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Radeln über Viadukte? Jetzt wird verhandelt

Radeln über Viadukte? Jetzt wird verhandelt

Lange war es ruhig um das ehrgeizige Projekt Viaduktradweg, doch nun tritt der Förderverein wieder kräftig in die Pedale. Unter Federführung seines Chefs Günter Lichtenstein ist gemeinsam mit Nabu-Stiftung und dem Naturkundemuseum Altenburg in den vergangenen Monaten hinter den Kulissen einiges vorangetrieben worden.

Garbisdorf. "Jetzt sind wir mit der Bahn so weit, dass am Montag der erste Termin zu den Vertragsverhandlungen ansteht", verkündigte Lichtenstein in dieser Woche zur Jahreshauptversammlung des Fördervereins Viaduktradweg. Er gehe allerdings davon aus, dass es bis zum Sommer dauern werde, ehe alles unter Dach und Fach ist.

 

Mit diesen Aussichten sind die Verfechter des Radweges hoch über dem Wieratal ein ganzes Stück vorangeradelt. Vor zwei Jahren hatten daran wohl noch die wenigsten geglaubt, drohte doch nach dem Ausstieg der Anrainer-Kommunen das ganze Projekt den Bach runterzugehen (die OVZ berichtete). Schließlich waren dadurch die Fördermittel, ohne die es auch künftig keine Drahtesel auf der einstigen Bahnstrecke geben wird, futsch.

 

In dieser Situation schaltete sich Mike Jessat ein, der sowohl Landesvorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) als auch Chef des Ortsverbandes Altenburg ist. Ihm schwebe vor, dass die Nabu-Stiftung sich in das Radwegprojekt hoch über der Landschaft einbringt und die Flächen erwirbt. Der Viaduktradweg, der von Kotteritz bis fast nach Penig entstehen könnte, würde Erholung und Naturerlebnis gleichzeitig bieten und damit den Zielen der Stiftung gerecht werden, hob Jessat vor den Vereinsmitgliedern noch einmal hervor.

 

"Das vergangene Jahr war geprägt vom Warten, wie es mit dem Radweg weitergeht. Unsere Befürchtung, dass es bei der Bahn lange dauert, ist nämlich eingetroffen", sagte Lichtenstein, der dafür ein gewisses Verständnis aufbringt, müsse doch der Verkehrskonzern viele Spielregeln beachten. "In Mike Jessat hatten wir in der Zeit einen guten und engagierten Partner, der aktiver war als der Verein selbst", betonte Lichtenstein, der das Projekt Viaduktradweg selbst nie abgeschrieben hatte. "Ich habe noch nie etwas angefangen, was ich nicht zu Ende gebracht habe. Wer mich kennt, der weiß das", sagte er zur jetzigen Versammlung.

 

Und deshalb hat sich der Unternehmer längst dafür ins Zeug gelegt, nach Spenden und Sponsoren Ausschau zu halten. Denn der Förderverein braucht den ersten Berechnungen zufolge rund 400 000 Euro, um den Radweg auf dem ehemaligen Schienenstrang herzurichten. "Mein Ziel ist es, ein Viertel davon als Spenden einzuspielen. Der Rest muss als Fördermittel kommen", betonte er. Dazu gäbe es bereits eine Reihe von politischen Gesprächen. So habe unter anderem Thüringens neuer Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) einen Besuch angekündigt, um sich über das Vorhaben zu informieren.

 

Für das Projekt seien Förderverein und Nabu-Stiftung voneinander abhängig, darin herrscht auf beiden Seiten Klarheit. Denn die Stiftung erwirbt die Fläche rund um die Viadukte. Die wiederum der Förderverein von der Bahn pachtet, die Eigentümer des Bauwerks bleibt.

 

Die Umsetzung des Projekte werde ein Weg der kleinen Schritte sein, auf dem es nur Abschnitt für Abschnitt vorwärts gehe. Wie bei einer Radtour, so Jessat. Es sollte also keiner auf den großen Schlag warten.

Marlies Neumann

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