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Ronja Meinhardt ist Thüringens beste Vorleserin

Schülerwettbewerb Ronja Meinhardt ist Thüringens beste Vorleserin

Ronja Meinhardt liebt das Lesen. Durch ihre Leidenschaft und ihr Talent wurde die Meuselwitzerin bereits Thüringens beste Vorleserin. Nun misst sich die Elfjährige im Bundesfinale in Berlin mit 15 weiteren Bücherwürmern. Nervös macht die Schülerin des Altenburger Spalatin-Gymnasiums das bisher aber nicht.

 Fährt zum Bundesfinale des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels in Berlin: Ronja Meinhardt aus Meuselwitz.
 

Quelle: Maik Schuck

Altenburg/Meuselwitz.  Im Leben von Ronja Meinhardt ist in den vergangenen Wochen viel passiert. Erst der Gewinn des Thüringen-Titels als beste Vorleserin beim Wettbewerb des Deutschen Buchhandels, wofür die Elfjährige von ihren Mitschülern des Spalatin-Gymnasiums Altenburg wie ein kleiner Popstar gefeiert wurde. Dann folgte die Einladung von zwei Klassen der Grundschule ihrer Heimatstadt Meuselwitz. Und nun geht es für die Leseratte zum Bundesfinale des Vorlese-Wettstreits nach Berlin.

Obwohl der große Tag unweigerlich näher rückt, sucht man Anzeichen von Nervosität bei Ronja vergeblich. „Jetzt bin ich nicht nervös“, bestätigt die Sechstklässlerin. Das ändere sich jedoch kurz vor dem Auftritt. „Da bin ich dann total nervös.“ Dagegen helfe ihr, den Text im Kopf noch einmal kurz durchzugehen. „Wenn ich lese, geht das aber ganz schnell weg.“ Beim Lesen selbst taucht sie in die Geschichte ein und vertraut auf ihre große Stärke: die Betonung. „Wenn man vorn sitzt und liest, hat man eh keine Zeit, nervös zu sein.“

Ihr Talent in Sachen Betonung nennt die Meuselwitzerin „meinen Trick“. Aber sie weiß auch, dass sie das nicht überstrapazieren darf, damit sich der Effekt nicht abnutzt. Deshalb hat sie Dinge wie die Betonung vor ihren Auftritten nicht geübt, sondern eher an ihren Schwächen wie dem flüssigen Lesen gearbeitet. Daher ist ihr Kritik auch sehr wichtig. „Insgesamt übe ich nicht so oft“, meint Ronja. Sie befürchtet, die Texte am Ende auswendig zu können und dann zu stocken, wenn sie mal einen Hänger hat. „Außerdem kommt es auf den Moment an – entweder es wird oder nicht.“ Und: Sie wolle mit dem Lesen überzeugen.

Das hat sie zweifellos. Mit ihren Auftritten setzte sie sich Runde für Runde durch – in ihrer Klasse, an der Schule, im Kreis, in der Region bis hin zum Land. Dabei entwickelte sich ihre beige Mütze mit Tiermotiv zu ihrem Markenzeichen. Trug sie die Kopfbedeckung in der ersten Runde noch rein zufällig, wurde sie danach zu ihrem Glücksbringer. Der wird auch in Berlin wieder dabei sein – egal wie warm es ist.

Trotz des Erfolgs und der Popstar-Feier hat sich der Umgang ihrer Mitschüler mit ihr nicht geändert. „Der ist ganz normal geblieben“, erzählt Ronja. Dennoch hat sie sich über den Brief der Klassen 3a und 3b der Grundschule Meuselwitz mit der Einladung zum Vorlesen und einer Fragerunde riesig gefreut. Gelesen hat sie dort „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ und das ukrainische Volksmärchen „Hähnchen Schreihals“. „Das war cool“, sagt die Schnauderstädterin. „Auch weil ich etwas von meiner Begeisterung weitergeben konnte.“

Apropos Begeisterung fürs Lesen: Die wurde Ronja zwar nicht in die Wiege gelegt, dafür aber beizeiten ins Ohr gesäuselt. Denn früh begannen ihre Eltern, ihr vorzulesen. Besonders gut kann sich Ronja dabei noch an die Reihe „Fünf Freunde“ von Enid Blyton erinnern. Als sie in der 1. Klasse war und noch nicht so gut lesen konnte, hat sie ihre Mutti ständig gefragt, was dieses oder jenes Wort heißt. Und Manuela Meinhardt erklärte es ihr geduldig. „Irgendwann habe ich die Bücher dann selbst gelesen und mich gesteigert“, sagt Ronja und lacht. Denn inzwischen ist sie bei Themen wie Mord und Totschlag angekommen, verschlingt bevorzugt Krimis und Thriller. „Da passiert immer etwas, es ist spannend und man kann eintauchen und miträtseln, wer der Täter ist.“

