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Riesen-Interesse an „Altenbourg in Altenburg“

Lindenau-Museum Riesen-Interesse an „Altenbourg in Altenburg“

Die Museumsmitarbeiter waren nur am Räumen. Immer neue Stühle mussten herangeschafft werden. Es reichte dennoch nicht. Über 200 Besucher strömten am Sonntagvormittag ins Lindenau-Museum. Der Grund: Altenburg ehrt Altenbourg zu dessen 90. Geburtstag. Das Museum zeigt erstmals die Sammlung Pfäffle und gewährt einen Blick durchs Schlüsselloch.

Museumsdirektor Roland Krische zeigt dem Thüringer Kulturminister Benjamin Immanuel Hoff eine Zeichnung von Altenbourg.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Die Museumsmitarbeiter waren nur am Räumen und Organisieren. Immer neue Stühle mussten herangeschafft, immer neue Gäste willkommen geheißen werden. Am Ende wurden sogar die kleinen blauen Klappdinger, die eigentlich für Kinderveranstaltungen gedacht sind, bereitgestellt. Es reichte dennoch nicht. Gut und gerne über 200 Besucher strömten am Sonntagvormittag ins Altenburger Lindenau-Museum – so viele wie seit Jahren nicht bei einer Ausstellungseröffnung. Der Grund: Altenburg ehrt Altenbourg. Jenen Maler und Grafiker also, der am 22. November vor 90 Jahren als Gerhard Ströch das Licht der Welt erblickte und sich später nach seiner Heimatstadt benannte, schick französisiert freilich.

Das Jubiläum zum Anlass nehmend, will das Haus an der Gabelentzstraße nachhaltig und eindrücklich an jenen Freigeist erinnern, der den Skatstädter zu Lebzeiten kaum bekannt war und in der DDR so ganz und gar nicht ins Bild vom sozialistischen Realismus passte. Und das Museum tut dies gleich in mehrfacher, überaus beeindruckender Weise.

Da ist zum einen jene die Sammlung, die das Ehepaar Suse und Werner Pfäffle aus Leinfelden-Echterdingen (Baden-Württemberg) im Vorjahr dem Lindenau-Museum als Schenkung überließ. Das sind 24 Grafiken und ein Messingguss, die nun im ersten Raum der Sonderausstellung zum erstmals in Gänze der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Und da ist zum anderen der Blick auf Gerhard Altenbourg, wie es in bislang so nicht gegeben hat. Man ist fast geneigt zu sagen ein Blick durchs Schlüsselloch ins Privathaus von Altenbourg, das er bis ins kleinste Detail als Gesamtkunstwerk gestaltete. Zu sehen sind etwa zwei kunstvoll verzierte Türen sowie auf einem Monitor Fotografien, die Ulrich Lindner wenige Monate nach dem Tod des Künstlers – er starb am 30. Dezember 1989 an den Folgen eines Autounfalls – aufgenommen hat. Kombiniert wird dies mit neueren Aufnahmen aus den Jahren 2013 und 2016 von Claus Bach. Durch Glasvitrinen wird last but not least ein Blick in die umfangreiche Bibliothek des viel belesenen Künstlers gewährt – mit einer Auswahl von Büchern und Autorennamen.

Entsprechend groß war die Namensliste der Gäste, die dieser ergreifenden wie informativen Vernissage beiwohnten. Allen voran der Thüringer Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff und Landrätin Michaele Sojka (beide Linke). Diese Ausstellung sei nicht zuletzt ein Beitrag zur Aufrechterhaltung der Freiheit der Kunst gegenüber all jenen, die das in Frage stellen wollen, so Hoff. Denn Altenbourg sei von der DDR lange ignoriert worden, weil sein Werk nicht zur staatlich anerkannten Kunst passte. Er habe deshalb einen Rückzug nach innen angetreten und erst mit 60 wenige Jahre vor seinem Tod durch Retrospektiven in Altenburg, Leipzig und Berlin öffentliche Anerkennung erfahren. Der Minister betonte angesichts der Schenkung, deren Wert auf rund eine halbe Million Euro taxiert wird, zudem den Wert des Mäzenatentums.

„Ich bin überwältigt“, gestand Michaele Sojka in ihrem Grußwort. Denn sie habe schon zahlreiche Ausstellungen eröffnet, aber so etwas noch nicht erlebt, so die Politikerin angesichts des riesigen öffentlichen wie medialen Interesses. Mit der Sammlung Pfäffle habe das Lindenau-Museum, das ohnehin über die größte Sammlung von Altenbourg-Werken verfügt, diese noch einmal deutlich erweitert. Sojkas ausdrücklicher Dank ging deshalb an das betagte Ehepaar, das krankheitsbedingt leider nicht an der Vernissage teilnehmen konnte.

Der neue Museumsdirektor Roland Krischke richtete seinen Dank zudem an seine Vorgängerin Julia M. Nauhaus, die maßgeblichen Anteil daran hat, dass die private Sammlung nach Altenburg kam. Krischke tat dies angesichts der Querelen um Nauhaus’ Ausscheiden, angenehm sachlich. Nicht zuletzt zeichnet seine Vorgängerin auch für einen der beiden zur Ausstellung erschienenen Kataloge verantwortlich.

Zwei Kataloge sind zur Ausstellung erschienen – Museumsmitarbeiterin Angelika Wodzocki präsentiert die sehens- und lesenswerten Werke

Zwei Kataloge sind zur Ausstellung erschienen – Museumsmitarbeiterin Angelika Wodzocki präsentiert die sehens- und lesenswerten Werke.

Quelle: Mario Jahn

Aus ihrer Absicht, die Ausstellung noch zu ihrer Amtszeit zu zeigen und sie auch zu kuratieren, wurde allerdings nichts. Diese Aufgabe übernahm der renommierte Kunsthistoriker Lucius Grisebach aus Zürich, nach eigenen Aussagen „ein alter Freund“ des Museums. Der 75-Jährige, vier Jahrzehnte in Berliner und Nürnberger Museen tätig, bezeichnete sein Wirken in Altenburg als großes Vergnügen: „Ich gebe zu, ich habe meine Rolle sehr genossen.“

Eröffnet wurde die Ausstellung, die noch bis zum 5. März zu sehen ist, durch eine mit großem Beifall bedachten Uraufführung: Sechs Gesänge nach Gedichten von Gerhard Altenbourg, dargeboten von Musikern das Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera und Bass-Bariton Ulrich Burdack.

Von Ellen Paul

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