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Altenburg Putenmast-Anlage zurzeit nicht genehmigungsfähig
Region Altenburg Putenmast-Anlage zurzeit nicht genehmigungsfähig
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19:33 20.11.2014
Bildunterschrift Quelle: Mario Jahn

Die Veranstaltung diente vor allem dazu, die bislang vorgebrachten Bedenken und Kritiken öffentlich zu diskutieren (siehe dazu auch Kasten unten). Vor allem bei der vorgesehenen Oberflächenentwässerung sehen Fachleute des Landesverwaltungsamtes Weimar, der Genehmigungsbehörde, erheblichen Nachbesserungsbedarf. Die Kritik an vielen anderen Punkten, vor allem bei der Einhaltung des Tierschutzes oder der Belästigung durch Lärm und Gestank, wiesen Vertreter des Investors, der Firma Pohle Agrar GbR, als unberechtigt zurück. Rückendeckung hierbei bekamen sie stellenweise vom Landratsamt und dem Amt für Landwirtschaft.

Der in Göhren ansässige Betrieb plant die Errichtung von zwei Ställen für je 8100 männliche Tiere und eine weitere Halle für die Aufzucht von 32 400 Küken, in der danach 16 200 Hennen gemästet werden (OVZ berichtete). Vorgesehen ist eine Bodenhaltung auf Einstreu, die aus Säge- oder Holzspänen besteht. Ein Quadratmeter Fläche ist für neun bis zehn Küken vorgesehen, während sich 5,1 Hennen oder 2,8 Hähne die gleiche Fläche teilen müssen.

"Die Tiere leben auf engstem Raum, die Besatzdichte bedeutet extremen Platzmangel, Grundbedürfnisse bei Bewegung oder Nahrungsaufnahme sind gar nicht oder nur eingeschränkt möglich", lauteten die schriftlich vorgebrachten Kritiken an den Plänen.

Um diese zu entkräften, ließ sich Geschäftsführer Wolfram Pohle gestern von einer Rechtsanwaltskanzlei, einem Planungsbüro und einem auf die Haltung von Geflügel spezialisierten Tierarzt vertreten. Die Fachleute wiesen sämtliche den Tierschutz betreffenden Vorwürfe, auch mit dem Verweis auf wissenschaftliche Untersuchungen und der Einhaltung gültiger Gesetze, zurück. Begründungen fanden sie auch für die über 3000 Tiere pro Jahr, die die Mast nicht überleben. Dieser Prozentsatz würde weit unter den üblichen Mittelwerten liegen, hieß es. Im Gegensatz dazu seien die Verluste bei Kleinhaltern weit größer, die mitunter falsches Futter verwendeten oder die Tiere oft unter unhygienischen Bedingungen halten würden. Die geplanten Ställe würden dagegen modernste Bedingungen erfüllen, die auch die Sterberate der Tiere weiter senken ließe. Wolfram Pohle selbst betonte, den Einsatz von Antibiotika so gering wie möglich zu halten, vermeiden aber lasse er sich freilich nicht. Der Tierarzt wies ebenso Vorwürfe zurück, dass viele Puten in der Regel am Ende der Mast nach vorne fallen und deswegen gequält werden oder einen langsamen Tod sterben.

Am Ende dieses Themenkomplexes verließen Anwesende demonstrativ den kleinen Saal im Goldenen Pflug und zeigten sich enttäuscht darüber, dass die Tierschutzproblematik ihrer Meinung nach heruntergespielt werde. Werner Bauerschmidt vom Landesverwaltungsamt, der den Erörterungstermin moderierte, wies diese Kritik zurück und verwies auf ein faires Verfahren, bei dem jeder Kritik nachgegangen werde. Dass der Referatsleiter es damit ernst meinte, zeigte der Themenkomplex Wasser- und Bodenschutz, der allerdings erst am Ende der fast sechsstündigen Anhörung abgehandelt wurde. Pohle plant, dass das Oberflächenwasser seiner Anlage, für die 1,6 Hektar Fläche befestigt und 13 000 Quadratmeter versiegelt werden, mithilfe von Mulden und Regenrückhaltebecken versickern soll. Kritiker befürchten allerdings, dass dies nicht gelingt und das Wasser stattdessen in die 480 Meter entfernte Blaue Flut abfließt. Dies war einer der wichtigsten Gründe, weshalb die Stadt Altenburg ihr Einvernehmen versagt hatte. Bislang werde nicht nachgewiesen, dass das Wasser tatsächlich versickern kann, erneuerte Altenburgs Bürgermeisterin Kristin Knitt gestern ihre Bedenken.

"Ich denke, dass wir hier ein ganz erhebliches Problem haben", schätzte Werner Bauerschmidt die Lage ein. Er kündigte eine sehr genaue Prüfung an und sah erheblichen Gesprächsbedarf zwischen seiner Behörde und dem Investor.

Pohles Fachleute wollen nun über ein Bodengutachten und den möglichen Austausch von Erde nachweisen, ob und wie das Oberflächenwasser tatsächlich versickern kann. Im weiteren Verfahren ist deswegen auch nicht ausgeschlossen, dass die überarbeiteten Pläne des Investors noch einmal öffentlich ausgelegt werden müssen.

Jens Rosenkranz

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