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Ramelow im Altenburger Land

Ramelow im Altenburger Land

Beim straffen Programm, das Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) gestern auf seiner Sommertour im Altenburg Land hatte, bewahrte er sich dennoch den Blick fürs Detail.

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An diesem Metallrahmen erklärt Firmeninhaber Bertold Weber (r.) Ministerpräsident Bodo Ramelow und Landrätin Michaele Sojka den Unterschied zu Fenstern aus dem Baumarkt.

Quelle: Mario Jahn

Meuselwitz/Windischleuba. Die großen Filzrollen in den Farben rot und grün, die ihm gleich am Eingang der Produktionshalle ins Auge stachen, waren nicht bestellt. Den Filz benötigt der Hersteller von Klarviermechaniken, die Meuselwitzer Firma Louis Renner, zur Dämmung zwischen den bis zu 5000 Einzelteilen, die das Herz eines jeden Klaviers ausmachen.

 

"Wir sind in Europa der einzige Hersteller von Klaviermechaniken. Unsere Produkte hauchen Klavieren und Pianos in der ganzen Welt Leben ein", erklärte Clemens von Arnim, Geschäftsführer des Unternehmens, beim Rundgang durch den Betrieb. "Das ist also der Renner von Renner", meinte Ramelow, der sich beeindruckt zeigte von der Vielzahl der Einzelteile, die bei Renner mit größter Präzision zum wichtigsten Teil eines Klaviers zusammengebaut werden. Mehr als die Hälfte der Erzeugnisse gehe in den Export, betonte von Arnim. "Mit diesen Produkten aus Meuselwitz machen Sie Thüringen in der Welt bekannt", konstatierte Ramelow, der den Betrieb als ein Unikat und einzigartig bezeichnete.

 

In der Produktionsstätte, die ihren Sitz seit 2011 in einem ehemaligen Möbelhaus am Rande der Schnauderstadt hat, arbeiten inzwischen rund 100 Mitarbeiter. Vor rund einem Jahr war auch die Produktion von Hammerkopf aus Gärtringen, dem Hauptsitz des Unternehmens, nach Meuselwitz umgesiedelt worden. "Die Hammerköpfe sind das Bindeglied zwischen der Mechanik und der Saite", erklärte der Technische Leiter Günter Kolb. "Die Maschinen, mit denen auf den hundertstel Millimeter genau gearbeitet werden muss, sind mit unserem Know-how nur für uns produziert", hob der Geschäftsführer hervor.

 

Dass auch Laien dem Klavier mit der Renner-Mechanik Töne entlocken können, bewies der Ministerpräsident noch schnell mit dem Flohwalzer.

 

Während bei Renner vorwiegend mit Holz gearbeitet wird, sind es bei der Firma Metallbau Weber in Windischleuba, der nächsten Station auf Ramelows Tour, Aluminium und Kunststoff, die für Fenster und Türen verarbeitet werden. Das mittelständische Unternehmen, das vor 21 Jahren mit einem Mitarbeiter begann, hat heute 50 Beschäftigte. "In den ersten fünf Jahren waren wir vorwiegend in der Region tätig. Heute agieren wir bundesweit", berichtete Geschäftsführer Bertold Weber. "90 Prozent unserer Aufträge kommen mittlerweile von der öffentlichen Hand und haben Volumen von 100 000 bis zwei Millionen Euro", so der Firmenchef. Die Aufträge an öffentlichen Gebäuden würden auch dafür sorgen, dass sein Betrieb bereits jetzt bis Ende 2016 ausgelastet sei. "Das bringt aber auch ein Problem mit sich", wendete er sich direkt an Ramelow. Die Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber werde immer schlechter. Fast jede zweite Rechnung komme zu spät. Das habe nichts mit mangelhafter Qualität von unserer Seite zu tun, kritisierte Weber. Das sei eine Unart, die für ihn unbegreiflich sei, sagte der Ministerpräsident. Beeindruckt zeigte er sich dann beim Rundgang durch die Produktion davon, dass von der Planung bis zum Einbau von Türen, Fenstern oder Fassaden alles aus einer Hand kommt.

 

Ramelow besuchte gestern zudem die Dietzel Hydraulik Löbichau, die Agrargenossenschaft Nöbdenitz und die Altenburger Brauerei. Am Abend fand noch eine kommunalpolitische Diskussion in Altenburg statt.

Marlies Neumann

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