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Altenburg Rote Rosen erinnern in Schmölln an jungen Somalier
Region Altenburg Rote Rosen erinnern in Schmölln an jungen Somalier
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21:41 24.10.2016
Kerzen und rote Rosen erinnern am Gehweg in der Schmöllner Heimstätte an den jungen Somalier, der dort am Freitag in den Tod gesprungen ist.  Quelle: Christian Neffe
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Altenburg/Schmölln

 Ein grauer Schleier liegt über Schmölln. Noch trüber als das Wetter wirkt die Stimmung im Finkenweg. Auch wenn nach der Tragödie, bei der am Freitagnachmittag ein jugendlicher Somalier ums Leben kam, der Alltag in die Plattenbausiedlung Heimstätte zurückgekehrt zu sein scheint, bleibt ein bedrückendes Gefühl. Dem verleiht ein Ort des Gedenkens Ausdruck. An der Ecke des Gehweges, auf den der 15-Jährige gestürzt war, umringen Kerzen einen Strauß rote Rosen.

Am Montagmittag legte auch Landrätin Michaele Sojka (Linke) an der Unglücksstelle Blumen nieder. Sie war aber vor allem nach Schmölln gekommen, um mit den elf verbliebenen minderjährigen Flüchtlingen der Wohngruppe und deren Betreuern zu sprechen. „Ich bin unendlich traurig“, sagte Sojka. „Besonders bitter ist es, dass der Sprung trotz des engagierten Einsatzes der Rettungskräfte und des Betreuungspersonals nicht verhindert werden konnte.“ Zudem besuchte die Landrätin die Freiwillige Feuerwehr, die mit Notarzt und Polizei am Freitag eine Stunde lang um das Leben des Somaliers gekämpft hatte.

Der Flüchtling hatte sich aus dem Fenster des fünften Stockes gestürzt, war neben dem Rettungstuch gelandet und anschließend seinen schweren Verletzungen erlegen. Hintergrund des gegenüber Betreuern angekündigten Suizids waren offenbar psychische Probleme. Nach OVZ-Informationen traten diese bei dem jungen Mann verstärkt nach Alkoholkonsum zu Tage. Deswegen wurde er am späten Donnerstagabend wiederholt betrunken ins Fachklinikum nach Stadtroda gebracht. Dort war er bereits bekannt, man hatte ein psychopathologisches Bild von ihm. Als er am Freitag ausgenüchtert war, stellten die Ärzte aber keine Hinweise auf eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung fest und entließen ihn.

Zu den Hintergründen des Dramas wollte sich aber keine der beteiligten Institutionen äußern. Das Landratsamt und der Betreiber der Schmöllner Wohngruppe, das Meuselwitzer MBZ, verwiesen auf laufende Ermittlungen. Der Klinikbetreiber Asklepios berief sich auf die ärztliche Schweigepflicht.

Dass Schaulustige den Minderjährigen mit Rufen wie „Spring doch“ zum Suizid aufgefordert haben sollen (die OVZ berichtete), kann die Polizei bisher jedoch nicht bestätigen. „Nach jetzigem Kenntnisstand ist das nicht der Fall“, sagte Jens Heidenfeldt, Sprecher der Landespolizeidirektion Erfurt. „Diejenigen, die das am Anfang gesagt haben, konnten das in der Zeugenbefragung nicht mehr deutlich verifizieren.“ Neueste Erkenntnisse deuteten hingegen darauf hin, dass Nachbarn den jungen Mann möglicherweise nur auffordern wollten, in das Rettungstuch der Feuerwehr zu springen.

Das hält auch die Staatsanwaltschaft Gera, die die Ermittlungen leitet, für plausibel. „Diese Version ist naheliegend“, sagte der stellvertretende Pressesprecher Martin Zschächner. Prinzipiell sei aber noch unklar, ob etwas gerufen wurde oder nicht. „Wir ermitteln generell wegen einer ungeklärten Todesursache.“ Jedoch sei Suizid, auf den derzeit vieles hindeute, nicht strafbar. „Streng genommen wären es dann auch solche Rufe nicht.“

Laut Zschächner wird der Tote nun obduziert. Parallel dazu fordert man die Krankenakten an und wird auf dieser Grundlage von einem Sachverständigen auch ein psychologisches Gutachten erstellen lassen. Da die Staatsanwaltschaft grundsätzlich prüfe, ob es Ansatzpunkte für ein Fehlverhalten gebe, sei auch interessant, ob der junge Mann in der Klinik hätte bleiben müssen oder ob er ausreichend beaufsichtigt wurde, so Zschächner. Nicht bestätigen konnte der hingegen Jurist, dass man bereits ein Handy samt Video des Nachmittags beschlagnahmt hat. „Das wäre für die Ermittlungen aber interessant.“

Von Thomas Haegeler, Christian Neffe und Jörg Wolf

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