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Altenburg Prozess gegen Altenburger Dealer offenbart Polizei-Panne bei Zugriff
Region Altenburg Prozess gegen Altenburger Dealer offenbart Polizei-Panne bei Zugriff
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19:35 27.04.2017
Der Angeklagte Stev K. bespricht sich vor der Verhandlung mit seiner Verteidigerin Astrid Koch. Quelle: Archiv
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Gera/Altenburg

Der Polizei ist offenbar ein lange gesuchter Drogen-Dealer während eines Zugriffs im August in Altenburg durch die Lappen gegangen. Das wurde während des Prozesses gegen Stev K. in dieser Woche vor dem Landgericht Gera deutlich, der sich wegen Besitzes und Handels von über einem Kilogramm Crystals verantworten muss.

Sven K. war in eine Falle des Landeskriminalamtes (LKA) getappt, die dem Dealer aus Borna zunächst 90 Gramm der synthetischen Droge und Tage darauf noch einmal 417 Gramm abkaufte (OVZ berichtete). Beim dritten Treffen, wiederum auf dem Parkplatz des Penny-Marktes unweit des Marstalls in Altenburg, nahm das LKA Stev. K. fest. An jenem 29. August 2016 sollte ein Kilo Crystal den Besitzer wechseln, für 29 000 Euro, ehe die Handschellen klickten. Tatsächlich hatte der Dealer zunächst nur 650 Gramm dabei. Die restliche Menge wollte er noch innerhalb der nächsten halben Stunde beschaffen. Dazu kam es aber nicht mehr.

Der 38-Jährige gestand während des zweiten Verhandlungstages die Vorwürfe. Dies kürzt die Beweisaufnahme ab und könnte ihn vor einer längeren Haftstrafe verschonen, die er ohne sein Geständnis erwartet hätte. Vor und während des zweiten Verhandlungstages verständigten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung darauf, dass Stev. K. nur zwischen vier und maximal vier Jahren und acht Monaten ins Gefängnis muss, sollten sich seine Angaben zu den Tatvorwürfen bestätigen.

Das LKA war mittels Observation und Telefonüberwachung auf Stev. K. aufmerksam geworden und hatte über zwei verdeckte Ermittler Kontakt zu ihm aufnehmen können. Ihr Agentennamen lauten Janine und Tom, wobei zumindest die weibliche LKA-Mitarbeiterin als Zeugin die Drogenankäufe von Stev. K. aus erster Hand vor Gericht noch schildern könnte, freilich nicht unter ihrem wirklichen Namen. Den Mann will das LKA nicht in der Öffentlichkeit reden lassen, um ihn zu schützen, wie ein LKA-Beamter in Gera aussagte.

Seine Aussage wäre wichtig gewesen, denn die Polizei-Aktion am 29. August wirft einige Fragen auf. Denn Stev K. ist trotz der erheblichen Drogen-Mengen, mit denen er erwischt wurde, nur ein kleiner Fisch. Viel interessanter für die Polizei sind Ronny K. und Oliver K. aus Altenburg, denen Kripo und LKA schon länger auf der Spur sind. Ronny K. ist in Tschechien abgetaucht. Das gab im Prozess eine Geraer Kripo-Beamtin zu Protokoll. Oliver K. sei seit zehn Jahren als Drogen-Händler bekannt. Beide wurde gemeinsam mit Stev. K. in Altenburg regelmäßig observiert, unter anderem im Bereich der beiden Parkplätze am Marstall im Schlosspark und in der Rousseaustraße.

Laut Telefonüberwachung soll sich Oliver K. wegen des Deals in Altenburg aufgehalten haben und Ronny K. eigens deshalb aus Tschechien angereist sein. Deshalb sei anzunehmen, dass Stev. K. die restliche Menge von 350 Gramm von einem der beiden holen wollte. Doch das LKA hatte daran kein Interesse gehabt, sagte die Beamtin aus, die sich darüber ärgerte, weil man so vor allem Ronny. K. hätte schnappen können. „Was ist los? Das geht doch gar nicht. Wir müssen uns beeilen, sonst ist es zu spät“, habe sie im Krisenstab der Polizei interveniert. Doch selbst dann habe sich das LKA geweigert, dass Stev K. die restliche Drogen-Menge noch besorgt. Die Kripo durfte nicht einmal in der Nähe des Zugriffsortes sein. „Das war der beschissenste Einsatz, den ich je erlebt habe“, sagte die erfahrende Beamtin. Ronny K. soll nun wieder in Tschechien sein. Gegen Oliver K. wurde mittlerweile Anklage erhoben.

Der Prozess gegen Stev. K. wird fortgesetzt.

Von Jens Rosenkranz

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