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Altenburg Rafias Reise – Premiere für ein sehenswertes Klassenzimmerstück
Region Altenburg Rafias Reise – Premiere für ein sehenswertes Klassenzimmerstück
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10:46 07.04.2017
Zara (Öykü Oktay) hat die Sachen angezogen, die das unbekannte Mädchen im Rucksack verstaute. So will sie deren Geschichte herausfinden. Quelle: David Schönherr
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Altenburg

Die Tür fällt krachend ins Schloss. Die Schüler in dem Klassenzimmer, in das Zara floh, sind so sehr erschrocken wie das Mädchen außer Atem ist. Denn die in Deutschland lebende Türkin rannte um ihr Leben. Weg von der Bushaltestelle, wo sie diesen blöden Rucksack zurücklassen wollte, und die Leute sie deshalb für eine Terroristin hielten. Dabei gehörte ihr der Rucksack gar nicht, ein Mädchen hatte ihn vergessen. Und nun hält Zara ihn in der Hand, und weiß nicht, was sie damit machen soll. Zögernd beginnt sie, den Inhalt zu sichten.

Das ist die Eingangsszene für „Rafias Reise“, der neuen Klassenzimmerproduktion des Altenburg-Geraer Theaters. Schauspielerin und Regisseurin Dorothea Arnold hat das Stück geschrieben und inszeniert – in Kooperation mit SAIDA, einem Verein, der sich weltweit für Mädchen und Frauen einsetzt, die von Diskriminierung, Zwangsheirat und Genitalverstümmelung bedroht oder betroffen sind. Denn das ist es, was Zara Stück für Stück beispielsweise durch ein angesengtes Buch, eine nicht abgeschickte Postkarte, ein Familienfoto, ein Paar ausgelatschte Mädchenschuhe und am Ende durch einen Brief herausfindet: Die Besitzerin des Rucksacks stammt aus Burkina Faso und ist mit einem gefälschten Pass auf einer abenteuerlichen Flucht nach Deutschland, um der drohender Zwangsehe und Beschneidung zu entgehen.

Genau eine Schulstunde lang dauert diese Spurensuche, in der Zara wahre Detektivarbeit leistet. Sie entdeckt die familiären Bindungen, findet die Fluchtrouten heraus, erkennt die Gefahren bei der Überquerung des Mittelmeers und weiß nun, warum das unbekannte Mädchen an der Bushaltestelle so krass müde aussah, fast wie ein Zombie.

Dass all dies aufregend und ergreifend zugleich ist, die Zuschauer nicht eine Minute langweilt und zu Herzen geht, ist neben der Autorin zu allererst der Protagonistin des Ein-Personen-Stücks zu verdanken: Öykü Oktay. Die junge Schauspielerin, selbst Türkin und erst seit Sommer vergangenen Jahres am Altenburg-Geraer Theater engagiert, spielt lebendig, erfrischend, lebt die Rolle der Zara. Die jugendgemäße Diktion, in der auch Worte und Wendungen wie „Arschloch, „total aggro“, „voll krass“ oder „Panik geschoben“ nicht fehlen, tun ein Übriges.

Dabei hatte es Öykü Oktay bei der Premiere des Stücks im Altenburger Lerchenberggymnasium gar nicht so leicht. Denn die Klassenzimmerproduktion spielt passgenau in einem solchen, sodass die Schüler im Publikum wiederholt direkt angesprochen und einbezogen werden. Doch die Zehntklässler, allesamt im Wahlfach „Darstellen und Gestalten“ vereint, hatten bis auf eine Ausnahme – die Untermalung einer Szene durch gemeinsames Trampeln – offenbar zu große Hemmungen zu reagieren.

Hemmungen, die sie nach dem überaus herzlichen, anerkennenden Schlussapplaus zum Glück ablegten, als es darum ging, seine Meinung zu sagen oder Fragen zu stellen. Sehr gefesselt sei sie gewesen, bekennt eine Schülerin, und eine andere wollte wissen, was genau den betroffenen Mädchen und jungen Frauen bei einer Genitalverstümmelung angetan werde. Autorin Dorothea Arnold und Simone Schwarz von SAIDA International nehmen sich viel Zeit, die Ansichten zu hören, zu diskutieren und die Fragen zu beantworten.

Das Klassenzimmerstück „Rafias Reise“ ist für Schüler ab 8. Klasse konzipiert und kann von jeder Schule gebucht werden. Zum Tag der offenen Tür des Landestheaters Altenburg am 1. Mai ist es erst- und zugleich einmalig öffentlich im Theater zu erleben.

Buchungen und Anfragen nimmt Jugendreferent Marco Schmidt entgegen unter marco.schmidt@tpthueringen.de oder Tel. 0365 8279102. Bei Interesse an Workshops und weiteren Informationen ist Theaterpädagoge David Schönherr unter david.schönherr@tpthueringen.de sowie
Tel. 03447 585364 der Ansprechpartner.

Von Ellen Paul

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