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Altenburg Quellinale in Garbisdorf: In der Publikums-Jury sitzen Erbsenzähler
Region Altenburg Quellinale in Garbisdorf: In der Publikums-Jury sitzen Erbsenzähler
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15:48 27.10.2015
Man nimmt Platz zur fünften Quellinale: Das kleine Kurzfilmfestival im Quellenhof hat nun schon Tradition, sagt Klaus Hiller. Der Vorsitzende des Vereins LandCineasten und deren Mitglieder konnten sich über 100 Kinoverrückte freuen.  Quelle: Klaus Peschel
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Garbisdorf

Ein kleines Filmfestival, benannt nach dem Kunst- und Kulturgut Quellenhof, in dem die Filme gezeigt werden. Das Filmfest findet inzwischen zum fünften Mal statt und zählte 100 Besucher.

Vereinsvorsitzender Klaus Hiller lobte zur Eröffnung: „Vor einem Jahr, zur vierten Quellinale, sagte ich, das Festival hat Tradition, nun sage ich, wir haben ein kleines Jubiläum.“ An zwei Abenden waren 24 Filme aus neun Ländern zu sehen. Der längste Film lief 21 Minuten, der kürzeste war nach einer Minute zu Ende. Die restlichen lagen dazwischen. Die Quellinale ist also ein Kurzfilmfestival. Die Genres reichen vom Spielfilm über die Dokumentation bis zum Animationsfilm. Etwa 60 Prozent der eingereichten Filme waren Animationen, hergestellt am Computer. Der Aufwand ist gering, die Kosten bezahlbar. Sind es doch vor allem junge Filmemacher, die sich an der Quellinale beteiligen. „Ihr handwerkliches Niveau ist aber sehr hoch, das sind Profifilmemacher“, würdigt Klaus Hiller.

Zum ersten Mal war der Wettbewerb bundesweit über facebook ausgeschrieben. Daraufhin fanden 40 Filme den Weg nach Garbisdorf. Nicht als Filmrolle, sondern als USB-Stick. Ein Gremium, bestehend aus Vereinsmitgliedern, wählte nach einem Punktsystem die Filme für den Wettbewerb aus. „Die Meinungen klafften weit auseinander“, merkte der Vereinsvorsitzende an. Neu in diesem Jahr ist die hohe internationale Beteiligung. So haben sich unter anderem Künstler aus der Schweiz, der Ukraine, Belgien, Frankreich und der Slowakei beteiligt. Das deutet auf Untertitel hin. Die gab es in der Tat. Seltsamerweise waren diese auch auf deutschen Filmen zu sehen. In Englisch. Am Anfang nervte es etwas. Das Publikum gewöhnte sich rasch daran und war gar froh, dass der Film „Die Ausgestoßenen“ von Tim Ellrich mit englischen Untertiteln lief. Die vier Protagonisten sprachen einen für das Ohr des Altenburger Landes wahrlich grausamen Dialekt.

An beiden Abenden war das Publikum auch die Jury des kleinen Festivals. Abgestimmt wurde mit Erbsen. Jeder Kinobesucher bekam mit seiner Eintrittskarte, auf der der Ablauf der Filme notiert war, ein kleines Beutelchen. In dem befanden sich zwölf Erbsen. Die waren eingefärbt, damit InsiderCineasten, Wiederholungstäter der Quellinale, und derer gab es viele, nicht eigene Hülsenfrüchte in den Quellenhof einschmuggeln konnten, um die Wertung der Filme zu manipulieren. Diese zwölf Erbsen waren nach der Vorstellung auf die zwölf Filme pro Abend zu verteilen. Dafür stand unter der Leinwand der Erbsenzähler. Er war ein Holzbalken, in dem zwölf Reagenzgläser standen. Auf jedem Glas war ein Filmtitel zu lesen.

Bei der diesjährigen Quellinale gab es zum ersten Mal zwei Siegerfilme. Das war zum einen „Baghdad Messi“ von Sahim Omar Kalifa“, eine Koproduktion zwischen Belgien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der andere Preisträger war der Streifen „Kneipen Gert“ vom deutschen Künstlerkollektiv 1m60 Film. Die 500 Euro Preisgeld, gestiftet vom Verein, wurden geteilt. Neben Geld erhielten die Preisträger auch etwas Symbolisches. Der Oskar von Garbisdorf ist die goldene Linse. Sie entstand auch in diesem Jahr im Atelier der Göpfersdorfer Künstlerin Karin Gentsch-Geist. Die Keramik kann nicht geteilt werden, sie soll bei Sahim Omar Kalifa bleiben, so wurde entschieden.

An beiden Abenden gab es im Quellenhof auch einen Spätfilm zu sehen. Am Freitag war es der Dokumentarstreifen „Der zerbrochene Klang“ von Yvonne und Wolfgang Andrä. Ein Film über die Suche nach einer verschwundenen Musikkultur in Osteuropa.Es gab zudem zum ersten Mal bei einer Quellinale nach den Wettbewerbsfilmen eine Promotion-Premiere. Das war der Film „Unser letzter Sommer“. Erst vor kurzem kam der Streifen von Michal Rogalski in die deutschen Kinos. Die Ostthüringer LandCineasten hatten von der Berliner Produktionsfirma die Erlaubnis erhalten, den Film zwei Tage nach deutschlandweitem Kinostart in Garbisdorf zu zeigen. In Montreal wurde der Film in diesem Jahr schon für das beste Drehbuch ausgezeichnet, in Gdynia bekam er sowohl den Jugendjurypreis als auch den Preis für die beste Nebendarstellerin und den Preis für die beste Kamera. Der Film erzählt vom Erwachsenwerden und der jugendlichen Liebe im Jahre 1943 in Ostpolen. Regisseur Rogalski nennt sein Werk eine „Geschichte, die zwischen den Schlagzeilen spielt, zwischen den Tragödien und dem Holocaust“.

Von Klaus Peschel

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