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Altenburg Pumpen für Ölplattformen made in Gößnitz
Region Altenburg Pumpen für Ölplattformen made in Gößnitz
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13:36 10.06.2016
Willy Oelsch baut eine Pumpenmodul von Apollo Gößnitz zusammen. Quelle: Mario Jahn
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Gößnitz

Erdöl wird bisweilen als das Blut der modernen Wirtschaft bezeichnet. Dafür, dass es stetig fließt, sorgt unter anderem ein Gößnitzer Unternehmen. Und das auch ganz wörtlich, denn die Firma Apollo stellt unter anderem Pumpen für Bohrinseln her. „Aber auch für die chemische Industrie oder für Kraftwerke“, vervollständigt Geschäftsführer Thomas Werner. Die teilweise tonnenschweren Aggregate werden als Einzelstücke oder in Kleinserien in Gößnitz entwickelt und gebaut. Damit bedient der 133 Mitarbeiter starke Traditionsbetrieb eine Marktlücke, die für einen Jahresumsatz von über 20 Millionen Euro sorgt.

Seit 1863 gibt es die Firma Apollo in Gößnitz. Die Gründer starteten mit einer Gießerei und Maschinenfabrik, die sich im Laufe der Jahre immer mehr auf den Pumpenbau spezialisierte. Zu DDR-Zeiten war die Fabrik vor allem für ihre kleinen Wasser-Kreiselpumpen bekannt. Diese wurden bis zur Wende produziert. Dass das keine Zukunft im wiedervereinten Deutschland hat, war den damaligen Chefs klar, die den ehemaligen VEB in eine GmbH umbauten und fortan auf innovative Nischenprodukte setzten.

„In der jüngeren Vergangenheit hat sich bei uns noch einmal viel verändert“, meint Geschäftsführer Ralf Wagner. Zu allererst sei da die Übernahme durch einen russischen Großkonzern, die HMS-Gruppe mit Stammsitz in Moskau, zu nennen. Sie stieg 2012 in die GmbH ein. Was dann im vergangenen Herbst auch eine Neubesetzung der Geschäftsführung nach sich zog, so Albert Belousov, der die aktuelle Cheftroika vervollständigt. Jedoch würden die ehemaligen Geschäftsführer dem Unternehmen weiterhin beratend zur Seite stehen, betonen Wagner und Werner unisono. Kein Wunder, schließlich handelt es sich nicht nur um ihre Vorgänger im Betrieb, sondern vor allem um ihre Väter. Diese hatten die Firma zu einem konkurrenzfähigen Hersteller von Kreiselpumpen für die petrochemische Industrie gemacht, speziell für API 610 Pumpen, dem gängigen Standard der US-Öl-Industrie.

Das fiel den russischen Investoren positiv auf, denn sie waren am Know how rund um die API-610-Norm interessiert, weil diese auch in Russland mehr und mehr nachgefragt wird. „Wir sind im Konzern das europaweite Aushängeschild dafür“, erklärt Wagner. Hauptabsatzmarkt sei aber nicht Russland, auch wenn Gazprom zu den Kunden von Apollo gehört. Der Verkauf der Produkte orientiert sich nach wie vor eher westwärts. Konzerne wie Siemens kaufen regelmäßig in Gößnitz Pumpen. „Aber uns zeichnet aus, dass wir viele kleinere Kunden haben“, erläutert Werner.

Die drei Geschäftsführer erklären im OVZ-Gespräch, der Einstig der Russen bei Apollo sei für beide Seiten gewinnbringend. Denn auch die Gößnitzer profitieren vom neuen Hausherren. So werde etwa der Zugang zum wichtigen russischen Markt erleichtert. „Außerdem mussten wir uns bis zur Übernahme als kleiner Mittelständler auf dem freien Markt immer mit lauter Großkonzernen messen“, erklärt Werner. Das hat sich grundlegend verändert. Zwar sei Apollo Gößnitz nach wie vor eine GmbH, aber hinter ihr stehe nun ein globaler Player.

Die politischen Spannungen zwischen dem Westen und Russland würden indes keine Rolle spielen, so Belousov. Vor allem, weil Pumpen, wie sie Apollo herstellt, nicht auf der Sanktionsliste der EU stehen, die im Zuge der Ukraine-Krise verhängt wurde. Da macht sich schon eher der fallende Ölpreis bemerkbar. „Wir spüren, dass in diesem Bereich die Investitionen zurückgegangen sind“, bestätigt Wagner. Dafür sei aber die Nachfrage der chemischen Industrie etwa von Düngemittelherstellern größer, weil diese nun weniger für ihre Rohstoffe ausgeben müssen. „Wir sind eben nicht nur auf eine Firma oder Branche angewiesen“, sagt Werner.

Nein, man könne wirklich nicht sagen, dass Apollo Gößnitz gerade schwierige Zeiten erlebe, stellt Werner klar. Dennoch legt die Firma viel Wert auf eigene Entwicklungen, Jahr für Jahr verändern und erweitern an die 20 Neuerungen der Apollo-Ingenieure die Produktpalette. „Trend ist, dass inzwischen komplette Pumpensysteme gefragt sind, die schon mit der Messtechnik, den Instrumenten und Steuerungseinheiten bestückt sind“, so Wagner.

Für die Zukunft seien auch Investitionen und weitere Veränderungen geplant. Eines aber werde bleiben – der Familienunternehmenscharakter, den Apollo seit der Wende hatte und der typisch für den deutschen Maschinenbau sei, so Berlousov. „Warum sollten wir auch etwas verändern, was gut funktioniert?“

Von Jörg Reuter

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