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Rund 1400 Geflüchtete leben im Altenburger Land – nur noch Schätzung der Zahlen möglich

Asylproblematik Rund 1400 Geflüchtete leben im Altenburger Land – nur noch Schätzung der Zahlen möglich

Für den Landkreis gibt es keine exakten Flüchtlingszahlen mehr. Das geht aus einer Antwort des Landratsamtes auf eine OVZ-Anfrage hervor. Demnach leben im Altenburger Land schätzungsweise zwischen 1400 und 1450 Flüchtlinge. Ursache für die Ungenauigkeit ist, dass viel Migranten bereits einen Status haben und sich selbst eine Wohnung suchen.

Masut, Machmut, Mastava, Baugun (v.l.) sind aus ihrer Heimat geflohen und leben im Altenburger Land. Wie viele Flüchtlinge es hier aber derzeit genau gibt, lässt sich nicht mehr sagen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Für den Landkreis gibt es keine exakten Flüchtlingszahlen mehr. Das geht aus einer Antwort des Landratsamtes auf eine OVZ-Anfrage hervor. Demnach leben im Altenburger Land schätzungsweise zwischen 1400 und 1450 Flüchtlinge, darunter sind etwa 400 Kinder. Ursache für die Ungenauigkeit ist, dass zahlreiche Migranten bereits einen Status als anerkannter Flüchtling oder Asylberechtiger haben. Als solcher sind sie nicht mehr beim Landratsamt, sondern beim Jobcenter gemeldet und suchen sich selbst eine Wohnung. Das müssen sie dann nicht mehr in Altenburg, sondern können sie in ganz Thüringen tun.

Von der Kreisbehörde noch untergebracht sind 888 Personen, davon 718 in Altenburg, 99 in Schmölln, 23 in Meuselwitz, 21 in Niederhain, 15 in Gößnitz, 9 in Nobitz und 3 in Rositz. Allerdings dürften diese Zahlen in nächster Zeit deutlich schrumpfen, denn etwa 400 dieser 888 Migranten im Altenburger Land sind bereits auf dem Absprung. Sie wurden als Flüchtling anerkannt, wohnen lediglich noch übergangsweise in Unterkünften, die das Landratsamt angemietet hat. Sie sollen sich jetzt Schritt für Schritt um eigene Wohnungen kümmern.

Die Stadt Altenburg ist für Ausländer der mit Abstand wichtigste Wohnort im Landkreis. Nach Angaben des Meldeamtes der Altenburger Stadtverwaltung leben in der Skatstadt etwa 1200 Geflüchtete, mit oder ohne Status, die meisten davon im Stadtteil Nord. Rund 360 von ihnen sind Asylbewerber. Sie warten darauf, dass ihr Antrag auf Asyl entschieden wird. Darunter befindet sich beispielsweise ein Afghane, der seit rund drei Jahren nicht weiß, was aus ihm wird. 340 dieser Männer und Frauen sind nach der Genfer Flüchtlingskonvention entweder asylberechtigt oder ihnen wurde eine Flüchtlingseigenschaft zuerkannt, wie aus Unterlagen des Landratsamtes hervorgeht. Hinzu kommen in Altenburg weitere 372 Personen, die einen sogenannten subsidiären Schutz im Sinne des Asylgesetzes genießen. Sie können sich mit ihrer Vorgeschichte zwar nicht auf die Flüchtlingskonvention berufen, jedoch stichhaltige Gründe vorbringen, dass ihnen im Herkunftsland ein ernsthafter Schaden drohe, wenn sie zurückkehren würden – insbesondere durch bewaffnete Konflikte oder Folter. Dieses Asyl, durch deutsche Gesetzgebung geregelt, ist zunächst auf ein Jahr begrenzt.

Darüber hinaus wurde für einzelne Menschen ein Abschiebeverbot geltend gemacht, wenn sie zum Beispiel ernsthaft erkrankt sind. Dieses Verbot kann auch ohne Asylberechtigung oder subsidiären Schutz wirksam werden.

Abschiebungen hat es im Landkreis im vergangenen Jahr trotzdem gegeben – laut Landratsamt in 20 Fällen. 142 Asylbewerber reisten zudem freiwillig aus. Aktuell befinden sich 83 Personen im Besitz einer Duldung, also einer vorübergehenden Aussetzung der Abschiebung.

„Die Flüchtlingsintegration ist eine riesige Herausforderung in unserer Stadt“, konstatierte Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). „Nachdem alle Mahnungen in den Wind geschlagen wurden und seit über einem Jahr konstant 80 Prozent der Flüchtlinge im Landkreis in der Stadt Altenburg leben, waren Probleme vorprogrammiert.“ Es sei vieles getan worden, um die Integration durch Unterstützung der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer, einer Zusammenarbeit mit der Caritas und durch den zusätzlichen Einsatz einer städtischen Integrationsbeauftragten zu ermöglichen, sagte Wolf im Rahmen seines Neujahrsempfangs Ende Januar. „Ja, wir wollen helfen und das Recht auf Asyl in unserer Stadt respektieren und gestalten. Die Rahmenbedingungen durch Bund und Land sind aber wahrlich nicht optimal.“ Der lange Prozess der Integration könne nicht allein auf die Schultern des Ehrenamtes abgewälzt werden. „Warum“, fragte Wolf, „werden die Mittel von Bund und Ländern vor Antragsbearbeitung nicht von den Landkreisen auf die Kommunen umgeleitet, die täglich mehr Flüchtlinge mit Aufenthaltsstatus in ihre Verantwortung bekommen?“

Von Jens Rosenkranz und Kay Würker

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