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Altenburg Prozess um Baby-Tod in Altenburg: Gutachterin spricht von „seelischer Notlage“
Region Altenburg Prozess um Baby-Tod in Altenburg: Gutachterin spricht von „seelischer Notlage“
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18:21 26.10.2015
Wegen Totschlags ist vor dem Geraer Landgericht die 30 Jahre alte Mutter des Babys angeklagt, das unmittelbar nach der Geburt in der Badewanne ertrank. Quelle: dpa
Gera/Altenburg

Im Geraer Prozess um den Tod eines Neugeborenen hat eine Gutachterin der angeklagten Mutter eine „seelische Notlage“ bescheinigt. Sie sei bei der Geburt offensichtlich in einer „akuten Belastungssituation“ gewesen, sagte die Fachärztin für Psychiatrie, Helmburg Göpfert-Stöbe, am Montag am Landgericht Gera. „Ihr Verhalten zur Geburt war aber nicht von psychischen Störungen bestimmt.“ Die Frau habe ihre Schwangerschaft abgewehrt und sei letztlich plan- und konzeptlos in die Situation hineingeschlittert. „Sie ist ein Mensch, der Verdrängung und Verleugnung einsetzt, um mit Problemen fertig zu werden“, erklärte die Expertin. Sie empfahl eine Psychotherapie für die Frau.

Die 30-Jährige ist wegen Totschlags angeklagt. Sie hatte ihre Schwangerschaft verheimlicht und am Abend des 8. März zu Hause in Altenburg in der Badewanne ein Mädchen geboren. Das Kind war den Angaben nach voll lebensfähig. Laut Anklage hat die Mutter die Nabelschnur durchtrennt und das Baby dann im Wasser liegengelassen, so dass es ertrank. Die Frau, die Mutter eines vier Jahre alten Sohnes ist, lebte noch mehrere Tage mit der Babyleiche in der Wohnung, bevor sie wegen akuter Gesundheitsprobleme ins Krankenhaus kam. Erst dort wurde die Geburt bemerkt und daraufhin das tote Kind in der Wohnung entdeckt.

Vor Gericht sagte die Frau, von der Geburt überrascht worden zu sein. Zudem sei sie bei und nach der Geburt „weggeklappt“. Der Direktor der Abteilung für Geburtshilfe am Universitätsklinikum Jena, Ekkehard Schleußner, zog am Montag diese Version in Zweifel. Eine Ohnmacht unter oder direkt nach der Geburt sei aus seiner Sicht „biologisch nicht möglich“.

Erst 10 bis 20 Minuten nach einer Geburt könne es bei sehr hohem Blutverlust zu ohnmachtähnlichen Zuständen kommen. Einen so hohen Blutverlust habe es seines Wissens zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben. Gegen eine so schnelle Geburt wie von der Angeklagten geschildert spreche zudem ein am Baby gefundenes Geburtsgeschwulst. Er vermute, dass die Geburt zwei bis vier Stunden gedauert habe. So sei fraglich, ob die Mutter wirklich nicht mehr aus der Badewanne steigen konnte, um Hilfe zu holen.

Psychiaterin Göpfert-Stöbe sah in ihrem Gutachten dagegen deutliche Symptome für ein gewisses „Wegtreten“ der Frau unter der Geburt. Dabei führte sie Schilderungen an, wonach sie das Geschehen nur wie durch einen Schleier wahrgenommen habe. Göpfert-Stöbe sprach von einer „Dissoziation“, bei der sich der Betroffene psychisch von sich selbst entferne und quasi „neben sich“ stehe.

Die 4. Strafkammer hat die Beweisaufnahme in dem Fall noch nicht geschlossen. Am nächsten Verhandlungstag, dem 12. November, wurde aber ein Urteil in Aussicht gestellt.

lvz

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