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Remsaer Straße dicht: Altenburger Firmen fürchten um Existenz

Neue Abwasserleitung Remsaer Straße dicht: Altenburger Firmen fürchten um Existenz

Wegen des Neubaus einer Abwasserdruckleitung und damit verbundenen Verkehrseinschränkungen herrscht Gewitterstimmung bei Unternehmen entlang der Remsaer Straße. Durch die geplante abschnittsweise Vollsperrung von Mitte Mai bis Ende November dieses Jahres fürchten einige Firmen sogar um ihre Existenz.

Die Remsaer Straße soll von Mitte Mai bis Ende November abschnittsweise voll gesperrt werden. Einigen Firmen im Gewerbegebiet bereitet das Bauchschmerzen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Graue Wolken über dem Gewerbegebiet Poschwitz: Wegen des Neubaus einer Abwasserdruckleitung und damit verbundenen Verkehrseinschränkungen herrscht Gewitterstimmung bei Unternehmen entlang der Remsaer Straße. Durch die geplante abschnittsweise Vollsperrung der Verbindung nach Wilchwitz von Mitte Mai bis Ende November dieses Jahres fürchten einige Firmen sogar um ihre Existenz. Der Wasserver- und Abwasserentsorgungsbetrieb Altenburg (Waba) als Auftraggeber und die zuständigen Planer beruhigen die Betroffenen und wollen die Zufahrt zu deren Grundstücken trotz des am Monatsende beginnenden Baugeschehens gewährleisten. Allerdings steht bisher wenig fest, was Skepsis schürt.

Die Sperrung komme in seinem Fall drei Monaten Betriebsschließung gleich, sagte Chris Barth auf einer Einwohnerversammlung Anfang der Woche. „Das ist existenzbedrohend.“ Der Kfz-Meister betreibt in der Remsaer Straße die Firma CVB Automobile, die Fahrzeuge repariert und damit handelt, und hat inzwischen sechs Angestellte. Er könne auch keine Lieferungen bei der Baufirma vorher anmelden, weil er einen Durchlauf von etwa 50 Autos am Tag habe. „Wir kümmern uns individuell um Ihr Problem, kommen auf Sie zu und zwar bis die Baustelle Sie erreicht“, versicherte Waba-Werkleiter Martin Wenzel. Zuvor hatte bereits Projektleiter Michael Mädler dem Kfz-Meister Barth und weiteren Betroffenen angeboten: „Zur Not schottern wir was auf, machen eine Überfahrt oder einen Zaun auf.“ Details müsse man im Einzelfall klären.

Darauf hofft auch Helga Jungbeck, die die Situation und Lösungen dafür mit der Baufirma bei einem Vor-Ort-Termin nach Ostern besprechen will. „Da muss man uns verbindlich zusichern, dass die Zufahrt von einer Seite immer gewährleistet ist“, so die Geschäftsführerin der Altenburger Senffabrik, zu der auch ein Geschäft für den Werksverkauf und die Kochschule „Senfonie“ gehören. „Wir können uns keinen Tag ohne leisten. Wenn es zur Vollsperrung kommt, können wir Insolvenz anmelden.“ Das Absprechen von Zufahrten sei angesichts der Menge an Lieferanten, Kunden und rund 30 Mitarbeitern nicht praktikabel. „Ich kann doch einem Spediteur keinen Zeitkorridor vorgeben.“

Große Befürchtungen hat auch Rolf Benkert vom gleichnamigen Autohaus. „Der Kunde ist ein scheues Wesen“, sagte er. Sehe der ein Sackgassen-Schild, drehe er gleich wieder um und bliebe für immer fern. „Wir haben 2000 Kunden, die kommen aber in der Regel nur einmal im Jahr.“ Zudem erinnerte Benkert daran, dass die Altenburger Wallstraße einst eine belebte Einkaufsmeile war. „Bis sie saniert wurde und mehrere Monate gesperrt war.“ Seither sei sie tot.

Darüber hinaus betrifft die Sperrung der Remsaer Straße zwischen Lindenweg und Am Poschwitzer Park weitere Firmen sowie einzelne Anwohner, die ebenfalls verunsichert sind, weil die Bauphasen und damit die exakten Zeiträume der Sperrung noch nicht endgültig terminiert sind. Umgeleitet wird der Verkehr dann über die Ortsumfahrung. „Wir bauen abschnittsweise, keiner wird für Monate unerreichbar sein“, so Wenzel, der versicherte, dass die genauen Sperrungen rechtzeitig bekannt gegeben werden. Das reicht aber einigen Unternehmern nicht. Sie prüfen nun rechtliche Schritte gegen die gesamte Maßnahme.

Konkret geht es bei dem 5,6 Millionen teuren Projekt um den Bau einer 7,4 Kilometer langen Abwasserdruckleitung samt zweier Pumpstationen und eines Regenrückhaltekanals sowie um die weitere Erschließung von Brachen im Gewerbegebiet Poschwitz. Damit soll zugleich dem Gestank im bisherigen Abwasserkanal entlang der Brunnenstraße und am Richard-Wagner-Platz ein Ende gemacht werden. Die neue Leitung führt von der Remsaer über die Leipziger Straße in die Kauerndorfer Allee. Vor der Bahnbrücke wird sie über die Rasephaser Straße, Alte Poststraße und den Denkmalring in Knau nach Gerstenberg und von da in die Kläranlage Primmelwitz geführt. Bis September 2018 will man fertig sein. Laut Waba wird es aber keine weiteren Vollsperrungen entlang der Trasse geben, weil für das weitere Verfahren nur einzelne Baugruben benötigt werden.

Das Land Thüringen fördert das Vorhaben mit 4,9 Millionen Euro, weshalb laut Wenzel keine Ausbaubeiträge anfallen. Den Rest der Summe teilen sich die Stadt Altenburg und die Südost Fleisch GmbH. Weitere Details dazu sind nicht bekannt, weil Stillschweigen vereinbart wurde. Fest steht aber, dass der Schlachthof und dessen Kapazitätserhöhung Hauptgrund für den Neubau ist. Hinzu kommt, dass das 1,8 Hektar große Nachbargrundstück des Schlachthofes für damit zusammenhängendes Gewerbe genutzt werden soll. Nach OVZ-Informationen handelt es sich dabei um eine mit Südost Fleisch verbundene Firma, die Schlacht-Utensilien reinigen wird.

Von Thomas Haegeler

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