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Rote Zora ist erwachsen - Jugendtreff besteht sei 20 Jahren

Rote Zora ist erwachsen - Jugendtreff besteht sei 20 Jahren

Am Freitag werden auch viele den Weg in die Schollstraße finden, die nicht mehr regelmäßig den roten Backsteinbau im Bauhausstil besuchen.

Altenburg.

 

 

 

 

 

 

 

Es riecht etwas muffig - das Gemäuer sei feucht, heißt es. Und auch das Interieur ist meist, vorsichtig ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig: Sofas, Tische und Stühle und erst recht die Wände wirken teilweise ziemlich abgenutzt, wie direkt vom Sperrmüll, und die Gestaltung der Räume ist auffallend bunt, wo ein Farbklecks zu viel auch nicht stört.

"Das ist unser Zora-Style, wie ihn sich die jungen Leute auch wünschen und ihn selber kreiert haben", sagt Sozialarbeiter Rico Schwertner und muss schmunzeln. "Sie fühlen sich halt in diesem etwas unkonventionellen Ambiente wohl, was ja auch der Anspruch eines Kinder- und Jugendhauses ist." Eben auch ein wenig schräg, wie die Wahl des Termines für die 20. Geburtstagsfeier. Denn eine richtige Punktlandung wird das morgen dann auch nicht.

"Im November 1991 wurde aber die Idee zu diesem Jugendklub geboren und entschlossen bis zur Umsetzung vorangetrieben. Deshalb ist Ende November 1991 auch unser Gründungsdatum", so Schwertner. So richtig die Pforten öffnete der Treff dann am 23. März 1992.

Mit dem Kinder- und Jugendhaus von heute hatte der damalige Treff überhaupt nichts zu tun. Immerhin befand er sich damals in der zweiten Etage der heute längst abgerissenen Teichterrassen, die umgangssprachlich nur Bunker genannt wurden. Und der Treff trug einen wenig neugierig machenden Namen: "Sozial-Café", erinnert sich Schwertner.

Vor allem junge Besucher aus dem linken Spektrum besuchten das Café. "Damals herrschte ja auch in Altenburg ein gewaltiger Umbruch. Alles war unsicher und diffus", weiß der 39-Jährige aus den Berichten einstiger Mitarbeiter. Es brauchte gerade für die politisch links orientierten jungen Leute ein Angebot. Denn jene aus der rechten Szene hatten damals das Abstellgleis in Nord zu ihrem Treff auserkoren.

Schwertner weiß von diesen recht angespannten Konstellationen zu Beginn der 1990er-Jahre nur aus den Erzählungen von einst dort Beschäftigten. Selber kam der Sozialarbeiter erst 1999 in den Treff, der zu diesem Zeitpunkt schon Rote Zora hieß und sein Domizil bereits am heutigen Ort hatte. "Der Name Rote Zora kam von Jugendlichen selber, die regelmäßig hierher kamen. Irgendwann hat sich der Name nach dem gleichnamigen berühmten Buch von Kurt Held eingebürgert", so Schwertner.

In dem 1998 bezogenen Domizil an der Schollstraße wurde erst eine Etage für das Jugendhaus genutzt. "Parterre waren damals noch die ABMer der Stadt für die Grünpflege untergebracht", plaudert der Sozialarbeiter weiter. Doch die zogen recht schnell aus und die jungen Leute waren in dem dreistöckigen Bau allein.

Die Zora konnte wachsen und sich in mehreren Schritten über sämtliche Etagen ausdehnen. "Im Parterre ist die im Jahr 2004 für kleine Besuche gedachte Mini-Zora untergekommen, in der ersten Etage ist das 2001 geöffnete Café untergebracht und im anderen Stock der eigentliche Jugendtreff", zählt Monika Haubenschild auf. Seit 2006 ist sie an Schwertners Seite als Sozialarbeiterin dort tätig.

Die politische Lagerbildung unter der Jugend ist in Altenburg schon seit etlichen Jahren Vergangenheit. Auch im Kinder- und Jugendhaus ist davon nichts mehr zu spüren, hat sich das Publikum gewandelt. Mittlerweile kommen schon die Kinder einstiger Stammgäste der Zora in das Haus.

"Hier ist etwas für Altenburg Einzigartiges entstanden", sagt Rico Schwertner mit Stolz. Das Café arbeite vom ersten Tag seines Bestehens an unabhängig unter der Verwaltung der Jugendlichen. Und auch manches Angebot ist einzigartig: Beispielsweise, dass hier auch zwei Probenräume für Bands vorhanden sind, von denen gleich einige aus der Zora hervorgingen.

Wenn die beiden Sozialarbeiter die heutige Angebotspalette aufzählen, müssen sie aufpassen, nichts zu vergessen: Da gibt es regelmäßige Veranstaltungen jeglicher Coleur. "Was sich die Kinder und Jugendlichen so wünschen und was realisierbar ist", umreißt es Monika Haubenschild. Die beiden Sozialarbeiter wachen natürlich darüber, dass alles bei den kleinen und großen Gästen in geordneten Bahnen läuft und sind bei Bedarf auch mal Kummerkasten. "Aber sonst halten wir uns eher zurück und überlassen den Kindern und Jugendlichen das Feld zur Verwirklichung", meint Schwertner.

Um die 20 Gäste pro Tag gehören wohl auch deshalb zum Stamm. "In den Ferien natürlich bedeutend mehr." Und mittlerweile haben die Zora und damit ihre Besucher auch in der Stadt sichtbare wie unsichtbare, jedoch spürbare Spuren hinterlassen: Die Skateranlage an der Schwimmhalle entstand auf Initiative der jungen Leute, das Umfeld des Hauses wurde attraktiver gestaltet und diverse Projekte sorgten immer wieder für öffentliche Aufmerksamkeit in der Stadt. So soll es noch lange bleiben. Die Stadt als Träger steht hinter dem Treff. Die Fenster des Gebäudes wurden erneuert. Geplant ist auch, der Feuchtigkeit im Gemäuer zu Leibe zu rücken, die für den muffigen Geruch verantwortlich ist. Und auch die jungen Leute haben sicher noch viele neue Ideen.

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