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Premiere von „Freischütz“ in Altenburg: Zumindest die Musik traf ins Schwarze

Landestheater Premiere von „Freischütz“ in Altenburg: Zumindest die Musik traf ins Schwarze

Altenburg hat wieder einmal seinen „Freischütz“. Die Erwartung war groß, das Ergebnis der Premiere am Sonntagabend im Landestheater zwiespältig. Neben einer großartigen musikalischen Wiedergabe der Oper steht eine szenisch uninspirierte Realisierung mit nicht erklärbaren Einzelheiten. Wieder wurde deutlich: Die Leistungsfähigkeit des Ensembles vom Orchester über den Chor bis zu den Sängerinnen und Sängern ist hervorragend und machte in den letzten Jahren jede Aufführung zu künstlerischen Ereignissen.

Musikalisch gelungene Premiere im Landestheater Altenburg: Hans-Georg Priese als Max (vorn r.) und Kai Wefer als Kaspar in der Oper „Der Freischütz“.

Quelle: Sabina Sabovic

Altenburg. Altenburg hat wieder einmal seinen „Freischütz“. Die Erwartung war groß, das Ergebnis der Premiere am Sonntagabend im Landestheater zwiespältig. Neben einer großartigen musikalischen Wiedergabe der Oper steht eine szenisch uninspirierte Realisierung mit nicht erklärbaren Einzelheiten.

Wieder wurde deutlich: Die Leistungsfähigkeit des Ensembles vom Orchester über den Chor bis zu den Sängerinnen und Sängern ist hervorragend und machte in den letzten Jahren jede Aufführung zu künstlerischen Ereignissen. Das ist musikalisch gesehen der aktuelle „Freischütz“ auch. Er schafft eine musik- und stimmgewaltige Aufführung, die zu der alten Theaterthese führen könnte: Das Musikalische ist das Wahre, das andere ist nur drum herum. Und musikalisch stimmte eben alles, da gab es keinen Ausfall. Das Orchester unter Leitung seines Chefs Laurent Wagner zeigte zwischen klanglicher Dämonie und akustisch kaum Wahrnehmbarem alles, was an romantischer Musik möglich ist. Überraschend sind seine langsamen Tempi in der Ouvertüre. Die Horngruppe hätte festlegen können: Wer patzt, zahlt – es wäre kein Cent in die Kasse gekommen, nichts bei der Ouvertüre, nichts beim Jägerchor. Der bei den Männern etwas verstärkte Chor wirkt kräftig und klangschön wie immer unter Leitung von Holger Krause.

Agathe, die zentrale, wenn auch dramatisch wenig aktive Figur, ist auf völlig passives Verhalten reduziert und wird präsent durch die immer besser werdende Gesangskunst der Anne Preuß, die mit satten Piani glänzt. Wieder eine Partie mehr in ihrer umfangreichen Palette großer Frauengestalten in der Oper.

 

Hinreißend gestaltet Akiho Tsujii das Ännchen, Johannes Beck den Erbförster Kuno mit Schöngesang, mit sonorem Bass Magnus Piontek den Samiel und den Eremiten in einer Doppelrolle und als einziger Gast (Opernstudio) Chao Deng den Fürst Ottokar mit einem satten Bass. Alexander Voigt gibt den schießsicheren Bauern Kilian, und der reduzierte Jungfernchor wird voll ausgesungen von Annik Vettraino, Kathrin Rieger-Koeck, Claudia Müller und Ji-Young Im.

Der österreichische Regisseur Bruno Berger-Gorski (im Interview in der Sonnabendausgabe der OVZ irrtümlich als Dramaturg bezeichnet) nutzt neben Webers Oper die Erzählung „Der Freischütz“ Szenen aus dem „Gespensterbuch“, einer ab 1811 erschienenen Gruselgeschichten-Anthologie, die einen Kriminalfall schildert von einem Schreiber Wilhelm aus dem Ort Lindenhayn bei Leipzig, der seine Braut bei einem Probeschuss tötet.

Damit schafft der Regisseur eine Nebenhandlung in einer Zelle, in der der Schreiber diese mit Bild und Schrift aufarbeitet und als Max je nach Notwendigkeit in die Bühnenhandlung eingreift. Das ist eigentlich überflüssig, zumal diese Zelle in die rechte untere Seitenloge verlegt ist, die von der Hälfte des Publikums überhaupt nicht eingesehen werden kann. Am Ende wird der des Wahnsinns Verfallene in eine Zwangsweste gepresst. Diese Zweithandlung belastet die Bühnenhandlung zusätzlich. Am Ende kommt es bei der Vorstellung des Regisseurs zu zaghaften Buh-Rufen, auch wegen der Kostümierung der Agathe, die wie eine Königin singt und unpassend wie eine billige Dorfpomeranze bekleidet ist. Sie wird vom Ännchen immerzu mit einer großen Wasserpfeife attackiert. Der Sinn erschließt sich eigentlich nicht. Am Anfang der Oper wurde rechts hinten eine Fahne sichtbar, die einer ähnelt, die man bei Pegida-Demonstrationen in Dresden ausmachen konnte. Sollte nun diese Wasserpfeife der islamische Ausgleich dafür auf der Bühne sein?

Wenn es den „Freischütz“ gibt, folgt die Frage nach der Gestaltung der Wolfsschlucht-Szene. Die ist gelungen. Knut Hetzer vermittelt durch Bühnenbild und Projektion den schaurigen Eindruck des Unheimlichen, während Kai Wefer seinem Teufelswerk des Kugelgießens frönt.

Es gibt weitere überzeugende Momente, die ahnen lassen, wie die Inszenierung hätte sein können: Der Jägerchor im Kreis und darin Agathe als weiße Taube lichtdurchflutet. Das erwärmte in der ansonsten das Publikum kühl lassenden Aufführung mit vermindertem Beifall.

Die OVZ verlost für die Freischütz-Vorstellung am Sonntag, 29. Mai, 18 Uhr im Theater Altenburg, 5 x 2 Tickets. Wer dabei sein will, muss heute zwischen 14 Uhr und 14.15 Uhr unter 03447/574917 anrufen und Glück haben.

Von Manfred Hainich

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