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Romy Schindler wird 2006 Kirmeskönigin in Rositz

OVZ-Serie „Schlagzeilen aus 25 Jahren“ Romy Schindler wird 2006 Kirmeskönigin in Rositz

„Ach, das war schon eine schöne und vor allem interessante Zeit“, meint Romy Schindler beim Durchblättern der alten Zeitungsartikel. Im Juni 2006 wurde sie zur 9. Rositzer Kirmeskönigin gewählt – und das, obwohl es in diesem Jahr eigentlich gar keine Kirmes gab.

Juni 2006: Die Kirmeskönigin Romy Schindler – damals noch Romy Schneider – mit Lisa und Lena (r.) den Blumenmädchen.

Quelle: Mario Jahn

Rositz. „Ach, das war schon eine schöne und vor allem interessante Zeit“, meint Romy Schindler beim Durchblättern der alten Zeitungsartikel. Im Juni 2006 wurde sie zur 9. Rositzer Kirmeskönigin gewählt – und das, obwohl es in diesem Jahr eigentlich gar keine Kirmes gab. Inthronisiert wurde Romy Schneider, wie die junge Frau damals mit Mädchennamen hieß, im Rahmen der 852-Jahrfeier der Ersterwähnung von Rositz. „Mich hatte die damalige Bürgermeisterin Petra Sporbert gefragt, ob ich Kirmeskönigin werden würde“, denkt die Kindergärtnerin zurück.

Nach der Wende wurde die Kirmes unter der Federführung des Heimatvereins Rositz begründet. „Ich weiß zwar nicht, ob Feste das Wichtigste sind, sie gehören doch dazu und müssen sein, zum Fördern des Gemeinsinns gerade auf dem Dorf. Und die Leute möchten ja auch etwas geboten bekommen“, findet Petra Sporbert (SPD). Deshalb hat sie in ihrer Amtszeit selbstverständlich weitergeführt, was 1990 anfing – quasi als Erbe der Markttage, die zu DDR-Zeiten Tausende Besucher nach Rositz lockten. Doch zur Kirmes sollten weniger die Händler im Mittelpunkt stehen, sondern vielmehr die Pflege der bäuerlichen Tradition des Altenburger Landes. Wofür nicht zuletzt die Tracht der Kirmeskönigin steht, die 1995 erstmals gekürt wurde.

Eigentlich sei so etwas gar nicht ihres, meint Romy Schindler. Im Mittelpunkt zu stehen und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, das braucht sie eigentlich nicht, sagt sie der OVZ. Aber sie ließ sich 2006 überreden. Sie wollte ihren Heimatort nicht hängenlassen, der intensiv nach einer Kirmeskönigin suchte. „Warum auch immer – damals war das Interesse unter den jungen Frauen im Ort zurückgegangen“, erinnert sich Sporbert.

In den 1990er-Jahren gab es regelmäßig mehrere Bewerberinnen, aus denen Jahr für Jahr die Geeignetste ausgewählt werden konnte. Dazu führte Rositz sogar einen Wissenstest mit Fragen zur Gemeinde ein. Den musste die potenzielle Kirmeskönigin bestehen, denn von Anfang an war sie nicht nur da, um einmal im Jahr den Kirmesumzug zu schmücken. Die Rositzer Kirmeskönigin ist nämlich in erster Linie Botschafterin ihrer Gemeinde und des Altenburger Landes.

„Ich kannte das schon ein wenig aus Erzählungen, weil eine Schulfreundin Kirmeskönigin war“, so Romy Schindler. Dennoch war es für die damals 24-Jährige der Sprung kopfüber ins kalte Wasser. „Für mich war es nicht leicht“, gesteht sie ein. War es bei ihrem ersten Auftritt – der Fahrt in der Kutsche beim Jubiläumsumzug – „nur“ die Aufregung, kam bei Terminen außerhalb erschwerend dazu, dass sie niemanden kannte. „Klar gewöhnt man sich irgendwann daran und lernt Leute kennen, ich habe es ja dann auch drei Jahre gemacht. Das Lampenfieber gerade bei Auftritten, wo ich eine Rede halten musste, blieb aber bis zum Schluss.“ Zwischen 30 und 50 Termine, schätzt sie, hätte sie in ihrer Amtszeit absolviert.

Volksfeste in Thüringen und Mitteldeutschland gehörten ebenso dazu wie Empfänge und Messen oder auch mal eine TV-Aufzeichnung. „Beim Fernsehen – das war, glaube ich, mein schlimmstes Erlebnis“, erzählt sie. Einen ganzen Tag hätte der Dreh gedauert. „Die Volksmusik-Sendung wurde gleich zwei Mal hintereinander mit unterschiedlichem Publikum aufgezeichnet. Das ist dort eigentlich alles nur Show. Die Musik war komplett Playback und sowie so nicht mein Ding. Und ich habe mehr rumgesessen und gewartet als alles andere. Dabei habe ich überhaupt kein Sitzfleisch“, schildert sie lächelnd die Anekdote.

Derweil war das Schönste ihrer Kirmesköniginnenzeit, dass sie fast die gesamte Zeit ihre Tochter Marie an der Seite hatte, weil die parallel Rositzer Blumenmädchen war. „So konnte ich eben immer meine Familie zu den Terminen mitnehmen“, denkt Romy Schindler an ihre dreijährige Amtszeit zurück. Diese endete 2008 zur Kirmes mit der Krönung von Susann Volkmann. „Die erste Zeit bin ich mit ihr mitgefahren. Zum einen war Marie noch Blumenmädchen, und zum anderen wollte ich, dass Susann es nicht so schwer hat wie ich am Anfang“, so die Kindergärtnerin.

Heute habe sie nur noch wenig mit Kirmes und Kirmeskönigin zu tun. Familie, Arbeit, der Garten und der Verein, Romy Schindler ist Co-Trainerin der Rositzer Einradfahrerinnen, da bleibe auch wenig Zeit. Ungeachtet dessen meint die gebürtige Rödigerin rückblickend, sei ihre Verbundenheit zu Rositz durch die Zeit als Kirmeskönigin gewachsen. Und sie habe viel gelernt. „Obwohl ich das damals nicht als lernen empfunden habe, sondern als mitnehmen“, sagt die 35-Jährige. Beworben hätte sie sich nie, gesteht Romy Schindler, doch die Kirmeskönigin als Botschafterin der Kommune und des Landkreises hält sie für wichtig. Und ist deshalb froh, dass die Tradition bis heute fortlebt.

Von Jörg Reuter

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