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Altenburg Premiere im Landestheater: Das Stück "Kunst" ist eine originelle Sozialstudie
Region Altenburg Premiere im Landestheater: Das Stück "Kunst" ist eine originelle Sozialstudie
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17:13 19.10.2012
Das weiße Bild gibt den Anlass für die Diskussion: Manuel Kressin als Marc, Henning Bäcker als Serge und Jochen Paletschek in der Rolle des Yvan streiten sich in der Inszenierung "Kunst" vortrefflich. Quelle: Stephan Walzl

Von Tatjana Böhme-Mehner

Sie sind Freunde seit Kindertagen. Das verraten die originellen Fotocollagen, die am Anfang auf die weiße Wohnzimmerwand projiziert werden. Und sie sind Franzosen. Typische Vertreter der Spezies Mensch. Sogenannte soziale Wesen. Serge, Marc und Yvan sind nicht mehr ganz junge Männer und zumindest im Leben so weit gekommen, dass sich Serge für 200 000 Francs ein weißes Bild kaufen kann. Ein Bild, das weiß auf weiß gemalt ist und von einem angesagten Künstler stammt. Ein Bild, das nicht jeder auf den ersten Blick als Kunstwerk identifizieren würde. Ist das nun Kunst? Ganz am Rande stellt sich auch diese Frage in Yasmina Rezas Komödie.

Doch in dem Stück geht es um mehr. Der Kauf ist nur der Anlass für einen tüchtigen Krach unter den Freunden, für den Beinahe-Bruch. Aber auch der Anlass für gut eineinhalb Stunden überaus vergnügliches Theater. Turbulent und geistvoll ist die originelle Sozialstudie, die Anne Kessler in ihrem Regiedebüt auf die Bühne des Landestheaters Altenburg bringt. Dass Rezas Stück 18 Jahre auf dem Buckel hat, hält man nur für möglich, weil die Preisangabe in Francs statt in Euro erfolgt. Ansonsten ist die Inszenierung eine aktuelle Komödie, die Fragen der Zeit behandelt.

Es geht um Freundschaft, um die Absurditäten menschlicher Beziehung und um Kommunikation. Henning Bäcker, Manuel Kressin und Jochen Paletschek verleihen Serge, Marc und Yvan ihre Individualität. Diese zeigt sich auch in den Wohnzimmern der drei: Gleiches Mobiliar, verschiedene Bilder, ganz verschieden auf dem Spielpodest angeordnet - das ist nicht nur eine zweckmäßige Bühnenbildlösung, sondern auch eine vielsagende. Denn in den Kunstwerken spiegeln sich die Persönlichkeiten der Freunde.

Und deshalb lässt sie ja auch ausgerechnet das weiße Bild ihr Innerstes nach außen stülpen, sich in unterschiedlichsten Konstellationen angiften und provozieren. Keine derbe Komödie, sondern ein geistvolles Spiel mit Details ist es, das die Lachmuskeln aufs Äußerste strapaziert und doch zum Nachdenken anregt - über Freundschaft, Toleranz, Abhängigkeiten.

Ob man Marc und Serge eher als Prinzipienreiter oder Idealisten verstehen will, hängt von der Perspektive ab - und davon lebt dieses Stück. Als Zuschauer mag man die drei Freunde gleichermaßen, und deshalb sind die Schlagabtausche zwischen ihnen auch immer witzig. Und weil drei grandiose Mimen miteinander interagieren, ist diese Freude absolut uneingeschränkt.

Intelligent und unaufdringlich entwickeln Kessler und ihre Ausstatterin Hannah Hamburger Beziehungen hinter dem Offensichtlichen, Symbolhaftes jenseits der vordergründig witzigen Handlung - weil das Innerste sich auch im Äußeren wiederfindet. Die Inszenierung ist vor allem eins: eine sehr gut gemachte Komödie, wie man sie sich erträumt. Es ist schon ein richtig gutes Gefühl, einfach nur vergnügt das Theater zu verlassen.

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