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Altenburg Riesenandrang in den Gemächern des Herzogs
Region Altenburg Riesenandrang in den Gemächern des Herzogs
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17:06 26.09.2017
Riesenandrang am Eröffnungstag in den herzoglichen Gemächern – wie hier in der weitgehend erhaltenen Bibliothek. Quelle: Klaus Peschel
Altenburg

Seit dem Wochenende ist die neue Dauerausstellung auf dem Altenburger Residenzschloss der Öffentlichkeit zugängig. Sie nennt sich „Herzogliche Gemächer 19./20. Jahrhundert“. Gefeiert wurde die Eröffnung mit einer Video-Performance im Festsaal des Schlosses sowie einem kleinen Rahmenprogramm an beiden Wochenendtagen. Dies schloss eine Podiumsdiskussion ein und Führungen durch die herzoglichen Gemächer. In einem Café-Garten im kleinen Schlosshof sorgte die Gastwirtschaft Kulisse mit einem Imbissangebot, Getränken und Baiser-Törtchen der ehemaligen Hofbäckerei Café Volkstädt für das leibliche Wohl. Damen und Herren der Altenburger Mitspielerakademie mischten sich in historischen Kostümen unter das Volk. Zu einem Höhepunkt gestaltete sich am Samstagabend ein Konzert in der Schlosskirche. Unter dem Motto „Nacht der erleuchteten Kirche“ spielten Schlossorganist Felix Friedrich und die Band Takayo (siehe nebenstehenden Text).

Knapp 100 Jahre sind seit der Abdankung des letzten Herzogs von Sachsen-Altenburg im Jahr 1918 vergangen. So lange hat es gedauert, bis die historische Flucht der fürstlichen Prachträume der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich gemacht werden. Das ist, ob der langen Dauer öffentlicher Abwesenheit, für das Residenzschloss und die Stadt Altenburg schon ein Ereignis mittlerer historischer Dimension. Dieses sollte deshalb nicht althergebracht ins rechte Licht gerückt werden, sondern mittels einer Performance die ihm gebührende Aufmerksamkeit erlangen. Die knapp zwei Stunden am frühen Sonnabendnachmittag erwiesen sich als eine Zeitreise in die Gegenwart. Sie fand statt auf einer großen Videoleinwand, im Festsaal des Schlosses und im historischen Ambiente der herzoglichen Räume.

Die Thüringer Staatskanzlei war durch Babette Winter, Staatssekretärin für Kultur und Europa, vertreten. Es sei schon eine etwas ungewöhnliche Ausstellungseröffnung, an der sie teilnehme, sagte sie. Zeigte sich jedoch nicht überrascht, da bereits vor Wochen in Erfurt die Bitte der Stadt Altenburg um ein Ministergrußwort per Videobotschaft einging. So war es denn auch Benjamin-Immanuel Hoff, der auf der Videowand die Veranstaltung eröffnete. Die Bedeutung der Herzöge von Sachsen-Altenburg sah der Minister vor allem in deren Rolle als Modernisierer und Förderer der Kunst. Den Worten folgte die Musik und mit ihr Rashmi Torres. Die junge Sängerin und Tänzerin hatte den Hauptpart der Performance zu leisten. An ihrer Seite der Pianist Torsten Kahle und der Schlagzeuger Ekkehard Dreßler. Insgesamt waren es 30 Akteure, die an der multimedialen Performance beteiligt waren. Sie agierten hauptsächlich in den herzoglichen Gemächern, ihr Tun wurde auf die Leinwand im Festsaal übertragen. Die Herzöge kamen per Videobotschaft zu Wort, Schauspieler des Altenburger Theaters gaben ihnen Stimme und Gestalt.

Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) hob zur Ausstellungseröffnung die enge Zusammenarbeit mit dem Theater, dem Lindenau-Museum und dem Mauritianum hervor. Gelebte Partnerschaft in der Stadt habe die neue Dauerausstellung erst ermöglicht. Wolf sieht in den herzoglichen Gemächern mehr als nur einen musealen Zugewinn. Er sagte: „Dieser neue Ausstellungsbereich hat eine touristische Schlüsselfunktion und ist damit ein doppelter Schatz. Neben dem Blick in die wunderschönen neuen Bereiche des Schlosses ist die Ausstellung ein Schaufenster in die Geschichte Mitteldeutschlands.“

Am Ende der Performance stürmten die Akteure aus den fürstlichen Räumen von der Videoleinwand herab in den Festsaal. Dort wurden sie mit viel Applaus gefeiert. Die Gäste der Ausstellungseröffnung nahmen daraufhin Beschlag von den Gemächern. Dort wurde es eng und mitunter wurde auch ein wenig geschupst und geschoben. Das Alexandra-Zimmer, die Bibliothek, das Jagdzimmer … Man war schneller durch, als man es sich wünschte.

Ob das neue künstlerische Ausstellungskonzept von den Besuchern angenommen wird, lässt sich nach einem ersten Wochenende noch nicht sagen. Zurück bleibt aber der Eindruck, dass die ersten Neugierigen die neue Dauerausstellung nicht als eine verstaubte Angelegenheit gesehen haben. Die Exposition zeigt: Wenn man sich Herzöge als junge Leute vorstellt, kann Geschichte in der Gegenwart ankommen. Da werden auch ein Bahnhof und ein regionaler Flugplatz – immerhin den Altenburger Herzögen zu verdanken – sehr lebendig.

Die nächsten Führungen: Sonnabend, 30. September; Sonntag, 1. Oktober; Sonnabend, 7. Oktober; Sonntag, 8. Oktober jeweils um 10, 12, 14 und 16 Uhr. Ab 14. Oktober jeweils sonnabends um 14 und sonntags um 11 Uhr.

Von Klaus Peschel

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