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Raus aus der Abhängigkeit,rein in ein neues Leben

Raus aus der Abhängigkeit,rein in ein neues Leben

Wie lange er zu diesem Zeitpunkt schon als alkoholkrank bezeichnet werden konnte, vermag Rottstedt nicht zu sagen. Seit der Jugend gehörte Alkohol immer mal wieder zum Leben dazu.

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Holzwerkstatt Korizonte Altenburg Florian Engelbrecht in der Werkstatt Betroffenen

Quelle: Mario Jahn

Schleichend wich der Genuss einem Zwang. "Inzwischen hat das abgenommen, es gibt auch wieder andere Gedanken", beschreibt er heute.

 

Denn seit gut einem Jahr ist Rottstedt einer von 14 Menschen, denen in der Tagesklinik für Suchtkranke des Psychosozialen Diakoniezentrums Horizonte geholfen wird. Alle von ihnen haben aufgrund des jahrelangen Alkoholkonsums und den daraus resultierenden Folgeerkrankungen vorher nur noch schwer am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. "Viele von ihnen hatten auch keine Arbeit mehr", sagt Nina Haarfeldt, Leiterin der Tagesstätte, die in dieser Woche zum Tag der offenen Tür eingeladen hatte. "Damit fehlt etwas ganz Tragendes. Wenn die Arbeit wegfällt, ist oft auch die Motivation, den Tag für sich zu strukturieren, nicht mehr da."

 

Doch es gibt auch die anderen Fälle, diejenigen, die einen Job haben und ihre Sucht verstecken können. Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit sind bei den Suchterkrankungen im Altenburger Land nach wie vor am verbreitetsten. Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen waren 2013 rund 2000 Menschen im Landkreis alkoholkrank. Mehr als zwei Drittel der Fälle, die 2013 bei der Horizonte-Suchtberatungsstelle Hilfe suchten, hatten mit Alkohol als Suchtmittel zu kämpfen. Natürlich ist nicht für alle die 2006 eröffnete Tagesstätte der richtige Weg aus der Sucht. "Aber es gibt viele Angebote. Ich bin sehr froh, dass wir im Landkreis eine sehr gute Vernetzung haben", sagt Nina Haarfeldt.

 

Den Menschen, die in der Tagesstätte betreut werden, fehlt vor allem der geregelte Tagesablauf. "Vielen hilft es schon, dass sie hier sind, um ohne Alkohol über den Tag zu kommen", beschreibt Haarfeldt. Täglich sechs Stunden verbringen die Betroffenen in der Einrichtung, in der selbstverständlich absolutes Alkoholverbot gilt. In Holz- und Keramikwerkstatt, Korbflechterei, im Garten oder in der Küche nehmen sie Aufgaben wahr, müssen Verantwortung für sich und andere tragen. "Es ist ein ganz normaler Alltag, den wir leben", sagt Haarfeldt. Gemeinsames Frühstücken, Kochen und Einkaufen, dazu Gespräche, Freizeitaktivitäten und natürlich die sinnvolle Beschäftigung. "In der Holzwerkstatt restaurieren wir Sachen oder bauen neue, maßangefertigte Möbel", beschreibt Mitarbeiter Florian Engelbrecht ein Beispiel dafür. "Ich halte nicht viel von Laubsägearbeiten, es soll schon etwas Nützliches sein."

 

Die 14 Plätze der Tagesstätte sind immer belegt. Häufig gibt es zudem eine Warteliste für diejenigen, deren Wiedereingliederungshilfe, wie es im Amtsdeutsch heißt, bereits genehmigt wurde. Denn bis die Klienten, wie Haarfeldt und ihre vier Mitarbeiter die Betroffenen nennen, wieder in ein geregeltes Leben oder eine ambulante Hilfeform entlassen werden können, braucht es seine Zeit. Im Schnitt dauert der Prozess drei Jahre, schätzt die Leiterin. "Aber das ist sehr unterschiedlich, manche bleiben ein Jahr, eine der Frauen ist schon von Beginn an hier." Auch was danach kommt, variiert: Arbeit, berufliche Rehabilitation, langfristige Entwöhnungsberatung oder auch Abbruch des Versuchs, vom Alkohol loszukommen.

 

Nicht immer ist es einfach, bei den Süchtigen auch die Motivation zu wecken, langfristig abstinent zu bleiben. "Eine Abstinenzmotivation aufzubauen, ist natürlich unser Ziel, auch wenn wir wissen, dass nicht alle abstinent sein werden", sagt Haarfeldt. Dafür finden regelmäßig Gespräche statt, nicht nur mit den Mitarbeitern, sondern auch zwischen den Betroffenen. Für Rottstedt hilft dieser Austausch mit anderen Abhängigen: "Wer das nicht selbst erlebt hat, kann es kaum nachvollziehen." Er lebt nicht vollständig abstinent, schätzt seinen Konsum aber inzwischen als kontrolliert ein. Das Leben in der Tagesstätte gebe ihm Halt. "Es ist wie eine Familie", sagt er. Zu einigen seiner ehemaligen Bekannten habe er inzwischen keinen Kontakt mehr, dafür andere Freunde gefunden. "Es hilft mir."

Jenifer Hochhaus

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Von Redakteur Jennifer Hochhaus

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