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Altenburg Roswitha Schmiedel ist die Herrin über 600 Gewürze
Region Altenburg Roswitha Schmiedel ist die Herrin über 600 Gewürze
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00:23 14.09.2018
Roswitha Schmiedel in ihrem Reich der Gewürze. Den eindringlichen Duft im Wagen riecht sie nicht, sobald die Klappe offen ist. Quelle: Maike Steuer
Altenburg

Dieser Duft! Wer die Augen schließt und mal tief Luft holt, weiß mittwochs schon bei Betreten des Marktplatzes, ob Roswitha Schmiedel mit ihrem Verkaufswagen Position bezogen hat. Seit 25 Jahren klingelt jeden Mittwoch halb fünf ihr Wecker. Eine Stunde später macht sie sich von Gera auf den Weg gen Skatstadt, bei jedem Wetter. An Bord ihres Mobils: Etwa 600 verschiedene Gewürze von Anis bis Zwiebelgranulat, Tees, ätherische Öle, Kräuterbonbons und klare Suppe, gefriergetrocknet im Vorratspack.

Immer derselbe Standort

Jedes Produkt hat genauso einen festen Platz im Wagen wie der Wagen auf dem Marktplatz. Immer direkt gegenüber vom Rathauseingang ohne Ausnahme: „Dieses Regelmäßige ist extrem wichtig, denn die Leute müssen ja wissen, wo sie mich finden“, betont die gelernte Gärtnerin, die durch Zufall ihr Faible für Gewürze entdeckte. „Nach der Wende hatte ich es erst mit Bio-Produkten versucht, aber damals wollte die noch niemand“, erinnert sie sich schmunzelnd. Dann habe sich diese Möglichkeit ergeben und los ging’s.

Während sie hier und da noch ein paar Dinge sortiert, bleiben bereits die ersten Kunden stehen. „Haben Sie auch Heidelbeerblättertee?“, möchte eine ältere Dame wissen. Der sei für die Schwiegertochter. Die habe es mit Magen und Darm. Ihre Begleitung hört aufmerksam zu, bevor sie über Hausmittelchen und dessen Wirkung zu fachsimpeln anfangen.

Für Roswitha Schmiedel sind dieser Kontakt zu ihren Kunden, der Austausch und kleine Plaudereien das Salz in der Suppe. Apropos: „Ich verkaufe den Leuten gerne etwas Gutes für die Küche. Nur Salz und Pfeffer fürs Essen, das ist doch ziemlich eintönig.“

Die Expertin mag Curry Madras

Egal wie ausgefallen die Gewürzmischung oder exotisch ein Kraut: Die Expertin hat sie alle probiert und kann zu jedem einzelnen etwas sagen. Sie selbst mag besonders Curry Madras, denn „ich bin nicht ganz so scharf“, verfeinert Fleisch gern mit Steak-Gewürz und hat immer einen Vorrat Tomate-Mozzarella-Gewürz und Kurkuma in der eigenen Küche.

Alle Kräuter bezieht Roswitha Schmiedelaus Aschersleben, die Gewürze ordert sie beim Großhändler in rauen Mengen. „Frische ist das Allerwichtigste. Wir haben ein Gewürz- und Teelager zu Hause und füllen selbst ab.“ „Wir“ meint in diesem Falle sie und ihren Mann Matthias. Außer bei Stadtfesten, die sie grundsätzlich gemeinsam meistern, hat jeder von ihnen seine „eigenen“ Märkte. Sie ist drei Mal die Woche vor der Haustür in Gera unterwegs, plus Abstecher nach Altenburg, er kümmert sich um die Märkte weiter weg in Eisenberg, Borna oder Zeitz.

Die Altenburger lieben’s auch mal scharf

Besonders beliebt sei bei den Altenburgern neben dem obligatorischen Kümmel vor allem Pfeffer, Majoran, Kräutersalz. Und durchaus auch das scharfe Arrabiata zur Verfeinerung von Pastasoßen, wie es eine Kundin in diesem Moment verlangt. Sie kaufe schon seit Jahren alle ihre Gewürze nur noch hier, betont die Dame und nimmt gleich zwei Gewürztütchen mit.

Wie viele davon jeden Tag über die Theke gehen? Das sei so unterschiedlich wie das Wetter. „Man steckt in keinem Tag drin“, weiß die Gerarerin. Der intensive Gewürzcocktail, der jedem Besucher die Nasenflügel flattern lässt, bereitet der Expertin übrigens absolut keine Kopfschmerzen: „Sobald die Klappe auf ist, rieche ich das nicht mehr.“

Von Maike Steuer

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