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Priefel – das „Ein-Gut-Dorf“ des Altenburger Landes

Dorfporträt Priefel – das „Ein-Gut-Dorf“ des Altenburger Landes

Lediglich sechs Einwohner sind im Nobitzer Ortsteil Priefel zu Hause. Bekannt ist das Dorf vor allem für einen im 19. Jahrhundert zum Gut ausgebauten Bauernhof. In dem war zu DDR-Zeiten unter anderem ein Lehrlingswohnheim. Nach der Wende wurde es saniert und modernisiert. Seit neun Jahren hat darin der Fleischer Holger Schulze seinen Betrieb und einen Hofladen.

Ein Plausch am Gartenzaun gehört für Holger Schulze und Maria Köhler zum Leben im Dorf.

Quelle: Mario Jahn

Priefel. Vorbei an angenehm duftenden Feldern und romantischen Inseln der Wildnis über schmale Landstraßen fährt, wer nach Priefel will. Dort angekommen, zeugt ein moderner Traktor neben einem der sechs Häuser des dörflichen Idylls davon, dass hier die Zeit nicht stillsteht. Auch wenn Blickfang und Aushängeschild des Nobitzer Ortsteils das beeindruckende, an ein herrschaftliches Anwesen erinnernde Gut Priefel ist. Seit neun Jahren betreibt hier Holger Schulze eine Fleischerei samt Hofladen, weshalb Kunden aus der ganzen Region regelmäßig nach Priefel kommen.

Das auffällige Gut spiegelt mit seinen Türmchen und Verzierungen den Geschmack des Nähmaschinenfabrikaten Leopold Oskar Dietrich wider. Der wohlhabende Städter kaufte 1895 in Priefel einen typischen Vierseithof und baute ihn dann um und aus. Damit verhalf der Altenburger Industrielle dem Anwesen zu seinem pompösen rittergutähnlichen Erscheinungsbild. Die folgenden Besitzer, die Familie des Kammerherrn Hermann von Bloedau, erwarben dazu noch große Ländereien. In der Ortschronik ist vermerkt: „1934 gab es neben dem Besitz der von Bloedaus nur noch zwei Häuser.“

Seitdem bestehe Priefel praktisch nur aus dem einen Gut, meint Schulze bei einer Runde durchs Dorf und grüßt Nachbarin Maria Köhler. Sie folgte schon 1981 ihrer Liebe nach Priefel. „Was denken Sie, was hier zu DDR-Zeiten los war“, erinnert sich Maria Köhler und hält für ein Plausch über den Gartenzaun kurz inne. Nach Kriegsende wurde der große Besitz aus einer Hand schnell zu einem der ersten volkseigenen Güter. 1952 entstand darin zudem eine Lehrlingsunterkunft mit 40 Plätzen.

Die jungen Leute im Wohnheim, der Publikumsverkehr des Konsums im Gut, die Arbeiter aus dem Schweine- und Kuhstall – ja, damals sei viel Leben im Dorf gewesen, denkt Köhler zurück. Heute sei es deutlich ruhiger, was die Postzustellerin als sehr angenehm empfindet. Für sie gebe es in Priefel auch nur einen negativen Aspekt. „Ohne Auto bist du hier aufgeschmissen“, räumt sie ehrlich ein.

Nun – eine kleine Einkaufsmöglichkeit, sprich den Hofladen von Holger Schulze, der zweimal in der Woche geöffnet hat, gibt es immerhin. 2008 zog Schulze mit seinem Betrieb ins Gut Priefel um. Dieses hatte in den 90er-Jahren Fritz Sperber aufwendig saniert und für eine moderne Nutzung fit gemacht. In den historischen Mauern sollte – ganz modern – naturnahe Landwirtschaft mit Direktvermarktung und ein wenig Gastronomie für Feste und Veranstaltungen entstehen. Aber der Franke kam wirtschaftlich nicht richtig auf die Füße (die OVZ berichtete).

Derweil suchte Schulze einen neuen Standort für die Fleischerei. In der Meißnerstraße in Altenburg betrieben Schulzes seit Generationen die Familienmetzgerei. „Doch mitten im Wohngebiet hatte diese keine Zukunft“, erklärt Holger Schulze.

Er hörte dann zufällig, dass für Priefel ein Mieter gesucht wird, und griff natürlich zu. „Ich habe hier eine fertige Produktionsstätte vorgefunden“, erinnert er sich. In dem ausgebauten Gebäudekomplex gab es bereits den Hofladen, auch die Räume für die Fleischerei waren vorhanden, und die Veranstaltungssäle vom ersten Tage an einsatzbereit. Gerade ist Schulze dabei, gemeinsam mit seinen Söhnen die Fleischerei auf 100 Prozent Produktionstiefe auszurichten. „Das heißt, wir wollen die Tiere selbst züchten und halten, aus denen wir später Wurst und Fleisch herstellen“, erklärt der Metzger und fügt an, in den kommenden Jahren soll zudem alles auf Bio umgestellt werden.

Um die Herde Simmentaler Fleckvieh kümmert sich Sohn Max Schulze in Priefel. Für die Schweine haben sie einen Exklusiv-Vertrag mit einem Landwirt in der Nähe. Eine Tonne Fleisch – halb Schwein, halb Rind – verarbeitet die moderne Fleischerei im alten Gut Priefel, rechnen Vater und Sohn bei einer Tasse Kaffee zum Feierabend im Innenhof vor. Hier sitzen im übrigen nicht nur Gäste, die sich für Feiern und Feste einmieten, hier treffen sich auch jeden Tag die Generationen der Familie, so Schulze. Das Gut ist für sie zur eigentlichen Heimat geworden. „Wir wohnen zwar in Altenburg, aber wir leben in Priefel“, sagt Sohn Max Schulze, der wie sein Bruder hier erwachsen geworden ist. „Es ist aber auch schön“, schwärmt Holger Schulze und zeigt den alten Wasserturm hinter dem Gehöft.

Neben den drei Generationen Schulze, die sich in Priefel heimisch fühlen, obwohl sie Altenburger sind, hat das Dorf sechs Einwohner. Viel Dorfleben und große Action gebe es da naturgemäß nicht, gibt Max Schulze zu. „Aber mir und uns fehlt es hier an nichts“, betont der 24-Jährige. Die Familie sei mit den Leuten im Dorf gut bekannt und er mit manchen zudem eng befreundet, erzählt Max Schulze weiter. Was nach fast zehn Jahren auch ganz normal sei, so Vater Holger, wenn man sich regelmäßig über den Weg läuft und am Gartenzaun oder im Hofladen stets die Neuigkeiten austauscht.

Von Jörg Reuter

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