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Preisverfall bedroht Existenzen in der Landwirtschaft

Kreisbauernverband Altenburger Land Preisverfall bedroht Existenzen in der Landwirtschaft

„Das Maß ist voll – so kann die Gesellschaft nicht mit uns Landwirten umgehen!“, regt sich Berndt Apel, Chef des Kreisbauernverbandes Altenburger Land, auf. Denn die Landwirte müssen nicht nur mit rapide gesunkenen Erzeugerpreisen fertig werden, sondern die Thüringer Landesregierung plant zudem für das nächste Jahr einen Filtererlass.

In der Kriebitzscher Agrargenossenschaft hat man den Schweinebestand schon reduziert.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. „Das Maß ist voll – so kann die Gesellschaft nicht mit uns Landwirten umgehen!“, regt sich Berndt Apel, Chef des Kreisbauernverbandes, auf. Denn die Ferkelaufzuchtbetriebe, Schweinemäster und Milchbauern des Altenburger Landes mussten seinen Aussagen zufolge in diesem Jahr nicht nur mit rapide gesunkenen Erzeugerpreisen fertig werden, sondern auch die Aussichten für 2016 seien nicht berauschend. Zusätzlich zum Preisverfall bereitet besonders der Filtererlass, an dem im Thüringer Umweltministerium zurzeit gearbeitet wird, den Bauern Sorgen.

Der Erlass sieht vor, dass alle Schweine- und Geflügelhaltungsanlagen, die entsprechend ihrer Größe nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigungspflichtig sind, verpflichtend Filter gegen eine Geruchsbelästigung einbauen. Die Vorschrift bezieht sich vor allem auf Neu- und größere Umbauten. Für bereits bestehende Anlagen soll es Einzelfallprüfungen geben, auf deren Grundlage über den nachträglichen Einbau entschieden wird.

Rund 100 Betriebe in ganz Thüringen, vor allem Schweinehalter, sind laut Thüringens Bauernverband von der Regelung betroffen. 150 Millionen Euro müssten investiert werden. Die Hälfte der Betriebe signalisiert, sie würden die Ställe schließen. Auch Volker Sievers, Chef der Agrargenossenschaft Jückelberg, sagt: „Das können wir uns derzeit finanziell nicht leisten.“ Schon jetzt würden die Kosten für die Aufzucht eines Schweins bei dem Unternehmen, das 3000 Mastschweine in seinen Ställen hat, den Preis, der durch den Verkauf erzielt wird, übersteigen. „Für eine Mastsau erhalten wir derzeit etwa 120 Euro. Die Kosten für die Aufzucht aber liegen schon 20 Euro darüber“, rechnet Sievers vor.

Apel ergänzt, dass man als Bauer der Willkür von Lebensmitteleinzelhandel und Ernährungswirtschaft schutzlos ausgeliefert sei. „Die diktieren uns die Preise. Die Geprellten sind wir.“ Das Preisrisiko und damit auch die Verluste würden die Milch- und Fleischerzeuger tragen. Das Jückelberger Unternehmen, das rund 1000 Tonnen Schweinefleisch pro Jahr produziert, denkt deshalb auch daran, die Bestände zu reduzieren oder die Anlage zu schließen. Denn auch die Milchviehhaltung könne keinen Ausgleich bieten: Allein in den vergangenen 12 Monaten ist der Milchpreis um 30 Prozent gesunken. „Für 25 bis 27 Cent pro Liter lässt sich nicht mehr kostendeckend produzieren“, so Sievers.

Ähnliche Probleme plagen derzeit noch eine ganze Reihe anderer Milch- und Fleischproduzenten im Altenburger Land. In der Kriebitzscher Agrargenossenschaft etwa hat man den Schweinebestand bereits reduziert. Statt 6000 stehen jetzt 4500 Tiere in den Ställen. Doch sollte der Filtererlass greifen, sehe man sich auch in Kriebitzsch zur Aufgabe der Schweinemast gezwungen, sagt Kerstin Fröhlich, Chefin der Agrargenossenschaft. In der Agrargenossenschaft Altenburger Land indes ist man bereits diesen Schritt laut einer Pressemitteilung des Kreisbauernverbandes bereits gegangen. Die Schweinemastanlage in Kleintauschwitz ist verkauft.

Insgesamt fühle man sich von der Politik im Stich gelassen – sowohl, was den Preisverfall betrifft, als auch, wenn es um die gesetzlichen Auflagen geht, so der Kreisbauernchef. Der Grundsatz „Genial regional“, der Slogan für eine verbrauchernahe Produktion, werde damit ad absurdum geführt, sagt Apel.

Von Gunter Auer und Jenifer Hochhaus

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