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Rowdys im Mais und Löwen beim Umzug

Rowdys im Mais und Löwen beim Umzug

In Thüringens Tierwelt gehörten 2011 die Löwen Amos und Kibali zu den Stars bei ihrem Umzug von Erfurt nach Gera. Weniger majestätisch präsentierte sich der zoologische Alltag mit Rowdys im Maisfeld, juristisch schwierigen Beißern und eingewanderten Störenfrieden.

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Die beiden sieben Jahre alten Löwen Kibali (l.) und Amos sind seit Juni 2011 in einem neuen Gehege im Thüringer Waldzoo in Gera zu sehen. Die neuen Löwen kamen aus dem Zoopark Erfurt.

Quelle: dpa

Erfurt. Von Christian Schneider

Der tierische Rückblick auf die Thüringer Nachrichten 2011 bietet auf den ersten Blick nicht viel Stoff zum Schmunzeln: Die Bettwanze auf dem Vormarsch, Chip- und Versicherungspflicht für alle Hunde und ein am Ende doch erfolgloser Kampf der Ärzte um ein am Bein operiertes Erfurter Giraffenbaby. Dagegen stehen einem neu entdeckte Tierart auf dem Altenburger Friedhof, die ausgebliebene Borkenkäferplage und Polizisten, die zur Rettung einer Entenfamilie eine Autobahn sperren.

Die verfügbaren Zahlen zeigen Zuwächse in Stall und Natur: Der Bestand von Rindern und Schweinen legte mit 1,2 Millionen Tieren etwas zu. 1,3 Millionen Schlachtungen von Schweinen, Rindern, Schafen und Pferden bedeuteten aber weniger Fleisch aus den Schlachthöfen. Deutlich zugenommen hat nach Angaben von Forstministerium und Jägern die Wilddichte - zum Ärger von Waldbesitzern und Agrarbetrieben, die ihre jungen Bäume und Maisfelder lieber von Rehen und Wildschweinen verschont sehen wollen. Wildschweine vermehrten sich aber "maximal", erklärte der Landesjagdverband. In den Gärten zählten bei einer Aktion von Naturschützern 2000 Freiwillige die Vögel - und stellten fest, dass der Spatz die Amsel wieder überholt habe. Eine Null steht dagegen immer noch beim Wolf, der aber immerhin schon Fachtagungen mit zig Experten beschäftigte, die Konzepte für den Umgang mit seiner erwarteten Rückkehr erarbeiteten.

Politisches Tierthema Nummer eins in Thüringen war 2011 der Hund, vor allem in seiner Spielart als Kampfhund und Gefahrhund. Nach mehreren tödlichen Attacken wollten Landesregierung und Landtag die Bevölkerung besser schützen. Der Versuch, das in rechtssichere Form zu packen, geriet zum monatelangen Dauerstreit um Körpermaße und Rasselisten.

Am Ende beschloss das Parlament doch die umstrittene Rasseliste, an der Experten monierten, dass Gefährlichkeit weniger eine Frage der Rasse sei, sondern eher von Kompetenz und Charakter "am anderen Ende der Leine". Außerdem schrieb der Gesetzgeber eine Chip- und Versicherungspflicht für alle Hunde vor.

Welche Versicherungspflicht für Haus-Krokodile fällig sei, teilte die Geraer Polizei nicht mit, als sie im Januar einen 1,20 Meter langen Kaiman nebst Vogelspinne aus einer Wohnung holen ließ. Den Beamten genügte, dass der 49 Jahre alte Besitzer keinen Herkunftsnachweis vorlegen konnte.

Schon vor der Kontrolle scheiterte ein Pony in Nordhausen, das sich an einer Straßenbahnhaltestelle anstellte. Als die Bahn kam und es hineinwollte, spielten Fahrer und Passagiere nicht mit. Der geplante Ausflug endete in dem Zirkus, aus dem der junge Hengst ausgebüxt war.

Die Wege von Tieren im Straßenverkehr endeten dagegen regelmäßig weniger glimpflich für sie. Bei einer der seltenen Ausnahmen hatte ein tierliebender Autofahrer bei Apolda versucht, einer über die Straße rennenden Katze ausweichen. Er verlor dabei die Kontrolle über den Wagen, der gegen ein Verkehrszeichen prallte. Die Katze sei unverletzt vom Unfallort verschwunden, konstatierte der Polizeibericht.

Höchste Sicherheitsstufe ordnete die Polizei zu Pfingsten auf der Autobahn 71 bei Erfurt an, als eine Entenfamilie auf der Autobahn unterwegs war: Die Beamten sperrten den Streckenabschnitt und bargen die Enten mit ihren Uniformjacken von der Fahrbahn.

Ohne eigenes Zutun schaffte es ein Chamäleon in die Polizeimeldungen. In einem Gothaer Zoofachgeschäft steckte ein junger Mann das Tier kurzerhand in seine Hosentasche und entkam, ohne zu bezahlen.

Weniger Schlagzeilen machte die nur für Schädlingsbekämpfer erfreuliche Meldung, dass sich die von Reisenden eingeschleppte Bettwanze inzwischen in Thüringen rasant vermehre. Als harmloser gilt dagegen ein in Altenburg entdeckter Muschelkrebs. 2011 wurde er wissenschaftlich offiziell als zuvor noch nicht beschriebene Art geadelt.

Allerdings dürfte der Potamocypris altenburgensis - so sein lateinischer Name - ein Fall für gut ausgerüstete Spezialisten bleiben: Er ist kleiner als zwei Millimeter und lebt gerne in Wasserbecken von Friedhöfen.

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