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Rote Karte zeigen? – Altenburg sieht Geraer Protestaktion skeptisch

Debatte um Erfurter Theaterpläne Rote Karte zeigen? – Altenburg sieht Geraer Protestaktion skeptisch

Noch ist die künftige, ab 2017 in Thüringen geltende Theater- und Orchesterstruktur keine beschlossene Sache. Doch gegen die Pläne von Thüringens Kulturminister Hoff, im Philharmonische Orchester Altenburg-Gera die Stellen von aktuell 73 auf 64 bis 66 zu reduzieren, startete Gera eine Protestaktion. In Altenburg wird sie eher skeptisch gesehen.

Rote-Karten-Aktion gegen Stellenabbau im Philharmonischen Orchester.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Noch ist die künftige, ab 2017 in Thüringen geltende Theater- und Orchesterstruktur keine beschlossene Sache. Doch die Richtung hat Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) ziemlich klar vorgegeben. Für das Altenburg-Geraer Theater würde dies nach jetzigem Stand konkret bedeuten: Das in Geraer ansässige Staatsballett soll regelmäßig mehrwöchige Präsenzen in Erfurt haben und dort auch Neuproduktionen herausbringen. Außerdem sollen die Jenaer Philharmonie und das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera enger zusammenarbeiten, bei letzterem die Orchesterstellen von derzeit aktuell 73 auf 64 bis 66 reduziert werden.

Dagegen regt sich jetzt vor allem bei den Orchesterfreunden Gera – dort existiert neben dem Förderverein fürs Theater noch ein separater fürs Orchester – massiver Widerstand. Der Vorstand hat knallrote Postkarten herausgebracht, auf denen mit leeren Musikerstühlen und einem „Stopp!“ der weiteren Reduzierung des Orchesters Einhalt geboten werden soll. Der Aufforderung, diese Karten an Minister Hoff und den Aufsichtsratsvorsitzenden der Theater GmbH, Altenburgs OB Michael Wolf (SPD), zu schicken, sind offenbar schon viele Theater- und Konzertbesucher nachgekommen. „Bei mir stapeln sich die Karten auf dem Schreibtisch“, erklärte Wolf diese Woche.

Doch vor allem in Altenburg gibt es auch andere Meinungen zu dieser Aktion. Die Vorsitzende des Theatervereins, Barbara Grubitzsch, beispielsweise findet den Aufschrei unangemessen. „Es geht doch darum, durch Renteneintritt freiwerdende Stellen im Orchester nicht wieder zu besetzen. Das ist erstens ein langfristiger Prozess. Und zweitens wurde vom Minister zugesichert, dass bestimmte Instrumente, die im Orchester unabdingbar sind, sehr wohl ersetzt werden.“ Außerdem bestehe inzwischen Konsens darüber, dass eine Stärke von
66 Musikern auf jeden Fall erhalten wird, damit das Philharmonische kein C-Orchester werde. „Es ist deshalb falsch, von einem massiven Kulturabbau zu sprechen“, sagt die Vereinsvorsitzende.

 

„Von ehemals 670 Mitarbeitern sind gerade mal noch 295 am Altenburg-Geraer Theater übrig. Da ist mehr als ein ganzes Ensemble verschwunden“, erinnerte Kuntze. Er selbst würde 78 Musiker bei einem B-Orchester für angemessen halten. „Wir haben also schon jetzt keine gesunde Struktur.“ Das wichtigste für ihn aber sei, dass der ganze Prozess ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten gehen soll. Man müsse den Tatsachen ins Auge schauen.

Und die sehen so aus: Die Stadt Gera hat aufgrund ihrer massiven Haushaltsprobleme die Theaterfinanzen auf dem aktuellen Stand eingefroren. Auch der Landkreis Altenburger Land ist zu keiner Erhöhung bereit. Aber allein die Einhaltung des Status quo ist für das Theater folgenreich. Denn die Kosten steigen und zum Flächentarif möchte man auch zurück. Wollen die Verantwortlichen nicht doch noch über Entlassungen oder Spartenschließungen nachdenken müssen, muss Erfurt in die Bresche springen und die Finanzlücken schließen. Dann aber wird das Land auch Vorgaben machen, wie es sich die künftige Theater- und Orchesterstruktur vorstellt.

Die von Hoff geforderte Erfurt-Präsenz des Balletts sieht der Theaterchef sogar positiv. „Was soll schlecht daran sein, ein Fernster in der Landeshauptstadt zu haben?“, fragte er. „Zumal wir die Kapazitäten dafür besitzen und uns entlasten.“ Denn bis dato sei die Compagnie ihrem Namen als Thüringer Staatsballett noch lange nicht gerecht geworden, sei noch immer hundertprozentiger Bestandteil des Altenburg-Geraer Theaters. „Hier wird also kein Ballett verschachert.“

Weit größere Sorgen bereitet Kuntze die Situation im technischen Bereich. „Hinter der Bühne fehlen eigentlich
60 Stellen. Das ist unsere absolute Achillesferse. Wenn die reißt, fallen Vorstellungen aus.“ Es bräuchte erst einmal vier Leute, um die größten Löcher zu stopfen. Er sei verhalten optimistisch, diese zu bekommen.

In Altenburg gar tanzt das Theater noch aus einem weiteren Grund „auf sehr dünnem Eis“, der völlig maroden Bühnenmaschinerie wegen. Die Anträge für die Sanierung sind eingereicht. Kuntze rechnet dafür allerdings mit einer Gesamtschließzeit des Hauses von rund einem Jahr.

Für Barbara Grubitzsch nur bedingt ein Grund zum Traurigsein. „Wir werden Lösungen finden. Aber wenn jemand Millionen in unser Haus steckt, wird er es nicht bald darauf schließen“, ist sie überzeugt.

Von Ellen Paul

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