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Prozessauftakt um brennendes Asyl-Haus in Altenburg

Landgericht Gera Prozessauftakt um brennendes Asyl-Haus in Altenburg

Vor dem Landgericht Gera hat am Dienstag der Prozess wegen versuchter schwerer Brandstiftung in einer Altenburger Asylunterkunft im Dezember 2015 begonnen. Die beiden Angeklagten hielten sich am Auftakt-Tag eher bedeckt.

Vor dem Landgericht Gera beginnt am Dienstag der Prozess wegen versuchter schwerer Brandstiftung in einer Altenburger Asylunterkunft im Dezember 2015.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg/Gera. Mit großem Medieninteresse hat am Dienstag der Prozess um den Brand in einer Altenburger Asylunterkunft Anfang Dezember 2015 begonnen. Zeitweise war im Verhandlungssaal des Landgerichts Gera kein Stuhl mehr zu bekommen. Vor der 1. Strafkammer müssen sich Christian B. (29) und Martin M. (31) unter anderem wegen versuchter schwerer Brandstiftung, Körperverletzung in neun Fällen und der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen verantworten. Während der jüngere der Angeklagten, der in Untersuchungshaft sitzt, zum Auftakt schwieg, äußerte sich der ältere zu den Vorwürfen. Ein Geständnis konnte man das aber nicht nennen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Duo vor, am frühen Morgen des 7. Dezember vorigen Jahres in einem DDR-Neubau-Block in der Siegfried-Flack-Straße, der von Asylbewerbern bewohnt wird, Altpapier angezündet zu haben. Dadurch fingen in der ersten Etage des Hauses zwei Kinderwagen Feuer und brannten vollständig aus. Zwar konnten die hinzugerufenen Rettungskräfte das Feuer rechtzeitig löschen, aber durch die extreme Rauchentwicklung erlitten neun Bewohner, darunter auch ein wenige Monate altes Baby – Vergiftungen. Zudem entstand laut Anklage ein Sachschaden von mindestens 12 000 Euro.

Zuvor sollen die beiden Angeklagten bereits durch Altenburg gezogen sein und dabei Nazi-Parolen wie „Sieg Heil“, „Heil Hitler“ oder „Ausländer raus“ gegrölt haben. Abgesehen davon wird ihnen vorgeworfen, in einer weiteren Asylunterkunft in der Otto-Dix-Straße einen Bewohner bedroht zu haben. Darüber hinaus soll B. noch Fahrräder und eine Satelliten-Schüssel zerstört haben, was zusätzlich als Sachbeschädigung angeklagt ist.

Den Hergang des Abends schilderte der Altenburger M. weitestgehend so, wie Staatsanwalt Andreas Petzel in der Anklage verlesen hatte. Allerdings holte er auf Bitte des Vorsitzenden Richters Uwe Tonndorf etwas weiter aus. Dabei kam ans Licht, dass beide ordentlich getankt hatten. Mehrere Bier, Glühweine mit Schuss, einige Mix-Getränke und diverse Schnäpse sollen es bis zu den Vorfällen gewesen sein. Ausgangspunkt war dann letztlich die Kneipe „Letscho“. Allerdings habe es zuvor schon auf dem Weihnachtsmarkt eine handfeste Auseinandersetzung mit Asylbewerbern gegeben, bei der B. verletzt wurde.

Laut dem 31-Jährigen bewegte sich das Duo vom „Letscho“ – in Begleitung eines dritten Mannes, der nicht angeklagt ist – nach Altenburg-Nord. „Wir haben etliche Sachen gebrüllt, wie ,kriminelle Ausländer raus‘ oder ,frei, sozial und national‘“, erklärte M. „Aber ,Heil Hitler‘ war definitiv nicht dabei.“ Die Parole „Sieg Heil“ wollte er auf Nachfrage nicht ausschließen. Auch habe man rechte Lieder gesungen. Ebenso bestätigte er den Abstecher in die Dix-Straße und ein verbales Scharmützel mit einem aus dem Fenster schauenden Bewohner. „Aber Christian hat definitiv kein Feuerzeug hochgehalten.“

Ebenso konnte M. nichts dazu sagen, wie die Fahrräder vor dem Haus in der Flack-Straße beschädigt wurden. Wer die Sat-Schüssel abgerissen hat, wusste er nicht, er habe nur gesehen, wie sein Kumpel darauf herumtrat, als er ihm die Asylunterkünfte zeigte. Und: Wie er im Hausflur versuchte, Zeitungen anzuzünden. Die hätten aber nicht gebrannt, weil sie feucht gewesen seien. „Lass’ den Scheiß, kommt jetzt“, sagte er zu B.. Doch der kam nicht gleich, worüber sich der Altenburger ebenso wenig Gedanken gemacht haben will wie über die wenig später vorbeifahrenden Rettungsfahrzeuge.

Währenddessen erlebten die Bewohner in der Flack-Straße schlimme Minuten. Mehrere Zeugen sprachen von „schwarzen Wolken“ und Flammen im Treppenhaus, von vor Angst schreienden Menschen und Panik bis hin zu Albträumen. Bei diesen Schilderungen schauten die Angeklagten wahlweise starr auf den Tisch oder ließen ihre Blicke nervös im Raum wandern. Zudem förderte ein Polizeibericht zu Tage, dass die Brandmelder in dem Haus weder vernetzt, noch zentral geschalten oder einer Funktionsprüfung unterzogen wurden.

Für den Prozess sind noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung werden für den 20. Juni erwartet.

Von Thomas Haegeler

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