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Richter: "Junge Drogenkonsumenten haben vor Strafen keine Angst mehr"

Richter: "Junge Drogenkonsumenten haben vor Strafen keine Angst mehr"

Das Drogenproblem bei Jugendlichen sei viele Jahre nicht ernst genommen worden und erst in den Fokus gerückt, als die Beschaffungskriminalität zur Verunsicherung der Bevölkerung führte.

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Richter Henning Sievers.

Quelle: Mario Jahn

Zu dieser Einschätzung kommt der Direktor des Amtsgerichts Altenburg, Henning Sievers, der auch das Jugendgericht leitet. Sievers berichtete kürzlich auf einer Pressekonferenz von erschütternden Schicksalen Betroffener und forderte ein entschiedeneres Vorgehen sowohl auf Landkreis- als auch auf Bundesebene.

 

Nach Ansicht des Jugendrichters geht der Anstieg von Drogenkonsum unter Jugendlichen seit etwa fünf Jahren vonstatten. Diese Entwicklung habe die Öffentlichkeit erst in der nächsten Stufe gespürt, als nämlich die Beschaffungskriminalität zunahm. Die Folge davon sei, dass die Arbeit des Jugendgerichts nun massiv davon geprägt sei, sagte Sievers. Die betroffenen jungen Leute - teilweise seien dies halbe Kinder - begingen massiv Straftaten, bei denen die Beute gering sei, beispielsweise Einbrüche in Kinderhorte, wo es nichts zu holen gibt, womöglich nur die Kaffeekasse. Bei der Erbeutung kleiner Beträge würden jedoch große Schäden angerichtet. Für Sievers seien dies die typischen Erkennungsmerkmale der Beschaffungkriminalität.

 

Die Hauptdroge unter Jugendlichen sei mit großem Abstand Crystal meth. Sie mache die Betroffenen völlig gleichgültig. "Sie haben vor einer Entdeckung keine Angst und auch nicht vor Strafen", sagte der Jugendrichter. Anfangs würden die Angeklagten mit ein paar Arbeitsstunden bestraft, was aber nichts bringt, weil sie diese ohnehin nicht ableisten. "Die gehen da einfach nicht hin." Auch die meist folgende Androhung von Arrest verpuffe, weil die Beschuldigten nicht einmal zur Anhörung erscheinen und von der Polizei geholt werden müssen. "Aber auch das ist denen egal", schilderte Sievers eine bekannte Folge des Crystal-Konsums.

 

Die Betroffenen seien mittlerweile zwischen 14 und 16 Jahre alt und würden mit 13 mit dem Konsum beginnen. Er verzeichne einen erheblichen Bestandteil von jugendlichen Straftätern mit Drogen-Hintergrund, die teilweise bereits richtig süchtig oder davor sind, es zu werden. Wenn diese Menschen vor Gericht landen, sei es bereits zu spät. Deshalb fordert der Gerichtsdirektor, dass das Abdriften der gefährdeten Jugendlichen in die Szene rechtzeitig verhindert werden muss. Sie dort wieder herauszuholen, ist Sievers zufolge bei einer Rückfallquote von 80 Prozent wenig Erfolg versprechend, obwohl in diesem Bereich große Geldbeträge bereitgestellt wurden. "Die Erfolge sind letztendlich nicht so toll", schätzte der Richter ein. Daher müsse zum Beispiel die Aufklärung in den Schulen verstärkt und die Schicksale der Junkies beispielsweise mit Fotos geschildert werden. Erst kürzlich habe er junge etwa 26-jährige Frauen gesehen, die über Jahre Crystal konsumiert hatten. "Sie sahen aus, wie der Tod auf Latschen. Das müssen wir unseren Kindern sagen".

 

Als weiteren Schritt forderte Sievers, endlich die Nachschubwege aus Tschechien zu unterbinden. "Das ist so gut wie nicht passiert." Nach wie vor kommen großen Mengen ins Land, wodurch Crystal für wenig Geld zu haben ist, der Kreis der Betroffenen immer größer wird und sich auch im Landkreis eine Zeitbombe entwickelt. "Dafür muss auf Bundesebene das Problembewusstsein hergestellt werden, indem wir alle laut genug sagen, was bei uns hier passiert."

 

Trotz der Warnungen des Richters behaupten Polizei und führende Politiker des Kreises, dass das Altenburger Land kein überdurchschnittlich hohes Drogenproblem hat. Zahlen dafür wurden bislang nicht präsentiert. Ein lokales Bündnis will nun die Kräfte im Kampf gegen Konsum und Beschaffungskriminalität bündeln.

Jens Rosenkranz

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