter Niepelt. Es sei derzeit das Aufreger-Thema Nummer eins im Bekanntenkreis. "Das Postpersonal war dort immer überaus freundlich. Die Lage war für uns Anwohner einfach sehr praktisch. Ich konnte die Post in Fußnähe erledigen." Nun sei er gezwungen, bei komplexeren Anliegen den Weg bergab zur innerstädtischen Hauptfiliale in der Kanalstraße 16 zurückzulegen. Die Fahrt mit dem Auto dorthin lohne sich nämlich nicht, so Niepelt, denn Parkplätze seien dort erstens Mangelware und zweitens mit Kosten verbunden. "Wer löst schon einen Parkschein, um nur kurz etwas aufzugeben?", fragt sich der Rentner. Manches Mal dauere es auch eine halbe Ewigkeit, wenn an der langen Schlange angestanden werden muss, um endlich bedient zu werden. Man könne also nie abwägen, ob es sich lohnt, keinen Parkschein zu lösen oder Gefahr zu laufen, vom Ordnungsamt ein Knöllchen wegen Schwarzparkens zu kassieren.

Maerz kann die Aufregung um die Postschließung nicht ganz verstehen. In 280 Metern Entfernung befindet sich ebenfalls eine Postfiliale, im Tabakgeschäft "Tabacon" in der Käthe-Kollwitz-Straße 43. Allerdings werden dort nur Briefmarken verkauft, Einschreiben entgegengenommen sowie Pakete und Päckchen aufgegeben. Für Infopost und Bankgeschäfte seien die Mitarbeiter der Filiale nicht befugt, so eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte. Auch Päckchen können dort nicht abgeholt werden.

Die Post habe die Schließung der Filiale in der Alten Ziegelei aber nicht an die große Glocke gehängt. Aufmerksam sei Tabacon erst durch die Resonanz der Kunden und höheren Arbeitsfrequenz geworden. Kunden von der Ziegelei wechselten nun teilweise zu Tabacon, die deswegen sogar einen neuen Mitarbeiter einstellen mussten.

Der DHL-Paketshop über dem Dänischen Bettenlager in der Käthe-Kollwitz-Straße 68 kann ebenfalls nicht als Ersatz dienen. In dem von der ehemaligen Postfiliale 150 Meter entfernten Laden können nur Pakete aufgegeben werden. Briefmarken sind dort nicht erhältlich.Postkunden der Alten Ziegelei müssen also erst einmal in den sauren Apfel beißen und abwarten, denn weder die Post noch Maerz werden in naher Zukunft eine neue Filale im Südosten einrichten. Vielen Bürgern bleibt damit nichts anderes übrig, als die Hauptfiliale in der Kanalstraße aufzusuchen und heimwärts mit dem Päckchen den Berg hinauf zu laufen. Nur der gelbe Briefkasten in der Kollwitz-Straße ist zurück geblieben.

Melanie Steitz

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