Gefördert wurde Thüringens beste Vorleserin aber nicht nur zu Hause, sondern auch an der Känguru-Grundschule in Ehrenberg, wo sie bereits mehrfach Lesekönigin war. Das setzte sich am Spalatin-Gymnasium fort. Ihr Deutschlehrer Dr. Carsten Morsch sorgte auch dafür, dass sie den Termin an der Meuselwitzer Grundschule wahrnehmen konnte und plädierte dafür, dass die ganze Klasse zum Bundesfinale nach Berlin fährt. „Aber das wird leider nichts“, meint Ronja. Denn zeitgleich läuft an der Schule die Projektwoche, bei der alle Lehrer eingespannt sind und es deshalb an Aufsichtspersonal fehle.

Ein kleiner Fanclub von fünf Freundinnen begleitet Ronja dennoch in die Hauptstadt. Das findet sie schon deshalb gut, weil sie sich dann direkt vor dem Auftritt besser ablenken kann. „Sonst bin ich so aufgeregt“, sagt die Elfjährige. Das ist ihre Mutter Manuela, die ihre Tochter zusammen mit Bruder Julian (18) zum Bundesfinale begleitet, allerdings schon jetzt. „Ich bin nervöser als meine Tochter“, gesteht die 42-Jährige. „Aber wir freuen uns, dass wir den Papa einer Freundin gefunden haben, der ein großes Auto hat und fährt.“ Fehlen wird demnach nur Papa Holger Kühling, der seit Längerem just in jener Woche einen Segeltörn geplant hat.

Einen Lieblingsautor hat Ronja Meinhardt übrigens nicht. Aber sie träumt davon, einmal Stephen King, von dem sie gerade „The Green Mile“ liest, zu treffen. Dennoch verschlingt sie manchmal ein Buch der „Gänsehaut“-Reihe von R.L. Stine in zwei bis drei Stunden. Zum Leidwesen ihrer Eltern auch schon mal abends mit Taschenlampe unter der Bettdecke. „Da brauche ich dann immer schnell neue“, sagt die Elfjährige. Entsprechend viele Bücher besitzt sie bereits. Wie viele, kann sie aber nicht sagen. „Ich lese Bücher lieber, als sie zu zählen.“ Einzig unter ihrem Hochbett ist noch etwas Platz, in den Regalen wird es schon eng.

Trotz ihrer unbändigen Leselust ist die Teenagerin alles andere als eine Stubenhockerin. Wenn sie nicht gerade ihre Nase in Bücher streckt oder selbst Gedichte und Geschichten schreibt, macht Ronja Cheerleading, spielt Flöte oder bewegt sich gern draußen. Letzteres bevorzugt mit dem dreijährigen Mischlingshund Tyson, der etwas schwierig ist, schon fünf Vorbesitzer hatte und einiges an Zeit und Aufmerksamkeit braucht.

Auch wenn sie gerne liest und schreibt, ist Ronja inzwischen davon abgekommen, später mal Autorin werden zu wollen. „Was mache ich denn, wenn mir mal nichts mehr einfällt“, lautet die Frage, auf die sie keine Antwort weiß. „Deshalb wird das mein Hobby.“ Ihr neuer Berufswunsch hat dennoch etwas mit ihrer Leidenschaft zu tun. „Etwas bei der Kriminalpolizei könnte ich mir gut vorstellen. Aber bis dahin ist noch Zeit.“

Viel näher liegt der Lesewettbewerb, für den das Talent aber kein konkretes Ziel hat. „Ich möchte eine schöne Zeit haben, mich mit den anderen Finalisten gut verstehen“, meint Ronja. Es würde ihr zu viel Druck machen, wenn sie unbedingt gewinnen wollen würde. „Aber schön wär’s schon“, sagt sie, lacht und weiß: „Ich hab’ schon viel erreicht.“

Das Bundesfinale des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels findet am
22. Juni beim Rundfunk Berlin-Brandenburg in Berlin statt, wird aufgezeichnet und am
8. Oktober im Kinderkanal ausgestrahlt.

Von Thomas Haegeler

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