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Altenburg Rositzer Wohnbaugesellschaft mit Geschäftsjahr 2015 zufrieden
Region Altenburg Rositzer Wohnbaugesellschaft mit Geschäftsjahr 2015 zufrieden
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05:00 20.10.2016
Die Rositzer Wohnbaugesellschaft ist mit dem Geschäftsjahr 2015 zufrieden. Quelle: dpa
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Rositz

Einen Gewinn von 3400 Euro hat die Rositzer Wohnbaugesellschaft im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Obgleich so die Gesellschafter – die Kommunen Meuselwitz, Kriebitzsch und Rositz – mit dem Unternehmen nichts verdienen, ist Geschäftsführerin Karin Noll durchaus zufrieden mit dem Ergebnis, wie sie im OVZ-Gespräch erklärt. Schließlich brauchte der Vermieter keine Zuschüsse aus den kommunalen Kassen, obwohl er mit einem ganzen Katalog an Problemen zu kämpfen hat, die die Bilanz belasten oder das Geschäft erschweren.

Beispielsweise habe das Image der Gesellschaft in den vergangenen Jahren wegen der Blöcke in Schelditz schwer gelitten. Gerade jenes Haus – seit März steht es leer – wo die höchsten Giftbelastungen durch Phenole im Boden gemessen worden sind (die OVZ berichtete), gehört der Wohnbau. „Dabei stehen die wenigsten unserer Objekte in Schelditz und die dortigen sind auch nicht alle belastet. Dort gibt es zum Teil sehr schöne Wohnungen mit Balkon“, meint Noll. Doch ihr Unternehmen werde von den Menschen häufig mit den Altlasten aus der Rositzer Teerverarbeitung assoziiert, was das Finden neuer Mieter nicht gerade vereinfacht.

Und neue Mieter werden ständig gebraucht. Etwa weil die Wohnbau mit dem demografischen Wandel zu kämpfen hat, der im ländlichen Raum besonders gewichtig ist. In dem Maße, wie altersbedingt Mieter ausziehen, sei es schwer, für Kriebitzsch, Rositz oder Wintersdorf neue jüngere Mieter zu finden, erläutert Noll. Daraus resultiert ein Stückweit auch, dass von den insgesamt 482 Wohnungen derzeit etwa 28 Prozent leer stehen. „Darunter sind aber auch alle Objekte, die nicht mehr vermietbar sind“, so Noll. Das beträfe zum einen natürlich den „Gift-Block“ in Schelditz aber auch eine ganze Reihe Wohnungen, die wegen ihres Zustandes zeitweise oder überhaupt nicht weiter angeboten werden.

In einigen wenigen Fällen, die es auch durchaus gebe, betont Noll, sind die Vormieter für den Zustand verantwortlich, weil sie die Wohnungen nach dem Auszug praktisch kaputt zurückgeben. Doch die Mehrzahl der Wohnungen, die von den drei Mitarbeitern der Gesellschaft inklusive Chefin nicht mehr offeriert werden, sind unsanierte Objekte. Sie seien Mitte der 1990er-Jahre nicht mit renoviert worden. Und inzwischen lohne sich das für die Wohnbau nicht mehr. Deshalb stehen solche Häuser zum Verkauf. Wie Noll informiert, gibt es dafür auch Interessenten. Erst kürzlich konnte die Gesellschaft eine Immobilie in Kriebitzsch zu sehr guten Konditionen verkaufen (die OVZ berichtete).

Ungeachtet dessen belastet der Leerstand die Bilanz des Vermieters, weil dadurch Einnahmen ausfallen, aber die so genannten kalten Nebenkosten – wie etwa die Grundsteuer – dennoch auflaufen. Zudem muss die Rositzer Wohnbaugesellschaft noch Verpflichtungen aus DDR-Zeiten bedienen. „Die Kredite wurden seinerzeit beim Neubau der Blöcke aufgenommen, und wir haben sicher noch zehn Jahre daran abzubezahlen.“ Übrigens: Ob noch alle Blöcke stehen, deren Baukredite heute abbezahlt werden, kann Noll nicht mit Bestimmtheit sagen.

Und auch ein weiterer Abriss sei derzeit nicht geplant. Dies kann sich aber ändern, sollten die zum Verkauf stehenden Häuser dauerhaft keine Abnehmer finden. Ausgeschlossen ist da freilich der schadstoffbelastete Block im Rositzer Ortsteil Schelditz, was aber auf einem anderen Blatt steht. Dessen Rückbau beschäftigt Noll derzeit weniger. Ganz einfach, weil überhaupt noch nicht klar ist, wer sich einmal darum kümmern wird. „Lediglich die Frage mit der Solaranlage ist geklärt. Für die gibt es, wenn es soweit, ist einen neuen Standort.“

Was die laufenden Kosten für diesen Block und die Mietausfälle betrifft, hat die Wohnbau Schadenersatzansprüche gestellt. „Da müssen wir nun abwarten, was dabei heraus kommt.“ Unberührt davon ist die vom Thüringer Umweltministerium zugesagte Bodensanierung, die die noch nicht belasteten Blöcke in Schelditz vorm Eindringen giftiger Phenole bewahren soll. Einen Zeitplan dafür gibt es aktuell auch noch nicht. Dennoch ist sich Noll ziemlich sicher, dass diesbezüglich die Zusagen aus dem Thüringer Umweltministerium eingehalten werden.

Was der Jahresabschluss für 2015 nun vom unabhängigen Prüfer bestätigt ausweist, erwartet Noll auch vom aktuellen Kalenderjahr. „Dieses Jahr ist im Grunde wie das vorige Jahr“, so Noll. Große Investition seien auch erst wieder für 2017 geplant, wenn Wirtschaftswege in Wohngebieten erneuert werden sollen. Unberührt davon sind freilich kleine Summen, die fortlaufend in den Bestand investiert werden. Dazu gehört auch ein altersgerechter und barrierefreier Umbau der Wohnungen, speziell der Bäder. Noll: „Das machen wir aber in der Regel nur auf Wunsch der Mieter.“

Von Jörg Reuter

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